Börse Stuttgart zündet nächste Stufe der EU-Expansion – so geht es nach der Tradias-Übernahme weiter
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Die Börse Stuttgart Group will ihr Geschäft mit Kryptowährungen und tokenisierten Assets weiter ausbauen. Mit der Übernahme des Krypto-Market-Makers Tradias, neuen Infrastrukturprojekten und Rückenwind aus der Regulierung positioniert sich die Börsengruppe strategisch im europäischen Markt. CEO Dr. Matthias Voelkel beschreibt im Gespräch mit BTC-ECHO, wie die nächste Phase der Expansion aussehen soll.
Tradias-Übernahme: Börse Stuttgart Group baut Krypto-Infrastruktur aus
Erst vor wenigen Wochen gab die Börse Stuttgart Group die Fusion ihrer Tochter Börse Stuttgart Digital mit dem Krypto-Liquiditätsanbieter Tradias bekannt. Durch die Kombination der sich ergänzenden Geschäftsmodelle entsteht laut Voelkel ein europäischer Champion unter dem Dach der Börse Stuttgart Group. “Wenn zwei sehr starke Player sich zusammenschließen, entsteht ein Player, an dem man kaum vorbeikommt.” Der Zusammenschluss soll Angebote für alle Teile der Wertschöpfungskette zusammenführen. Tradias bringe vor allem Kompetenzen im Krypto-Trading und -Brokerage ein, während Börse Stuttgart Digital neben dem eigenen Krypto-Brokerage auch eine Krypto-Börse und Krypto-Verwahrung anbiete.
Trotz des aktuellen Bärenmarktes im Krypto-Sektor wachse die Nachfrage nach Bitcoin und anderen Kryptowerten kontinuierlich weiter, insbesondere von institutioneller Seite, betont Voelkel. Durch Tradias sei man nun in der Lage, zusätzliche Kryptowährungen zu integrieren und ein erweitertes, modulares Angebot für institutionelle Kunden zu machen.
Die beiden Partner ergänzten sich auch mit Blick auf Handel und Brokerage. “Zusammen vereinigen wir mehr Flow auf uns, und das führt zu besseren Ausführungspreisen. Die Verbindung unserer Flows ist ein wichtiges Element”, fasst Voelkel zusammen.
Expansion dank Regulierung
Dass die Börse Stuttgart Group ihr Standing in Europa signifikant ausbauen möchte, hat auch etwas mit den regulatorischen Vorstößen auf EU-Ebene zu tun. Neue Expansionschancen ergeben sich vor allem durch drei regulatorische Entwicklungen: die Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA), das DLT-Pilotregime für tokenisierte Wertpapiere und das europäische Marktintegrationspaket (MISP).
“Wir haben in Europa sowohl im digitalen als auch im klassischen Kapitalmarkt zu viel Zersplitterung. Infrastrukturen sind national, Settlementkosten sind hoch, Standards sind uneinheitlich”, erklärt Voelkel.
Mithilfe offener Blockchain-Infrastrukturen und neuer regulatorischer Rahmenbedingungen will der Börsenchef den Flickenteppich der EU überwinden. Ein zentraler Baustein dafür ist die neue Abwicklungsplattform Seturion für tokenisierte Assets.
Seturion: Ein Gegenentwurf zu nationalen Silos
Die paneuropäische Abwicklungsplattform sei daher offen für unterschiedliche technologische Ansätze. “Die Architektur von Seturion ist bewusst offen – sie unterstützt alle Arten von tokenisierten Assets auf Public Blockchains wie Ethereum, aber auch auf privaten Blockchains”, erklärt der Börsenchef. Auch bei der Abwicklung setzt das System auf Flexibilität. “Settlement kann gegen Zentralbankgeld oder gegen digitales Geld wie Stablecoins erfolgen”, sagt Voelkel.
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Problem für Clearstream? Seturion der Börse Stuttgart: Mit der Blockchain gegen Zentralverwahrer
Dabei gehe es bewusst nicht darum, einen neuen Standard im Alleingang durchzusetzen. “Die Idee ist, eine Industrielösung zu schaffen, an der sich alle Marktteilnehmer beteiligen können”, sagt Voelkel. Die US-amerikanische Börse Nasdaq scheinen sie jedenfalls mit ihrem Ansatz überzeugt zu haben. Erst letzte Woche gab sie eine Kooperation mit Seturion bekannt.
Mit Seturion scheint man einen Gegenentwurf zu den Silos nationaler Zentralverwahrer aufzubauen. Die Börsengruppe positioniert sich damit als Alternative zu klassischen Zentralverwahrerstrukturen. Mithilfe der Blockchain könnte es ihr nun gelingen, diese europaweit aufzubrechen und Seturion als Go-to-Plattform zu positionieren.
Diese These erhält durch die Aussage Voelkels, dass man “Kleinstaaterei und Monopolen kritisch gegenübersteht“, zusätzlichen Aufwind. Generell ist es dem CEO der Börse Stuttgart Group wichtig, dass Europa wieder vermehrt den Unionsgedanken stärkt, anstatt sich in neu geschaffener Bürokratie zu verlieren und in den nationalen Silos zu verharren.
DLT-Pilotregime: Der Startschuss, auf den die Börse Stuttgart Group wartet
Im Gespräch mit Voelkel zeigt sich, dass die Tokenisierung ein entscheidender Treiber für die Strategie der gesamten Börsengruppe ist. Auf die Frage, was er sich am meisten für seine Börsengruppe vom Regulator wünschen würde, war seine Antwort eindeutig: “Die Überarbeitung des DLT-Pilotregimes muss wirklich schnell durchkommen.”
“Wenn wir einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt wollen, dann sollten wir idealerweise ein oder zwei paneuropäische Settlementangebote schaffen”, fährt er fort. Das DLT-Pilotregime inklusive der aktuell angestoßenen Änderungen würde dafür das regulatorische Fenster öffnen. Denn erstmals erlaubt es Marktteilnehmern, Wertpapierhandel und Abwicklung direkt über Blockchain-Systeme zu organisieren – ohne große Einschränkungen bei Volumina oder Wertpapierklassen.
Dank Blockchain: Das Ende von T + 2 naht
Als ein besonders naheliegendes Asset für die Tokenisierung nennt Voelkel Geldmarktfonds. In diesem Segment könnten Blockchain-basierte Marktstrukturen ihre Vorteile besonders gut ausspielen. Der Grund liegt in den heutigen Abwicklungsprozessen. Selbst bei vergleichsweise einfachen Finanzprodukten vergehe zwischen Handel und endgültiger Abwicklung oft noch viel Zeit. “Heute haben wir häufig noch Abwicklungszyklen wie T+2 oder sogar länger”, erklärt der Börsenchef. Blockchain-basierte Marktinfrastrukturen könnten diese Zeitspanne perspektivisch deutlich verkürzen.
Das überarbeitete DLT-Pilotregime könnte sich als der entscheidende regulatorische Baustein erweisen, der der Börse Stuttgart Group erlaubt, ihre Blockchain- und Tokenisierungsstrategie vollständig auszurollen. Für die Börsengruppe geht es dabei um mehr als nur neue Produkte. Die entscheidende Frage lautet, wer künftig die Infrastruktur des europäischen Kapitalmarkts betreibt. Für Voelkel steht fest, dass die Börse Stuttgart Group bei diesem Transformationsprozess eine zentrale Rolle spielen will.
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