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Kommentar
10:50 Uhr, 28.07.2026

Anleger zwischen Hoffen und Bangen

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Erst Erleichterungsrally ...

Nachdem die USA und der Iran ihre gegenseitigen Angriffe nach 13 Nächten in Folge einstellten und der Ölpreis gegenüber seinem Hoch um rund 15 US-Dollar gesunken war, starteten die Aktienmärkte gestern eine Erleichterungsrally. Dies galt insbesondere für den DAX, welcher in der Spitze um 1,84 % gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag zulegte. Weil die US-Aktienindizes dann jedoch nur leicht im Plus eröffneten - und vor allem Technologieaktien deutlich ins Minus abrutschten - gab der deutsche Blue-Chip-Index im weiteren Verlauf einen Teil seines Gewinns wieder ab und schloss mit einem Plus von 1,04 %.

dann KI-Sorgen

Die am Wochenende abgeschlossenen Verträge im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zwischen Nvidia und der koreanischen SK Group brachten die Sorge vor zirkulären Finanzierungen der großen KI-Firmen zurück aufs Tapet. Hierbei geht es einerseits um die langfristige Versorgung von Nvidia mit HBM-Speicherchips von SK Hynix, Teil des Geschäfts ist jedoch auch eine Vereinbarung zum Bau eines Zwei-Gigawatt-Rechenzentrums durch SK Telecom, inklusive Ausstattung mit Nvidia-Chips. Dies galt in noch stärkerem Maße für die seitens Nvidias geplante Garantie für OpenAI im Gegenwert von rund 250 Mrd. USD sowie eine zusätzliche Finanzierung von Käufen von Nvidia-Chips durch den Entwickler von ChatGPT in Höhe von weiteren 350 Mrd. USD. Die Nachricht, dass eine vom chinesischen Staat unterstützte, jedoch namentlich nicht genannte Firma im Reich der Mitte, mit der Massenproduktion von Wafer-Stepper-Maschinen im Deep-Ultra-Violet-Bereich begonnen hat, drückte zudem markant auf den Kurs der niederländischen ASML, ihres Zeichens bislang unangefochtener Weltmarktführer in diesem Segment. Diese Nachricht passt zu den jüngsten Erfolgen der chinesischen Entwickler von KI-Modellen wie Moonshot, Zhipu oder DeepSeek, welche mittels staatlichem Backing den Rückstand zu führenden US-Gesellschaften wie Anthropic und OpenAI zuletzt deutlich verringern konnten. Passend hierzu kam der jüngste KI-Report der US-Eliteuniversität Stanford zu dem Ergebnis, dass zwischen den US-amerikanischen und den chinesischen KI-Modellen kaum mehr Unterschiede in der Leistungsfähigkeit bestehen. Und dies, obwohl die USA mittels Exportbeschränkungen für Hochleistungschips jahrelang alles dafür tat, China diesbezüglich von der Entwicklung abzuhängen. Last but not least sorgen sich die Anleger zudem vor den in dieser Woche zu erwartenden Updates von Amazon, Meta und Microsoft bezüglich ihrer jeweils geplanten Investitionsausgaben in KI-Rechenzentren. Schließlich wurden sie bereits in der Vorwoche verschreckt indem Alphabet die vielfach ohnehin schon, als zu hoch angesehene Summe hierfür weiter aufstockte.

Verbesserung mit Fragezeichen

Für das ifo-Geschäftsklima ging es im Juli den dritten Monat in Folge nach oben: Der Index rückte von 85,7 Zähler auf 86,6 Punkte vor. Die Lage trübte sich zwar von 87,0 auf 86,5 Zähler ein. Dies wurde aber durch einen markanten Anstieg der Erwartungen von 84,3 auf 86,7 Punkte überkompensiert. Die seitens der Bundesregierung jüngst verkündeten Reformen dürften hierzu ihren Teil beigetragen haben. Wenngleich die Zuversicht auf eine Konjunkturerholung wächst, fallen beide Teilkomponenten im historischen Vergleich nach wie vor ziemlich niedrig aus. Die etwas schwächer als im Juni ausgefallene Lageeinschätzung deutet zudem darauf hin, dass der Krieg am Persischen Golf die Ungewissheit über die Konjunktur erhöhte. Unterm Strich zwar eine Verbesserung, aber mit einem dicken Fragezeichen dahinter.

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