Analyse

AFFIRM - Sehr gute Quartalszahlen, aber Details belasten die Aktie

Die Affirm-Aktie legte gestern im nachbörslichen Handel eine regelrechte Achterbahnfahrt hin. Wie sind die Zahlen ausgefallen und worauf ist die Volatilität zurückzuführen?

Erwähnte Instrumente

  • Affirm Holdings
    ISIN: US00827B1061Kopiert
    Kursstand: 49,160 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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  • Affirm Holdings - WKN: A2QL1G - ISIN: US00827B1061 - Kurs: 49,160 $ (Nasdaq)

Die Aktie von Affirm befindet sich im TAK-Musterdepot (Aktien), aktuell weist die bereits gecuttete Position ein Kursplus in Höhe von knapp +200 % auf. Auch, weil gestern, im regulären US-Handel, nochmals mehr als +10 % hinzu kamen. Nach Vorlage aktueller Quartalszahlen, US-nachbörslich, fiel der Titel außerbörslich jedoch wieder um rund 12 % und radierte somit zumindest die gestrigen Kursgewinne wieder aus. Wie ist der Quartalsbericht also einzuschätzen und wie könnte es bei der Aktie nun weitergehen? Hier erfährst Du es!

Hohe Erwartungen

Zunächst einmal muss man feststellen, dass die Anleger im Vorfeld wohl auf ein "blowout quarter" von Affirm spekuliert hatten. Denn anders sind die +10 % im Vorfeld des Quartalsberichts nicht zu erklären. Für eine solche Hoffnung gab es auch gute Gründe. So waren einerseits die Erwartungen nicht übertrieben hoch und andererseits läuft die US-Wirtschaft unverändert gut, der US-Konsument gab und gibt viel Geld aus. Und bekanntlich tun die Amerikaner das gerne auf Kredit, vermehrt auch nach dem "Buy Now, Pay Later"-Modell (BNPL).

Das Geschäftsmodell wurde dabei in den letzten ein, zwei Jahren - besonders von der US-Politik und hier in erster Linie von den Demokraten - in Frage gestellt. Denn die Verbraucher würden so in die Schuldenfalle geraten. Das mag auch so sein, ist bei Kreditkarten aber nicht anders. De facto hat sich BNPL aber inzwischen etabliert. Denn immerhin hat selbst der Weltkonzern Apple inzwischen ein eigenes BNPL-Angebot entwickelt, es hört auf den schönen Namen "Apple Pay Later".

Aber kommen wir zu Affirm. Die Spekulation der Anleger im Vorfeld war hier prinzipiell nicht falsch. Denn mit einem Quartalsumsatz von 591,0 Millionen USD sowie einem "Gewinn" je Aktie von -0,54 USD konnte die Gesellschaft die Konsensschätzungen der Analysten, die auf einen Quartalsumsatz von nur knapp 519,2 Millionen USD sowie einen "Gewinn" je Aktie von -0,73 USD getippt hatten, locker schlagen. Ein sogenannter Double Beat. Dieser veranlasste den Gründer und CEO Max Levchin, den manche vielleicht noch aus seiner Zeit als CTO bei PayPal kennen, zu folgender Aussage (frei von mir übersetzt):

"Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir den Anlegern einige Dinge versprochen. Wie man nun sehen kann, haben wir alle Versprechen gehalten oder übererfüllt. Damals hat uns das kaum jemand geglaubt. Wir sind daher stolz auf unsere Leistung und werden auch in Zukunft versuchen weiter abzuliefern!"


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Das kann man so unterschreiben. Aber warum verliert die Aktie dann außerbörslich 12 %? Nun, es klemmt ein wenig beim Ausblick. Denn zwar möchte Affirm unverändert stark wachsen. Aber leider bleibt von dem Mehr an Umsatz am Ende wohl nicht viel mehr beim Unternehmen hängen. So sieht der Ausblick gleichbleibende Margen vor, was für ein boomendes Geschäft untypisch ist. Denn in einem Boom sollte man auch die Margen erhöhen können, so dass der Gewinn überproportional zum Umsatz wächst. Das scheint hier nicht möglich, was auf einen hohen Wettbewerbsdruck (durch Apple Pay Later, Klarna und andere) hindeutet.

Darüber hinaus hat das Management um CEO Max Levchin durchaus auch noch Baustellen, die es abzuarbeiten gilt. So hat Affirm, ähnlich wie PayPal, eine Debit Card (namens Affirm Card) im Angebot. Und wie bei PayPal könnte diese besser laufen. Was schon deshalb von Vorteil wäre, weil solche Karten die Kunden stärker ans Unternehmen binden. So berichtete PayPal ja, dass nur 2 % seiner Kunden die Karte dort in ihren Wallets hätten. Aber diese Kunden geben deutlich mehr Geld via PayPal aus. Ähnlich dürfte es auch bei Affirm sein. Darum gab es im Conference Call mit den Analysten auch zahlreiche Fragen zur Affirm Card.

Fazit: Affirm hatte ein sehr gutes Quartal, vereinzelt gratulierten Analysten im Conference Call dem Management sogar zu der Leistung, was immer ein sehr guter Indikator für ihre (hohe) Zufriedenheit ist. Ein "blowout quarter" war es aber nicht. Dennoch denke ich, dass die Aktie keine 12 % außerbörslich verlieren würde, wenn sie im Vorfeld nicht um +10 % nach oben gesprungen wäre.

Fundamental bleibt das Unternehmen auf Kurs, charttechnisch macht der Kursrücksetzer - sofern er sich heute im regulären Handel überhaupt bestätigt - nicht viel aus, er kann das Chartbild jedenfalls nicht nachhaltig eintrüben. Wir bleiben daher im Musterdepot weiter investiert. Kurse zwischen 40,00 und 42,00 USD stellen aus meiner Sicht hier Einstiegs- oder Nachkaufkurse dar. Die Aktie war, ist und bleibt aber sehr spekulativ, man muss sie stets engmaschig im Auge behalten. Das werden wir tun.

PS: Im gesamten Conference Call wurde das Wort "Artificial Intelligence", kurz: AI (zu Deutsch: Künstliche Intelligenz, kurz: KI) kein einziges Mal verwendet.

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Sascha Huber
Sascha Huber
Experte für Kryptowährungen

Sascha Huber, Jahrgang 1978 und wohnhaft in Trier, gilt als profunder Kenner der Hightechbranche. Als solcher erkannte er als einer der Ersten das große Potenzial von Aktien wie Amazon.com, Apple sowie zuletzt Facebook oder Tesla Motors. Zwischen 2010 und 2014 arbeitete er als Chefredakteur eines Börsenbriefs, der im Oktober 2014 übernommen wurde. Huber gilt als profunder Kenner von Kryptowährungen wie dem Bitcoin, Ether und Ripple. Auf stock3 betreut er sehr erfolgreich den "Technologie-Aktien & Krypto Trading-Service".

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