Expertenkommentar

Beim Fonds-Shoppen auf die Kosten achten

Kann der Anleger die Kostenblöcke Ausgabeaufgeld und Verwaltungsgebühren umgehen? Ja und Nein.

An der Börse Hamburg werden offene Fonds börsentäglich gehandelt. Ein Kursmakler stellt im Tagesverlauf Kauf- und Verkaufskurse für Fondsanteile. Anleger können einiges sparen, wenn sie mit spitzem Bleistift rechnen und wissen, welchen Fonds sie wollen. Ausgabeaufschläge entsprechen hier den sogenannten Spreads. Das ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs eines Fonds, der durch Kursmakler gestellt wird. Der Spread liegt meist bei rund 1,5%: Also bedeutend unter dem herkömmlichen Ausgabeaufschlag von rund 5% für Aktienfonds. Die großen Flaggschiffe der Asset Manager gibt es manchmal zu weniger als einem halben Prozent. Neben der Provision des Online-Brokers oder der Bank berechnet der Kursmakler an der Börse Hamburg 0,08% des Anlagebetrages. Zählt man Bankgebühren, Maklercourtage und Spread zusammen, kommt der Anleger meistens günstiger weg als beim herkömmlichen Kauf über die Bank oder Online-Broker mit reduziertem Ausgabeaufschlag.

Der Verkauf eines Fonds sollte allerdings nicht über die Börse erfolgen. Die Rücknahme von Investmentfondsanteilen durch die Kapitalanlagegesellschaft ist meist kostenlos (provisions- und courtagefrei). Manche Asset Manager erheben eine Rücknahmegebühr, die das ständige Rein und Raus von Anlegern hindern soll. Diese Idee ist gut und vernünftig, denn ständige Mittelzu- und abflüsse gehen zu Ungunsten der anderen Anteilsinhaber.

Online-Broker und Direktbanken offerieren Discounts von 25 bis 50% des Ausgabeaufschlags. Manche Internet-Banken bieten sogar zeitlich begrenzte Sonderaktionen zu denen Fonds ausgabeaufschlagsfrei gezeichnet werden können. Hier fällt meist keine Provision oder Courtage für den Anleger an. Der unschuldige Sparer könnte nun denken, der Online-Broker sei ein uneigennütziger Vermittler ohne jegliches Profitstreben. Doch macht auch die Online-Bank neben dem reduzierten Ausgabeaufschlag ihren Schnitt.

Der zweite Kostenblock: Verwaltungsvergütung

Die Internet-Vertriebsgesellschaften machen mittlerweile einen gewichtigen Faktor in der Distribution von Investmentfonds aus. Der Online-Broker verdient sein Geld letztendlich mit einer Beteiligung an der Management Fee des Fonds. Dieser vom Asset Manager an den Vertrieb zu zahlende jährliche Obulus macht teilweise mehr als die Hälfte der Verwaltungsvergütung aus. Beispiel: Sie haben einen Aktienfonds in ihrem Depot, Anlagesumme 5000 Euro. Von diesen 5000 Euro zweigt sich der Fondsmanager für die Verwaltung jährlich rund 1,5% ab. Die Management Fee fällt übrigens an, egal ob der Fonds steigt oder fällt. Das sind also rund 75 Euro. Davon bekommt der Online-Broker oder die Vertriebsgesellschaft ungefähr 38 Euro.

Um die Management Fee und die daran gekoppelten Zahlungen an die Distributoren kommen Sie nicht herum. Allerdings sollten Vermögensverwalter bei steigendem Anlagevolumen die sinkenden Kosten für die Verwaltung des Fonds pro Anteilseigner weitergeben. In den Vereinigten Staaten geben große Fonds diesen Vorteil an ihre Kunden weiter und werben damit aktiv.

Fazit

Ausgabeaufschläge sind für autonome Fondsparer keine unüberwindbare Hürde mehr. Eine reguläre 5000 Euro-Anlage in einen Aktienfonds mit 5% Ausgabeaufschlag kostet Sie 238,10 Euro. Schaffen Sie es, den Fonds für 1 oder 0,5% „Vermittlungsgebühr“ zu kaufen, fallen 49,50 Euro und 24,88 Euro an. Nicht schlecht, oder?

Quelle: Morningstar Deutschland

Die Aufgabe der Fonds-Ratingagentur Morningstar ist es, leicht zugängliche Informationen und Anwendungen anzubieten um den Anlegern eine objektive Hilfe zu den mehr als 6.000 in Deutschland zugelassen Fonds zu geben. Als Teil des europäischen Netzes lancierte Morningstar seine Dienste in Deutschland am 23.05.2001 unter www.morningstarfonds.de

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Über den Experten

Thomas Gansneder
Thomas Gansneder
Redakteur

Thomas Gansneder ist langjähriger Redakteur der BörseGo AG. Der gelernte Bankkaufmann hat sich während seiner Tätigkeit als Anlageberater umfangreiche Kenntnisse über die Finanzmärkte angeeignet. Thomas Gansneder ist seit 1994 an der Börse aktiv und seit 2002 als Finanz-Journalist tätig. In seiner Berichterstattung konzentriert er sich insbesondere auf die europäischen Aktienmärkte. Besonderes Augenmerk legt er seit der Lehman-Pleite im Jahr 2008 auf die Entwicklungen in der Euro-, Finanz- und Schuldenkrise. Thomas Gansneder ist ein Verfechter antizyklischer und langfristiger Anlagestrategien. Er empfiehlt insbesondere Einsteigern, sich strikt an eine festgelegte Anlagestrategie zu halten und nur nach klar definierten Mustern zu investieren. Typische Fehler in der Aktienanlage, die oft mit Entscheidungen aus dem Bauch heraus einhergehen, sollen damit vermieden werden.

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