Bitpanda-CEO fordert konsequente Durchsetzung der EU-Kryptoregeln
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Mit dem Ende der Micar-Übergangsfrist beginnt für Europas Kryptomarkt eine entscheidende Phase. Im Gespräch mit stock3 erwartet Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad eine Marktbereinigung und fordert eine konsequente Regel-Durchsetzung.
Interview mit Lukas Enzersdorfer-Konrad, CEO Bitpanda
stock3: Herr Enzersdorfer-Konrad, mit dem Ende der Micar-Übergangsfrist am 1. Juli hat eine neue Ära für den europäischen Kryptomarkt begonnen. Was bedeutet das konkret?
LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Seit dem 1. Juli dürfen Krypto-Dienstleister in der Europäischen Union ihre Leistungen nur noch dann anbieten, wenn sie über eine offizielle CASP-Lizenz verfügen. Das ist eine große Herausforderung, denn von den rund 3.000 Anbietern, die bisher in Europa aktiv waren, hat nur ein kleiner Teil diese notwendige Lizenz erhalten. Jetzt dürfte eine gewissen Marktbereinigung stattfinden - wenn die Regeln jetzt tatsächlich auch konsequent durchgesetzt werden.
stock3: Warum ist Ihnen eine konsequente Durchsetzung der EU-Kryptoregeln so wichtig?
LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Entscheidend ist, dass es in Europa klare und einheitliche Regeln gibt. Nur so lässt sich ein fairer Wettbewerb schaffen. Wir haben bereits mit Mifid II gesehen, dass Regulierung zu einer weiteren Professionalisierung des Marktes führen kann. Ich gehe davon aus, dass wir eine ähnliche Entwicklung auch im Kryptosektor sehen werden. Die Durchsetzung liegt bei den nationalen Aufsichtsbehörden. Es wird also von den einzelnen Ländern abhängen, wie konsequent die Einhaltung kontrolliert wird. Möglich ist auch ein koordiniertes Vorgehen mit der ESMA. Insgesamt wird das der Lackmustest für den europäischen Regulierungsrahmen sein.
stock3: Wie leicht lässt sich überhaupt erkennen, welche Anbieter nicht regelkonform arbeiten?
LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Das ist gar nicht so schwer. Ein Blick auf App-Downloads oder darauf, welche Anbieter europäische Anleger gezielt über Online-Werbung ansprechen, liefert bereits gute Hinweise darauf, wer weiterhin aktiv um europäische Kunden wirbt.
stock3: Beobachtet Bitpanda stärkere Kundenzuflüsse von anderen Plattformen?
LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Wir haben im Vorfeld des Stichtags eine anziehende Dynamik und einen spürbaren Zufluss von Assets auf unsere Plattform verzeichnet. Das zeigt klar: Europäische Anleger agieren hochgradig rational und wandern gezielt zu voll regulierten Plattformen ab, um jeglichem Risiko zu entgehen. Diese Entwicklung ist der beste Beleg für den Reifegrad unserer Branche; Rechtssicherheit und Vertrauen sind im europäischen Krypto-Markt endgültig zur härtesten Währung geworden.
stock3: Manche sagen, Krypto habe als Anlageklasse an Bedeutung verloren. Teilen Sie diese Ansicht?
LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Nein, das sehe ich nicht so. Krypto ist inzwischen eine etablierte Anlageklasse – genauso wie der 24/7-Handel. Ein erheblicher Teil des Handelsvolumens findet weiterhin an Wochenenden statt. Das zeigt, dass der Markt nach wie vor relevant ist.
Wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch und die Beantwortung unserer Fragen.
Interview-Partner: Lukas Enzersdorfer-Konrad
Position: Vorsitzender des Vorstands
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