Bid-Ask-Spread erklärt: Was er ist und wie viel er dich kostet
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Jede Aktie hat nicht einen Kurs, sondern zwei. Der eine ist der Preis, zu dem du kaufen kannst, der andere der Preis, zu dem du verkaufen kannst. Die Differenz zwischen beiden heißt Bid-Ask-Spread und sie kostet dich bei jedem Trade Geld.
Dieser Artikel zeigt, was Bid und Ask genau sind, rechnet den Spread in Euro und Prozent durch, erklärt, was ihn groß oder klein macht, und gibt dir drei praktische Regeln, um Spread-Kosten im Alltag zu senken.
Video: Den Bid-Ask-Spread kannst du dir auch bequem im Videoformat erklären lassen. Einfach starten und zuschauen.
Bid und Ask: Die zwei Kurse einer Aktie
Wenn du in deiner Broker-App auf eine Aktie tippst, siehst du oft nur einen Preis. Das ist der zuletzt gehandelte Kurs. In Wirklichkeit gibt es aber zwei Kurse gleichzeitig.
Bid (Geldkurs). Der höchste Preis, zu dem jemand im Orderbuch gerade bereit ist, die Aktie zu kaufen. Wenn du verkaufst, bekommst du den Bid-Kurs.
Ask (Briefkurs). Der niedrigste Preis, zu dem jemand gerade bereit ist, die Aktie zu verkaufen. Wenn du kaufst, zahlst du den Ask-Kurs.
Der Unterschied zwischen Bid und Ask ist der Spread. Er ist immer positiv (Ask über Bid), weil sonst schon jemand zugeschlagen hätte.
Beispiel. Allianz-Aktie mit Bid 400,00 € und Ask 400,20 €. Spread: 20 Cent oder rund 0,05 Prozent. Kaufst du eine Aktie, zahlst du 400,20 €. Würdest du sie eine Sekunde später wieder verkaufen, bekämst du 400,00 €. Du hättest 20 Cent verloren, ohne dass sich der Markt bewegt hätte.
Mehr zum Orderbuch-Mechanismus: Wie Bid- und Ask-Kurse im Zusammenspiel der Marktteilnehmer überhaupt entstehen, erklären wir in unserem Artikel „Wie funktioniert die Börse? Angebot, Nachfrage und Kurse einfach erklärt„
Beispielrechnung: So viel kostet dich der Spread
Der Spread ist die am meisten unterschätzte Handelsgebühr. Er wird dir nirgends separat ausgewiesen, du zahlst ihn aber bei jedem Trade.
Die einfache Rechnung am Fall Allianz. Ask 400,20 €, Bid 400,00 €. Du kaufst 10 Stück zum Ask-Kurs. Dein Einstiegswert: 4.002 €. Ab Sekunde eins ist deine Position aber nur 4.000 € wert, weil du beim sofortigen Verkauf den Bid bekämst. Der Spread-Verlust: 2 € oder 0,05 Prozent.
Klingt nach wenig. In der Summe über viele Trades wird es aber spürbar.
Drei Szenarien im direkten Vergleich:
| Aktientyp | Typischer Spread | Spread-Kosten bei 1.000 € Order |
|---|---|---|
| DAX Blue Chip (SAP, Siemens, Allianz) | 0,02 bis 0,05 % | 0,20 bis 0,50 € |
| MDAX- oder SDAX-Wert | 0,1 bis 0,5 % | 1 bis 5 € |
| Smallcap oder illiquider Nebenwert | 0,5 bis 2 % | 5 bis 20 € |
Bei 20 Trades pro Jahr summiert sich das im Blue-Chip-Szenario auf 4 bis 10 Euro, bei MDAX-Werten auf 20 bis 100 Euro und bei Smallcap-Fokus schnell auf 100 bis 400 Euro. Unsichtbar, aber real.
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Wodurch wird der Bid-Ask-Spread beeinflusst?
Vier Faktoren bestimmen, wie eng oder breit der Spread ist.
Liquidität. Je mehr eine Aktie gehandelt wird, desto enger der Spread. Apple-Aktien wechseln minütlich in Millionen den Besitzer, der Spread liegt bei wenigen Cent. Eine kleine Nebenwert-Aktie, die am Tag nur wenige Male gehandelt wird, kann einen Spread von mehreren Prozent haben.
Tageszeit. Während der XETRA-Kernhandelszeit von 9:00 bis 17:30 Uhr ist der Spread bei deutschen Aktien am engsten. Vor 9 Uhr und nach 17:30 Uhr handeln die außerbörslichen Plätze weiter, aber mit deutlich breiterem Spread, weil das Volumen sinkt.
Volatilität. Nach Quartalszahlen, Gewinnwarnungen oder Makro-News wird der Spread oft kurzfristig breiter. Market Maker preisen das höhere Risiko in ihre Kursstellung ein.
Handelsplatz. Jeder Handelsplatz hat sein eigenes Orderbuch. Bei XETRA ist der Spread für deutsche Blue Chips meist am engsten, bei Tradegate oder gettex leicht breiter, dafür länger geöffnet.
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Liquidität ist der wichtigste Hebel
Wenn du den Spread minimieren willst, ist die Wahl der Aktie wichtiger als die Wahl des Handelsplatzes. Eine liquide DAX-Aktie kostet dich selbst an einem außerbörslichen Platz weniger Spread als ein Nebenwert an XETRA.
Spread an verschiedenen Handelsplätzen
Deutsche Privatanleger haben die Wahl zwischen mehreren Handelsplätzen. Jeder hat seine eigene Spread-Charakteristik.
| Handelsplatz | Spread bei DAX-Wert | Handelszeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| XETRA | sehr eng (0,01 bis 0,03 %) | 9:00 bis 17:30 | Referenzmarkt, beste Liquidität |
| Tradegate | eng (0,02 bis 0,05 %) | 7:30 bis 22:00 | Stark bei Direktbanken, lange Handelszeit |
| LS Exchange | eng (0,02 bis 0,05 %) | 7:30 bis 23:00 | Trade-Republic-Standard, sehr lange Handelszeit |
| gettex | eng (0,02 bis 0,05 %) | 7:30 bis 23:00 | Scalable-Free-Standard |
| Stuttgart | eng bis mittel (0,03 bis 0,08 %) | 7:30 bis 22:00 | Stark bei Derivaten, kleinere Werte teurer |
Für die meisten Privatanleger mit Ordergrößen unter 5.000 Euro macht die Handelsplatzwahl bei liquiden Werten einen Unterschied von wenigen Cent pro Trade. Bei größeren Orders oder Nebenwerten wird der Unterschied schnell spürbar.
US-Aktien im deutschen Handel
Viele Anleger wollen Apple, Microsoft oder NVIDIA kaufen, ohne ein US-Depot zu eröffnen. An deutschen Plätzen wie Tradegate, LS Exchange oder gettex geht das, aber mit einem kleinen Aufschlag.
Der Grund: Wenn du abends oder morgens in Deutschland eine US-Aktie handelst, sind die US-Börsen noch geschlossen oder gerade erst eröffnet. Deutsche Market Maker stellen trotzdem Kurse und sichern sich für das Zeit- und Währungsrisiko ab. Der typische Aufschlag liegt bei 5 bis 20 Cent pro Aktie bei US-Blue-Chips.
Während der US-Kernhandelszeit (15:30 bis 22:00 Uhr deutscher Zeit) ist der Aufschlag am kleinsten, weil die deutschen Plätze ihre Kurse parallel zur NYSE und Nasdaq stellen können. Wer US-Aktien häufig handelt, spart mit einem Broker, der direkten US-Handel anbietet.
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Wann der Spread fast null ist
Apple, Microsoft und andere S&P-500-Schwergewichte werden in den USA mit 1 bis 2 Cent Spread bei dreistelligen Kursen gehandelt. Das entspricht 0,01 Prozent oder weniger. Deutsche Handelsplätze sind bei diesen Werten minimal teurer, aber immer noch sehr nah am US-Kurs.
So reduzierst du Spread-Kosten im Alltag
Drei praktische Regeln senken deine Spread-Kosten sofort.
Erstens: Limit Order statt Market Order. Eine Limit Order grenzt deinen Ausführungspreis ein. Du zahlst im schlimmsten Fall dein Wunschlimit, im besten Fall weniger. Eine Market Order nimmt einfach den Ask-Kurs. Bei engen Spreads macht das kaum einen Unterschied, bei breiten Spreads spart es pro Trade mehrere Euro.
Zweitens: Zur Kernhandelszeit handeln. Zwischen 10 und 12 Uhr sowie 14 und 16 Uhr sind deutsche Blue Chips typisch am liquidesten. Vermeide die erste halbe Stunde nach XETRA-Eröffnung (9:00 bis 9:30) und die letzten Minuten vor der Schlussauktion.
Drittens: Größere Positionen bei Nebenwerten. Bei einer Aktie mit 2 Prozent Spread und 1 Euro Orderkosten zahlst du auf eine 100-Euro-Order 3 Euro, also 3 Prozent. Bei einer 500-Euro-Order sinkt der Anteil auf 2,2 Prozent. Kleine Orders lohnen sich nur bei liquiden Werten.
FAQ: Häufige Fragen zum Spread
Wo sehe ich Bid und Ask in meiner App?
Bei den meisten Brokern werden Bid und Ask direkt unter dem Hauptkurs angezeigt, manchmal als „Geld“ und „Brief“ beschriftet. Im Orderbuch (oft unter „Kursdetails“ oder „Depth“) siehst du auch die Menge auf jedem Preisniveau. Bei Neobrokern wie Trade Republic oder Scalable ist die Anzeige bewusst reduziert, Bid/Ask musst du dort aus der Realtime-Ansicht herauslesen.
Warum ist der Spread morgens größer als mittags?
Direkt nach XETRA-Eröffnung um 9 Uhr ist die Liquidität noch niedrig, weil viele Marktteilnehmer ihre Positionen erst prüfen. Ab etwa 10 Uhr sind die Spreads am engsten. Gegen Handelsschluss werden sie wieder etwas breiter, weil Tradegate und die anderen außerbörslichen Plätze zwar weiter handeln, aber mit weniger Volumen.
Wer verdient am Spread?
Market Maker. Das sind Handelsfirmen oder Banken, die permanent Kauf- und Verkaufskurse stellen. Sie verdienen den kleinen Unterschied zwischen Bid und Ask. Dafür übernehmen sie das Risiko, Aktien vorrätig zu halten, um jederzeit handeln zu können. Bei vielen Neobrokern fließen Erträge aus dem Spread teilweise an den Broker zurück und tragen so zur Finanzierung kostenfreier oder günstiger Ordergebühren bei.
Warum hat eine US-Aktie im deutschen Handel einen höheren Spread als in USA?
Weil die deutschen Handelsplätze zum Teil außerhalb der US-Börsenzeiten handeln und Zeit- sowie Währungsrisiko einpreisen müssen. Während 15:30 und 22:00 Uhr (US-Kernhandelszeit) ist der Aufschlag am kleinsten, weil die deutschen Plätze parallel zu NYSE und Nasdaq quotieren.
Ist ein enger Spread immer besser?
Ja, für den Anleger. Ein enger Spread bedeutet niedrigere sofortige Transaktionskosten. Bei der Broker- und Handelsplatzwahl solltest du auf Liquidität achten, besonders wenn du häufig handelst oder größere Orders aufgibst.
Wie hoch ist der Bid-Ask-Spread bei einem DAX-Wert?
Bei einer gut gehandelten DAX-Aktie wie Allianz, SAP oder Siemens liegt der Spread während der XETRA-Kernhandelszeit typisch bei 0,01 bis 0,05 Prozent. Bei einer 200-Euro-Aktie sind das 2 bis 10 Cent pro Aktie, bei höheren Kursen entsprechend mehr.
Zusammenfassung
✅ Bid ist der Kurs, zu dem du verkaufen kannst. Ask ist der Kurs, zu dem du kaufen kannst. Der Spread ist die Differenz.
✅ Der Spread ist eine versteckte Transaktionskosten, die bei jedem Trade eingepreist wird, ohne separat ausgewiesen zu sein.
✅ Liquide Aktien wie DAX-Werte haben enge Spreads von 0,02 bis 0,05 Prozent. Nebenwerte und Smallcaps können 1 bis 2 Prozent Spread haben.
✅ Der Spread ist am engsten während der XETRA-Kernhandelszeit und bei liquiden Handelsplätzen.
✅ Drei Regeln gegen hohe Spread-Kosten: Limit Order nutzen, zur Kernhandelszeit handeln, liquide Werte bevorzugen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den besprochenen Wertpapieren investiert.
