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Kommentar
16:30 Uhr, 08.07.2026

Bitpanda-CEO fordert konsequente Durchsetzung der EU-Kryptoregeln

Mit dem Ende der Micar-Übergangsfrist beginnt für Europas Kryptomarkt eine entscheidende Phase. Im Gespräch mit stock3 erwartet Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad eine Marktbereinigung, fordert konsequente Regel-Durchsetzung und warnt vor Risiken globaler Orderbücher.

Mit dem Ende der Micar-Übergangsfrist beginnt für Europas Kryptomarkt eine entscheidende Phase. Im Gespräch mit stock3 erwartet Bitpanda-CEO Lukas Enzersdorfer-Konrad eine Marktbereinigung, fordert konsequente Regel-Durchsetzung und warnt vor Risiken globaler Orderbücher.

Interview mit Lukas Enzersdorfer-Konrad, CEO Bitpanda


stock3: Herr Enzersdorfer-Konrad, mit dem Ende der Micar-Übergangsfrist am 1. Juli beginnt eine neue Phase für den europäischen Kryptomarkt. Was bedeutet das konkret?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Mit dem Ende der Übergangsfrist tritt der europäische Kryptomarkt in eine entscheidende Phase ein. Ab dem 1. Juli dürfen Krypto-Dienstleister in der Europäischen Union ihre Leistungen nur noch dann anbieten, wenn sie über eine offizielle CASP-Lizenz verfügen. Das ist eine große Herausforderung, denn von den rund 3.000 Anbietern, die derzeit in Europa aktiv sind, hat bislang nur ein kleiner Teil diese notwendige Lizenz erhalten. Ich rechne daher mit einer gewissen Marktbereinigung, sobald die Frist abläuft.


stock3: Warum ist Ihnen eine konsequente Durchsetzung der EU-Kryptoregeln so wichtig?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Entscheidend ist, dass es in Europa klare und einheitliche Regeln gibt. Nur so lässt sich ein fairer Wettbewerb schaffen. Wir haben bereits mit Mifid II gesehen, dass Regulierung zu einer weiteren Professionalisierung des Marktes führen kann. Ich gehe davon aus, dass wir eine ähnliche Entwicklung auch im Kryptosektor sehen werden.


stock3: Was passiert ab dem 1. Juli mit Anbietern, die die Vorgaben nicht erfüllen?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Grundsätzlich sollten die Aufsichtsbehörden ab dem 1. Juli gegen nicht konforme Anbieter vorgehen. Die Durchsetzung liegt jedoch bei den nationalen Aufsichtsbehörden. Es wird also von den einzelnen Ländern abhängen, wie konsequent die Einhaltung kontrolliert wird. Möglich ist auch ein koordiniertes Vorgehen mit der ESMA. Insgesamt wird das der Lackmustest für den europäischen Regulierungsrahmen sein.


stock3: Wie leicht lässt sich überhaupt erkennen, welche Anbieter nicht regelkonform arbeiten?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Das ist gar nicht so schwer. Ein Blick auf App-Downloads oder darauf, welche Anbieter europäische Anleger gezielt über Online-Werbung ansprechen, liefert bereits gute Hinweise darauf, wer weiterhin aktiv um europäische Kunden wirbt.


stock3: Wie groß ist der Anteil der Anbieter, die die Micar-Anforderungen schon heute erfüllen?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Aktuell erfüllen nur etwa 10 Prozent der Anbieter das, was Micar ab Juli verlangen wird. Das zeigt, wie groß die Lücke zwischen Regulierung und tatsächlicher Umsetzung im Markt noch ist.


stock3: Warum sehen Sie globale Orderbücher als sensibles Thema?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Weil eine wirksame Aufsicht über CASPs allein nicht ausreicht. Ebenso wichtig ist, dass Gelder europäischer Anleger nicht in globale Orderbücher gelenkt werden, wenn dadurch die europäischen Standards des Anlegerschutzes untergraben werden könnten.


stock3: Welche Entwicklungen beobachten Sie bei internationalen Anbietern?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Mehrere in Asien ansässige Anbieter mit europäischen Lizenzen waren bereits von vorübergehenden Einschränkungen betroffen. Börsen wie Kucoin und Bitget warten weiterhin auf ihre vollständige Micar-Zulassung. Coinbase hat zudem angekündigt, die Nutzung eines globalen Orderbuchs für das Matching von Aufträgen im internationalen Geschäft auszuweiten.


stock3: Besonders viel Aufmerksamkeit gilt derzeit Binance. Wie schätzen Sie die Lage ein?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Mit Blick auf die Juli-Frist steht Binance besonders im Fokus, weil die Plattform schätzungsweise rund 20 Millionen Kunden in Europa betreut. Nach Schwierigkeiten bei einer Zulassung über Griechenland scheinen die verbleibenden Optionen begrenzt. Eine Möglichkeit wäre, unter dem Dach eines regulierten Dienstleisters zu operieren. Solche Konstruktionen könnten von den Aufsichtsbehörden jedoch kritisch gesehen werden. Aktuell scheint eine mögliche Zulassung über Frankreich einer der letzten verbleibenden Wege zu sein – vermutlich unter strengen Auflagen. Um die Anforderungen zur Geldwäschebekämpfung zu erfüllen, könnte sogar ein vollständiges Re-Onboarding der EU-Kunden nötig werden.


stock3: Beobachtet Bitpanda bereits stärkere Kundenzuflüsse von anderen Plattformen?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Bislang sieht Bitpanda nur begrenzte Migrationsbewegungen. Zwar haben einige Binance-Kunden in sozialen Medien angekündigt, Vermögenswerte abzuziehen, bislang zeigt sich aber nur ein leichter Anstieg bei den Anfragen. Ende 2025 hatte Bitpanda 7,4 Millionen Kunden. Sollte es zu einer Marktbereinigung kommen, könnten sich daraus zusätzliche Wachstumschancen ergeben.


stock3: Wie hat sich Bitpanda im ersten Halbjahr 2026 entwickelt?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2026 war zufriedenstellend, auch wenn das Retail-Kryptogeschäft angesichts geopolitischer Unsicherheiten etwas schwächer ausfiel. Gleichzeitig ist das B2B-Geschäft deutlich gewachsen und konnte die geringeren Volumina im Privatkundengeschäft teilweise ausgleichen. Für das zweite Halbjahr wird weiterhin mit positiver Dynamik gerechnet.


stock3: Welche Rolle spielt dabei die Diversifikation des Geschäftsmodells?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Eine wichtige Rolle. Bitpanda hat sein Angebot über Kryptowährungen hinaus auf Aktien und ETFs ausgeweitet. Dadurch ist der Umsatzmix ausgewogener geworden. Das stärkt das Wachstum und macht das Unternehmen insgesamt robuster.


stock3: Manche sagen, Krypto habe als Anlageklasse an Bedeutung verloren. Teilen Sie diese Ansicht?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Nein, das sehe ich nicht so. Krypto ist inzwischen eine etablierte Anlageklasse – genauso wie der 24/7-Handel. Ein erheblicher Teil des Handelsvolumens findet weiterhin an Wochenenden statt. Das zeigt, dass der Markt nach wie vor relevant ist.


stock3: Sie haben sich auch offen für eine zentralisierte europäische Aufsicht gezeigt. Warum?

LUKAS ENZERSDORFER-KONRAD: Weil am Ende vor allem zählt, dass es in ganz Europa klare und konsistente Regeln gibt. Wenn eine zentralisierte europäische Aufsicht dazu beitragen kann, dieses Ziel zu erreichen, ist das ein sinnvoller Ansatz.


Wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch und die Beantwortung unserer Fragen.

Interview-Partner: Lukas Enzersdorfer-Konrad

Position: Geschäftsführer

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