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Kommentar
13:49 Uhr, 06.01.2026

Aus dem ETF Magazin: "Rasante Transformation"

Das ETF-Forum 2025 machte klar: Wachstum und Strukturwandel heben den ETF-Markt auf ein neues Niveau.

6. Januar 2025. MÜNCHEN (ETF Magazin). Rund 400 Fachleute aus der Investmentbranche kamen am 21. Oktober 2025 zum 16. ETF-Forum in Frankfurt zusammen. Als eines der größten Branchentreffen Europas bietet die Konferenz einen aktuellen Überblick über die Trends und Herausforderungen des ETF-Marktes. In zahlreichen Paneldiskussionen machten Branchenkenner und ETF-Insider klar: Wachstum, Digitalisierung und der wachsende Einfluss privater Anleger verändern die Strukturen des ETF-Geschäfts nachhaltig. ETFs sind heute das zentrale Instrument moderner Geldanlage – und sie werden es bleiben.

In seiner Eröffnungsansprache erinnerte Eric Leupold, Head of Cash Market bei der Deutschen Börse, an das rasante Wachstum des ETF-Marktes: Vor 25 Jahren startete Xetra mit nur zwei ETFs, heute sind es mehr als zweieinhalbtausend. Das in ETFs für deutsche Anleger verwaltete Vermögen habe im Juni 2025 rund 500 Milliarden Euro erreicht – ein Anstieg von fast 200 Milliarden Euro binnen zwei Jahren. Für Leupold steht fest: ETFs demokratisieren den Kapitalmarkt. Sie verbinden institutionelle Effizienz mit einfachem Zugang für Privatanleger. Der Anteil der Privatanleger am ETF-Handel habe sich in den letzten fünf Jahren auf 15 Prozent verdoppelt. Durch spezielle Programme wie das neue Xetra-Retail-Angebot für ETFs hätten Retail-Orders im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro von Preisverbesserungen profitiert.

Nach Einschätzung der Leiter der Capital-Markets-Abteilungen großer ETF-Anbieter ist der ETF-Markt in einer Phase tiefgreifender Transformation. Das Handelsvolumen habe sich seit 2020 verdoppelt, die Marktliquidität nähere sich in einigen Segmenten dem Niveau des wesentlich größeren und reiferen US-Marktes. Besonders deutlich zeige sich das Wachstum im institutionellen Handel, auch mit großen Einzelorders, und vor allem im Retail-Markt. Die Digitalisierung habe Privatanlegern neue Zugänge eröffnet.

Die immer wichtigere Rolle der Privatanleger wurde auch in anderen Panels angesprochen. Sven Schumann von der Deutschen Börse Group präsentierte aktuelle Umfrageergebnisse: Etwa 30 Prozent der Privatanlegerinnen und -anleger investierten bereits regelmäßig, 30 Prozent noch nicht und 30 Prozent könnten es sich derzeit nicht leisten. Ziel müsse es nun sein, „die mittleren 30 Prozent“ zu erreichen – durch niedrigere Einstiegshürden, Bildungsangebote und transparente Kostenstrukturen. Vertreter verschiedener ETF-Anbieter berichteten, dass Privatanleger heute stärker auf Diversifikation achten und Währungsrisiken reduzieren. Insgesamt würden private Anleger vor allem auf Aktien fokussieren.

Im Panel zum ETF-Handels beschrieben drei Market Maker einen weiteren Wandel: vom manuellen Orderprozess hin zu automatisierten, datengetriebenen Systemen. Algorithmisches Trading und Market Making seien heute eng verzahnt und sorgten für mehr Effizienz und Transparenz. Fazit der Runde: Es gibt nicht einen einzigen optimalen Handelsweg, sondern eine Vielzahl von Ausführungsoptionen – entscheidend sei die Transparenz über Preisqualität und Liquidität.

Auch bei der Diskussion über aktive ETFs herrschte weitgehend Einigkeit: Aktive Strategien gewinnen an Bedeutung, wenn sie konsequent Qualität und Kosteneffizienz vereinen. Die Experten betonten, dass aktive ETFs insbesondere im Anleihenbereich Chancen bieten. Jedoch müsse die Mehrrendite der ETFs ihre höheren Gebühren rechtfertigen und es sollte ein belastbarer Track Record vorhanden sein. Langfristig könnten aktive ETFs die Lücke zwischen klassischem Fondsmanagement und passivem Investieren schließen.

Ein vorsichtig optimistisches Bild zeichneten auch die Ökonomen von Morgan Stanley, BlackRock und Capital Economics: Die US-Volkswirtschaft dürfte am besten die globalen Herausforderungen meistern – dank KI-Boom und solider Wirtschaftsdynamik. Europa leide jedoch weiter unter strukturellen Schwächen wie Bürokratie,deshalbe bleibe hierzulande das Wachstum verhalten – ganz im Gegensatz zum ETF-Markt.

Von Edda Vogt, Dezember 2025, © ETF Magazin

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.