Analyse
10:15 Uhr, 15.09.2026

BASF macht Agrar-IPO konkreter: Banken bereiten Börsengang vor

BASF hat vier Großbanken mit der Vorbereitung des Börsengangs von Agricultural Solutions beauftragt. In Finanzkreisen kursieren Bewertungen von mehr als 20 Mrd. EUR, BASF selbst kommt auf rund 47 Mrd. EUR Börsenwert.

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Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan sollen die Transaktion als globale Koordinatoren vorbereiten. Als Ziel nennt der Chemiekonzern weiterhin die Börsenreife von Agricultural Solutions bis Mitte 2027.

BASF betont, dass über Durchführung und Zeitpunkt des Börsengangs noch nicht entschieden wurde. Beides hängt unter anderem (und vermutlich vor allem) von den Bedingungen am Kapitalmarkt ab. F

Bewertung erreicht fast die halbe BASF-Marktkapitalisierung

In Finanzkreisen werden für Agricultural Solutions Bewertungen von mehr als 20 Mrd. EUR genannt. BASF selbst hat kein Bewertungsziel veröffentlicht.

Die Größenordnung ist aus Sicht der Aktionäre erheblich. BASF kommt an der Börse derzeit auf einen Wert von rund 47 Mrd. EUR. Schon eine Bewertung der Agrarsparte von 20 Mrd. EUR entspräche rechnerisch fast der Hälfte davon. Daraus lässt sich zwar kein unmittelbares Kurspotenzial für die BASF-Aktie ableiten, die Relation zeigt aber, welchen Stellenwert Agricultural Solutions innerhalb des Konzerns hat.

BASF will nach dem Börsengang Mehrheitsaktionär bleiben und lediglich einen Minderheitsanteil platzieren. Das Angebot soll wohl überwiegend aus den derzeitigen Aktien bestehen und eine Kapitalerhöhung wenn überhaupt nur ein geringes Volumen haben, ein großer Teil des Emissionserlöses also an BASF fließen. Offiziell hat der Konzern die Struktur des Aktienangebots bislang nicht festgelegt.


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Agricultural Solutions verdient mehr als 2 Mrd. EUR

Für eine hohe Bewertung der Sparte spricht vor allem die Profitabilität des Geschäfts. Agricultural Solutions setzte 2025 rund 9,59 Mrd. EUR um. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg trotz rückläufiger Erlöse um 7,4 % auf 2,08 Mrd. EUR. Die entsprechende Marge erhöhte sich von 19,8 auf 21,7 %.

Im laufenden Jahr hat sich das Bild etwas eingetrübt. In den ersten sechs Monaten sank der Umsatz um 1,6 % auf 5,32 Mrd. EUR. Das EBITDA vor Sondereinflüssen ging um 4,4 % auf 1,55 Mrd. EUR zurück.

Das zweite Quartal fiel besser aus. Der Umsatz legte leicht um 0,6 % auf 2,21 Mrd. EUR zu, das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 7,5 % auf 448 Mio. EUR. F

80 % des Geschäfts bereits rechtlich getrennt

Organisatorisch ist die Vorbereitung inzwischen weit fortgeschritten. Nach Angaben von BASF wurden rund 80 % des weltweiten Agricultural-Solutions-Geschäfts auf eigenständige Gesellschaften übertragen. Diese Unternehmen arbeiten bereits mit einem neuen, speziell auf die Agrarbranche ausgerichteten ERP-System zur Steuerung der Geschäftsprozesse.

Auf dem Kapitalmarkttag am 24. November will BASF Investoren einen strategischen und operativen Überblick über Agricultural Solutions geben. Dort sollen alle vier Mitglieder des neuen Management Boards auftreten. Der Termin dürfte damit erstmals einen genaueren Eindruck vermitteln, mit welcher Strategie das Unternehmen als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen Börsenwert auftreten will.

Corteva und Syngenta stellen sich ebenfalls neu auf

Auch bei anderen großen Agrarchemiekonzernen tut sich strukturell einiges. Corteva beschloss am Montag endgültig die Abspaltung seines Saatgutgeschäfts Vylor. Die neuen Aktien sollen am 1. Oktober an die bisherigen Corteva-Aktionäre verteilt werden. Corteva konzentriert sich anschließend auf Pflanzenschutz.

Auch Syngenta arbeitet erneut an einem Börsengang. Nach einem Bericht von Bloomberg hat der chinesisch kontrollierte Konzern vertraulich Unterlagen für eine Notierung in Hongkong eingereicht. Die Transaktion könnte rund 5 Mrd. USD einbringen.

Fazit

Die BASF-Aktie ist zuletzt nicht übel gelaufen. Obwohl man vielleicht zunächst das Gegenteil vermuten könnte, spielt der Irankrieg und die Situation der Straße von Hormus der deutschen Chemieindustrie teilweise in die Karten.

Strukturell bleiben die Probleme bestehen. Sobald sich der Handel wieder normalisiert, dürfte die "Sonderkonjunktur" entfallen. Die derzeitige zusätzliche Nachfrage nach deutschen Produkten verliert dann zumindest ihren akuten Grund.

Das geplante IPO der Agrar-Sparte kann das natürlich nicht ausgleichen, könnte aber trotzdem als zusätzlicher Wertanker für die BASF-Aktie wichtig sein. Fast die Hälfte des Börsenwerts bei nicht mal 20 % des Konzernumsatzes klingt zumindest beeindruckend.

Anbei die aktuellen Analystenschätzungen. Basis der Angaben ist ein Kurs der BASF-Aktie von 51,35 EUR.

Jahr 2025 2026e 2027e
Umsatz in Mrd. EUR 59,657 63,398 64,375
Gewinn pro Aktie in EUR (bereinigt) 2,24 3,01 2,98
KGV 23 17 17
Dividende pro Aktie in EUR 2,25 2,25 2,25
Dividendenrendite 4,4 % 4,4 % 4,4 %
Börsenwert: 45,8 Mrd. EUR
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