Wissensartikel

Das wichtigste Konzept im Trading/Investment!

So bewerten Sie Handelsideen richtig! Mit Hilfe dieser einfachen Formel finden Sie schnell heraus, ob Sie einen Trade machen sollten oder nicht!

Die meisten werden mir zustimmen, wenn ich Ihnen erzähle, dass die Börse ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten ist. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Wenn Sie erfolgreich handeln wollen, sollten Sie sich des Wechselspiels zwischen Wahrscheinlichkeit und Chance-Risiko-Verhältnis bewusst sein. Erst in Kombination beider Faktoren zeigt sich das wahre Potenzial einer Handelsidee. Lassen Sie mich dieses extrem wichtige Konzept näher beleuchten, damit auch Sie zukünftig gute Handelsentscheidungen treffen.

Der Erwartungswert!

Im Trading bildet die Kombination zwischen Wahrscheinlichkeit und Chance-Risiko-Verhältnis den Erwartungswert einer Handelsidee. Jeder von Ihnen kann den Erwartungswert seines bisherigen Tradings ausrechnen. Dazu brauchen Sie nur Ihren bisherigen Gewinn/Verlust (ich hoffe es war ein Gewinn) durch die Anzahl der bisher gemachten Trades teilen. Nehmen Sie beispielsweise an, Sie haben im letzten Jahr insgesamt 36.000 EUR verdient, wobei Sie als mittelfristiger Trader 24 Geschäfte abgewickelt haben. Im Durchschnitt haben Sie pro Trade also

Erwartungswert = 36.000 : 24 = 1.500 EUR

verdient und genau das ist der Erwartungswert.

Diese einfache Gleichung können wir in die für wahrscheinlich jeden Trader und Investor wichtigen Parameter zerlegen - oder ist Ihnen ihre Trefferquote nicht wichtig? Meine Erfahrung als Coach zeigt, dass die meisten sehr viel Wert auf diese legen und oftmals sogar eine hohe Wahrscheinlichkeit mit einem guten Trade mit hohen Erwartungswert gleichsetzen. Das ist jedoch nicht der Fall, denn der Erwartungswert ergibt sich immer aus der Kombination von Wahrscheinlichkeit und Chance-Risiko-Verhältnis:

Erwartungswert = (TQ * dG – VQ * dV ) * n,

mit:

CRV = dG : dV

n = Anzahl der Trades

Lassen Sie mich diesen wichtigen Zusammenhang erklären. Hinter TQ steht die Trefferquote, beispielsweise in Höhe von 0,6 = 60 %. Die Verlustquote VQ ist nichts anderes als eins minus die Trefferquote. Hinter dG verbirgt sich der durchschnittliche Gewinn bei gewinnenden Trades und dV bezeichnet dementsprechend die durchschnittlichen Verluste verlierender Geschäfte. Wenn Sie also rückwirkend alle Ihre Gewinntrades summieren und dann durch die Anzahl dieser teilen, erhalten Sie den Wert für dG. Wenn Sie das gleiche mit den Verlusten machen, ergibt sich Ihr dV.

Im letzten Schritt kombinieren wir unsere durchschnittlichen Gewinne und durchschnittlichen Verluste zum CRV = dG : dV. Ich denke dieses wird Ihnen geläufig sein, schließlich stolpert man über diesen Begriff ständig. Er beschreibt nichts anderes als das Verhältnis von durchschnittlichen Gewinnen zu durchschnittlichen Verlusten.

Sie können sich das CRV, die Trefferquote und den Erwartungswert für Ihr bisheriges Trading genauso ausrechnen, wie für Ihre nächste Tradingidee. Bei letzterem ist natürlich klar, dass es sich bei diesem im wahrsten Sinne des Wortes um eine Erwartung handelt. In der Realität kann der Trade natürlich gänzlich anders ausgehen. Dazu später aber mehr.

Die korrekte Bewertung von Trades!

Kommen wir jetzt zur alles entscheidenden Frage: wie bewertet man einen Trade?

Im Grunde geht es bei dieser Frage um nichts anderes als um eine Entscheidung. Sollten Sie einen Trade machen oder falls Sie mehrere zur Auswahl haben, welchen davon? Die Antwort ist relativ simpel. Sobald der Erwartungswert positiv ist, lohnt sich das Geschäft. Je größer der Erwartungswert einer Tradingidee, desto besser ist der Trade.

Mit diesen einfachen Regeln können wir nun jeden zukünftigen Trade bewerten. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, den durchschnittlichen Gewinn und den durchschnittlichen Verlust und setzen diesen in den Erwartungswert ein. Ein Trade macht nur dann Sinn, wenn der Erwartungswert positiv ist. So einfach ist das!

Der Erwartungswert in der Realität!

  1. Unsicherheit

So einfach die Theorie auch klingt, so interessant wird es anschließend in der Praxis. Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Bei der Bewertung des nächsten Trades müssen wir Prognosen bezüglich der entscheidenden Parameter: Trefferquote & CRV anstellen. Idealerweise können wir dabei auf unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen. Erfolgreiche Trader handeln Strategien mit positivem Erwartungswert.

  1. Wahrscheinlichkeit versus CRV

wenn Sie sich die Formel des Erwartungswertes noch einmal genau anschauen, werden Sie feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit nur ein Part ist. Die beste Wahrscheinlichkeit nützt Ihnen nichts, wenn das CRV zu schlecht ist. Dies ist die erste wichtige Erkenntnis. Als Analyst, Trader und Coach werde ich ständig nach Wahrscheinlichkeiten gefragt und gefühlt auch immer nach diesen bewertet. Die Wahrscheinlichkeit ist und bleibt jedoch nur eine Variable innerhalb der wirklich entscheidenden Gleichung, dem Erwartungswert. Eine schlechte Wahrscheinlichkeit können Sie durch ein gutes CRV kombinieren. Einige meiner in Tests entwickelten besten Taktiken hatten Trefferquote von unter 25 %. Ich gebe jedoch zu, diese mental nicht handeln zu können, weshalb ich darauf verzichtete.

Unter diesem Punkt möchte ich Ihnen einen wichtigen Zusammenhang an der Börse vorstellen. In den vergangenen mehr als 20 Jahren habe ich viel programmiert, getestet und analysiert. Ein Zusammenhang hat sich dabei immer wieder herausgestellt: je mehr ich erwarte, desto geringer wird die Wahrscheinlichkeit. Das Erreichen eines CRVs von drei zu eins ist deutlich unwahrscheinlicher als das Erreichen eines CRVs von eins zu eins. Dabei spielt es keine Rolle, welche Strategie ich anwende. Wer Großes erwartet, sollte sich also bewusst sein, dass dieses Ereignis nur selten(er) eintritt.

  1. Ein Basiswert, ein Preis, zwei Trades!

Mit Blick auf Investitionsentscheidungen kann es in der Praxis unter Berücksichtigung des Erwartungswertes spannende Konstellationen geben. Es passiert gar nicht so selten, dass Sie in einem Basiswert zum gleichen Zeitpunkt zwei widersprüchliche Trades machen können. Ein gutes Beispiel dafür ist der Handel direkt an einem Widerstand bzw. allgemein in einer Entscheidungszone. Wenn der Widerstand gebrochen wird, könnte sich ein Aufwärtstrend etablieren, hält dieser, könnten die Kurse nachgeben. Es ist durchaus möglich und alles andere als selten, dass beide Szenarien positive Erwartungswerte haben. Letztlich ist es nur eine Frage des CRVs und der Wahrscheinlichkeit. Probieren Sie einfach mal ein paar Beispiele aus.

Gerade solche Situationen sorgen auf psychologischer Ebene immer wieder für Probleme. Kein Wunder, denn in ein und denselben Basiswert gleichzeitig long und short zu gehen, erscheint unsinnig. Viele Trader versuchen jetzt auf Krampf herauszufinden, welches der beiden Szenarien dieses Mal eintreffen wird. Das ist jedoch genauso unsinnig, wie nur dieses eine Mal bei Münzwurf besser vorhersagen zu wollen, ob Kopf oder Zahl oben liegen wird. Entscheidend ist der positive Erwartungswert. Natürlich steht es Ihnen frei, einen Trade höher zu gewichten. In diesem Fall wäre die Idee mit dem höheren Erwartungswert zu bevorzugen. Sie könnten diesen Trade sogar alleinig durchführen. Dagegen würde jedoch die Portfoliotheorie sprechen, nach der es sinnvoll ist, dass Investitionskapital auf mehrere Schultern zu verteilen.

  1. Auf gut Glück!

Abschließend soll ein weiterer wichtiger Punkt im Zusammenhang mit dem Erwartungswert angesprochen werden. Sie sollten nämlich daran denken, dass eine Idee mit positivem Erwartungswert trotzdem einen Verlust nach sich ziehen kann. Dies bringt uns zu einem wichtigen Hinweis. Sie sollten nicht auf gut Glück handeln, sondern strategisch. Dies bedeutet, dass Sie eine Strategie mit positivem Erwartungswert mehrfach wiederholen müssen. Stellen Sie sich dieses Vorgehen wie das blinde Ziehen aus einem Murmelsäckchen vor. In dem Säckchen liegen grüne und rote Murmeln und auf den Murmeln stehen unterschiedliche Zahlen. Ihre Strategie mit positivem Erwartungswert besagt nun, dass Sie in Summe einen Gewinn erzielen können, wenn Sie alle Murmeln aus dem Säckchen ziehen. Trotz dieser Gewissheit wissen Sie jedoch immer noch nicht, welche Murmeln Sie im nächsten Zug ziehen.

Fazit: Das Konzept des Erwartungswertes ist extrem simpel und die beste Beurteilung, die Sie für Ihr Trading machen können. Als professioneller Trader sollten Sie sich immer auf die Kombination von Wahrscheinlichkeit und Chance-Risiko-Verhältnis konzentrieren. Natürlich ist dies in der Praxis nicht immer ganz einfach und manchmal auf den ersten Blick auch widersprüchlich. Trotzdem steht eines fest: handeln Sie Strategien mit negativem Erwartungswert sind Sie verlustig! Waren Sie in den vergangenen Monaten verlustig unterwegs, handeln Sie Strategien mit negativem Erwartungswert!

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit

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Über den Experten

Rene Berteit
Rene Berteit
Technischer Analyst und Coach

René Berteit ist Diplom-Betriebswirt mit Spezialisierungen in den Bereichen Finanzierung & Unternehmensbewertung sowie Geld und Währung. Aus seiner Leidenschaft für die Finanzmärkte wurde sein(e) Beruf(ung). René verfügt über mehr als 20 Jahre praktische Tradingerfahrung in Aktien, Indizes und Währungen und ist noch heute im Intraday-Handel aktiv. Seit 2007 setzt René sein langjähriges Know-how als charttechnischer Trader und Analyst in unserem Team ein, sowohl für unsere Portale als auch für Banken. Darüber hinaus gibt er sein theoretisches und praktisches Wissen als Coach seit über einer Dekade an Tradingneulinge und -fortgeschrittene weiter. Zudem ist er aktives Tradingmitglied in unserem Premium-Service PROmax, gern gesehener Referent in Webinaren und Seminaren sowie Buchautor.

Mehr über Rene Berteit
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