Aus dem ETF Magazin: "Rasante Transformation"
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6. Januar 2025. MĂNCHEN (ETF Magazin). Rund 400 Fachleute aus der Investmentbranche kamen am 21. Oktober 2025 zum 16. ETF-Forum in Frankfurt zusammen. Als eines der gröĂten Branchentreffen Europas bietet die Konferenz einen aktuellen Ăberblick ĂŒber die Trends und Herausforderungen des ETF-Marktes. In zahlreichen Paneldiskussionen machten Branchenkenner und ETF-Insider klar: Wachstum, Digitalisierung und der wachsende Einfluss privater Anleger verĂ€ndern die Strukturen des ETF-GeschĂ€fts nachhaltig. ETFs sind heute das zentrale Instrument moderner Geldanlage â und sie werden es bleiben.
In seiner Eröffnungsansprache erinnerte Eric Leupold, Head of Cash Market bei der Deutschen Börse, an das rasante Wachstum des ETF-Marktes: Vor 25 Jahren startete Xetra mit nur zwei ETFs, heute sind es mehr als zweieinhalbtausend. Das in ETFs fĂŒr deutsche Anleger verwaltete Vermögen habe im Juni 2025 rund 500 Milliarden Euro erreicht â ein Anstieg von fast 200 Milliarden Euro binnen zwei Jahren. FĂŒr Leupold steht fest: ETFs demokratisieren den Kapitalmarkt. Sie verbinden institutionelle Effizienz mit einfachem Zugang fĂŒr Privatanleger. Der Anteil der Privatanleger am ETF-Handel habe sich in den letzten fĂŒnf Jahren auf 15 Prozent verdoppelt. Durch spezielle Programme wie das neue Xetra-Retail-Angebot fĂŒr ETFs hĂ€tten Retail-Orders im Wert von mehr als zwei Milliarden Euro von Preisverbesserungen profitiert.
Nach EinschĂ€tzung der Leiter der Capital-Markets-Abteilungen groĂer ETF-Anbieter ist der ETF-Markt in einer Phase tiefgreifender Transformation. Das Handelsvolumen habe sich seit 2020 verdoppelt, die MarktliquiditĂ€t nĂ€here sich in einigen Segmenten dem Niveau des wesentlich gröĂeren und reiferen US-Marktes. Besonders deutlich zeige sich das Wachstum im institutionellen Handel, auch mit groĂen Einzelorders, und vor allem im Retail-Markt. Die Digitalisierung habe Privatanlegern neue ZugĂ€nge eröffnet.
Die immer wichtigere Rolle der Privatanleger wurde auch in anderen Panels angesprochen. Sven Schumann von der Deutschen Börse Group prĂ€sentierte aktuelle Umfrageergebnisse: Etwa 30 Prozent der Privatanlegerinnen und -anleger investierten bereits regelmĂ€Ăig, 30 Prozent noch nicht und 30 Prozent könnten es sich derzeit nicht leisten. Ziel mĂŒsse es nun sein, âdie mittleren 30 Prozentâ zu erreichen â durch niedrigere EinstiegshĂŒrden, Bildungsangebote und transparente Kostenstrukturen. Vertreter verschiedener ETF-Anbieter berichteten, dass Privatanleger heute stĂ€rker auf Diversifikation achten und WĂ€hrungsrisiken reduzieren. Insgesamt wĂŒrden private Anleger vor allem auf Aktien fokussieren.
Im Panel zum ETF-Handels beschrieben drei Market Maker einen weiteren Wandel: vom manuellen Orderprozess hin zu automatisierten, datengetriebenen Systemen. Algorithmisches Trading und Market Making seien heute eng verzahnt und sorgten fĂŒr mehr Effizienz und Transparenz. Fazit der Runde: Es gibt nicht einen einzigen optimalen Handelsweg, sondern eine Vielzahl von AusfĂŒhrungsoptionen â entscheidend sei die Transparenz ĂŒber PreisqualitĂ€t und LiquiditĂ€t.
Auch bei der Diskussion ĂŒber aktive ETFs herrschte weitgehend Einigkeit: Aktive Strategien gewinnen an Bedeutung, wenn sie konsequent QualitĂ€t und Kosteneffizienz vereinen. Die Experten betonten, dass aktive ETFs insbesondere im Anleihenbereich Chancen bieten. Jedoch mĂŒsse die Mehrrendite der ETFs ihre höheren GebĂŒhren rechtfertigen und es sollte ein belastbarer Track Record vorhanden sein. Langfristig könnten aktive ETFs die LĂŒcke zwischen klassischem Fondsmanagement und passivem Investieren schlieĂen.
Ein vorsichtig optimistisches Bild zeichneten auch die Ăkonomen von Morgan Stanley, BlackRock und Capital Economics: Die US-Volkswirtschaft dĂŒrfte am besten die globalen Herausforderungen meistern â dank KI-Boom und solider Wirtschaftsdynamik. Europa leide jedoch weiter unter strukturellen SchwĂ€chen wie BĂŒrokratie,deshalbe bleibe hierzulande das Wachstum verhalten â ganz im Gegensatz zum ETF-Markt.
Von Edda Vogt, Dezember 2025, © ETF Magazin
Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal fĂŒr Profis und informierte Anleger*innen.

