800-Millionen-Dollar-Spritze für deutsches Robotik-Startup?!
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Bloomberg berichtet von Verhandlungen zwischen der japanischen Tech-Investment-Holding SoftBank Group und dem in München ansässigen Deep-Tech-Unternehmen Agile Robots. Ein potenzieller Meilenstein im extrem kapitalintensiven globalen Wettlauf um die physische KI, humanoide Robotik. Derzeit werden frühe, noch nicht rechtlich bindende Gespräche um eine gigantische Finanzierungsrunde von rund 800 Millionen US-Dollar für Agile Robots geführt. Laut Brancheninsidern plant der Konzern um Gründer Masayoshi Son mehr als 300 Millionen US-Dollar als Ankerinvestor beizusteuern, wobei Volumina und finale Konditionen im aktuellen Verhandlungsstadium noch variieren können.
Für SoftBank ist das Engagement die Fortsetzung einer bestehenden Wette: Bereits im August 2021 leitete die Holding die 220 Millionen US-Dollar schwere Series-C-Runde von Agile Robots, die das Startup damals mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar zum ersten offiziellen Robotik-Einhorn Deutschlands machte. Ein erneuter Mega-Deal fügt sich nahtlos in SoftBanks jüngste, aggressive Neuausrichtung ein, die einen massiven Pivot weg von reinen Software-Plattformen hin zu greifbarer Hardware und physischer Intelligenz markiert. Erst kürzlich unterstrich die Holding diese Strategie durch die milliardenschwere Übernahme der Robotiksparte von ABB sowie Pläne zur Gründung eines eigenständigen, mit 100 Milliarden US-Dollar bewerteten KI- und Robotik-Giganten namens Roze.
Agile Robots verfügt über eine strukturelle Sonderstellung, die im aktuellen geopolitischen Marktumfeld Fluch und Segen zugleich ist. Das Unternehmen wurde 2018 von den Forschern Zhaopeng Chen und Peter Meusel als Spin-off des Instituts für Robotik und Mechatronik beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gegründet. Technologisch setzt Agile Robots auf einen kompromisslosen Full-Stack-Ansatz, bei dem hochentwickelte Roboterarme, komplexe Sensorik, Lagerautomaten und bipedale, humanoide Plattformen inklusive der dazugehörigen Steuerungssoftware komplett aus einer Hand entwickelt werden. Um diesen extrem kapitalintensiven Ansatz zu skalieren, ist das Unternehmen untypisch rasant gewachsen und beschäftigt heute rund 3.200 Mitarbeiter an über 15 Standorten in Deutschland, Indien und vor allem China. Während die technologische Wiege und die akademische Credibility im DLR-Erbe in München liegen, sichert die massive Präsenz in China den direkten Zugang zu den weltweit effizientesten Lieferketten und industriellen Fertigungskapazitäten.
Dieses dichte transatlantisch-asiatische Netz birgt jedoch erhebliche Reibungspunkte, da sich der Markt für humanoide Robotik zunehmend entlang der geopolitischen Konfliktlinien zwischen den USA und China spaltet. Agile Robots agiert genau an dieser Schnittstelle. Das Unternehmen versucht, sich durch strategische Allianzen im Westen technologisch abzusichern. So wurde im März eine wegweisende Partnerschaft mit Google DeepMind zur Integration der Gemini-Robotics-Modelle verkündet, gefolgt von der Übernahme von thyssenkrupp Automation Engineering im April zur Stärkung der europäischen Industriebasis.
Sollte die anvisierte 800-Millionen-Dollar-Runde tatsächlich finalisiert werden, katapultiert dies das Münchner Unternehmen in die absolute Spitzenliga der globalen Hardware-KI, wo Konkurrenten wie das US-Startup Figure AI oder die norwegische 1X Technologies mit ähnlich massiven Kapitalspritzen agieren. Für die europäische Deep-Tech-Szene signalisiert dieser Schritt vor allem, dass sich das Zeitfenster für kleine, rein akademische Finanzierungsrunden schließt. Wer in der kommerziellen Endphase der Robotik eine Rolle spielen will, benötigt enorme Kapitalpuffer, noch bevor die Systeme in flächendeckende Massenproduktion gehen.
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