ASML-Aktie - Technologieführer mit kurzfristigem Gegenwind
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- ASML - WKN: A1J4U4 - ISIN: NL0010273215 - Kurs: 1.388,200 € (XETRA)
Stellen Sie sich eine Fabrik vor, in der nicht der Chip selbst, sondern das Licht die wichtigste Produktionsmaschine ist. Dieses Licht muss so präzise gesteuert werden, dass Strukturen entstehen, die kleiner sind als ein Virus. Genau hier liegt die außergewöhnliche Stellung von ASML: Ohne die Lithografiesysteme des niederländischen Konzerns könnten viele der leistungsfähigsten Chips für künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Smartphones nicht gefertigt werden.
Operativ läuft das Geschäft derzeit ausgesprochen stark. An der Börse zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Trotz hervorragender Quartalszahlen ist die Aktie nach einer starken Rally kurzfristig unter Druck geraten.
Nach dem starken Quartal hob das Management die Jahresprognose kräftig an:
- Erwarteter Umsatz 2026: 43 bis 45 Mrd. €, zuvor 36 bis 40 Mrd. €
- Erwartete Bruttomarge: 54 bis 56 %, zuvor 51 bis 53 %
- Erwarteter Umsatz im dritten Quartal: 11 bis 12 Mrd. €
- Erwartete Q3-Bruttomarge: 55 bis 57 %
Am Mittelpunkt der Prognosespannen erhöhte ASML seine Umsatzerwartung gegenüber April um rund 16 %. Das ist eine ungewöhnlich deutliche Anpassung und zeigt, wie stark sich die Nachfrage entwickelt hat.
Technologischer Vorsprung bleibt der wichtigste Burggraben
ASML baut die Produktion seiner EUV- und DUV-Anlagen weiter aus. Besonders wichtig ist der Fortschritt bei High-NA-EUV, der nächsten Generation der extrem ultravioletten Lithografie.
Gemeinsam mit Intel wurde erstmals ein entscheidender Meilenstein in der Serienfertigung erreicht. High-NA-EUV soll künftig noch kleinere und leistungsfähigere Chipstrukturen ermöglichen. Das stärkt ASMLs Position bei den modernsten Halbleitern für künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechner.
Im EUV-Bereich besitzt ASML weiterhin eine außergewöhnlich starke Marktstellung. Ein ernsthaft vergleichbares Konkurrenzprodukt ist derzeit nicht erkennbar.
Das zentrale Risiko: China
Genau bei diesem Burggraben setzt auch das wichtigste Gegenrisiko an: der mögliche Aufbau einer eigenen chinesischen Lithografieindustrie.
Erst diese Woche sorgte ein Bericht über die Produktion chinesischer Immersions-DUV-Anlagen für einen deutlichen Kursrückgang. Hinter dem Projekt soll ein staatlich unterstütztes chinesisches Unternehmen stehen. Erwartet werden zunächst nur wenige Systeme – etwa fünf Maschinen 2026 und rund 20 im Jahr 2027.
Kurzfristig stellen diese Anlagen voraussichtlich noch keinen gleichwertigen Ersatz für ASML-Systeme dar. Entscheidend sind nicht nur die Präzision der Maschine, sondern auch Durchsatz, Zuverlässigkeit und die Ausbeute bei der Chipproduktion. In diesen Punkten dürfte ASML weiterhin einen erheblichen Vorsprung besitzen.
Langfristig ist die Entwicklung dennoch ernst zu nehmen. China könnte zunächst im weniger fortschrittlichen DUV-Segment Marktanteile gewinnen. Hinzu kommen mögliche zusätzliche Exportbeschränkungen. Da China im ersten Halbjahr 2026 rund 16 % des ASML-Umsatzes ausmachte, könnten politische Vorgaben und lokale Konkurrenz das Wachstum spürbar belasten.
Das zentrale Risiko lautet daher: ASMLs Technologieführerschaft im EUV-Bereich bleibt zwar intakt, doch das DUV-Geschäft könnte langfristig durch chinesische Wettbewerber und Exportregeln geschwächt werden.
Bewertung: Nicht günstig, aber unter dem historischen Durchschnitt
ASML wird aktuell mit ungefähr dem 33-Fachen des erwarteten freien Cashflows bewertet (Quellen variieren). Der langfristige Durchschnitt liegt bei etwa 36,5. Damit notiert die Aktie unter ihrer historischen Durchschnittsbewertung. Ein klassisches Schnäppchen ist sie deshalb aber noch nicht: Ein Multiple von mehr als 30 setzt weiterhin hohes Wachstum, starke Margen und einen langfristig intakten technologischen Vorsprung voraus. Die Bewertung erscheint angesichts der angehobenen Prognose grundsätzlich vertretbar. Sie bietet jedoch wenig Schutz, falls die Erwartungen enttäuscht werden oder politische Risiken zunehmen.
Was Anleger jetzt beobachten sollten
Der nächste wichtige Termin ist der 14. Oktober 2026. Dann veröffentlicht ASML die Zahlen für das dritte Quartal.
Entscheidend werden vor allem drei Punkte sein:
- Erreicht ASML den angekündigten Umsatz von 11 bis 12 Mrd. €?
- Bleibt die Bruttomarge innerhalb der hohen Zielspanne?
- Ändert das Management seine Einschätzung zu China und den Exportbeschränkungen?
Bereits am 5. August soll außerdem eine Zwischendividende von 1,88 € je Aktie ausgezahlt werden.
Fazit
Die mittelfristigen Aussichten für ASML bleiben positiv. Das Unternehmen profitiert vom steigenden Bedarf an modernsten Chips, baut seine Produktionskapazitäten aus und festigt mit High-NA-EUV seine technologische Spitzenposition. Die starken Quartalszahlen und die deutliche Prognoseanhebung unterstreichen die operative Dynamik.
Kurzfristig steht die Aktie jedoch unter Druck. Der Kurs liegt unter wichtigen gleitenden Durchschnitten und bewegt sich in einem Abwärtstrend. Der überverkaufte RSI eröffnet zwar die Chance auf eine Gegenbewegung, ein belastbarer Boden ist bisher aber noch nicht bestätigt.
Anleger sollten ASML daher auf dem Schirm haben, müssen aktuell jedoch nichts überstürzen. Eine Ausdehnung der Korrektur bis in den Bereich um 1.300 € ist möglich. Attraktiver würde das technische Bild entweder nach einer klaren Stabilisierung an dieser Unterstützung oder nach einer Rückeroberung der Zone zwischen 1.500 und 1.540 €.
Fundamental bleibt ASML eines der stärksten Unternehmen der europäischen Technologiebranche. Kurzfristig spricht jedoch vieles für Geduld statt Aktionismus.

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