Zertifikate: "US-Einzelwerte dominieren"
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3. September 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Ferienzeit hat im August deutliche Spuren im Zertifikatehandel hinterlassen. Markus Königer von der ICF Bank berichtet für die vergangenen zwei Wochen von spürbar gesunkenen Umsätzen. Julius Weiss von HSBC bestätigt das Bild: Vor allem die zweite Augusthälfte sei gemessen an der Zahl der Geschäfte unterdurchschnittlich ausgefallen. Auffällig bleibt aber die starke Konzentration auf einzelne US-Aktien. „Wir beobachten schon länger, dass sich viele Anleger stärker auf die US-Märkte fokussieren und sich einzelne Aktien als Basiswerte raussuchen“, erklärt Königer.
Tesla sorgt für außergewöhnliche Handelsaktivität
Besonders auffällig sind Königer zufolge die hohen Umsätze mit Tesla-Produkten. Gehandelt werden hoch gehebelte Produkte auf beiden Marktseiten. Zu den meistgehandelten Papieren zählen sowohl der Faktor Optionsschein 10.0x Short (<DE000PM5WBQ3>) als auch der Faktor Optionsschein 10.0x Long (<DE000PM7ATB9>) auf Tesla. Die Aktie hatte nach einem kräftigen Rücksetzer im Juli zuletzt wieder deutlich Boden gutgemacht. Für neue Bewegung könnte die für heute geplante Präsentation des Cybercab in Austin sorgen. Das zweisitzige Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale ist speziell für autonomes Fahren konzipiert.
Auch Salesforce rückt nach den jüngsten Quartalszahlen stärker ins Blickfeld. Der Softwarekonzern hob Ende August seine Jahresprognose an und weitete zugleich die Zusammenarbeit mit dem KI-Unternehmen Anthropic aus. Königer meldet daraufhin mehr Handel mit Salesforce-Produkten. Gefragt ist unter anderem ein Discount Optionsschein Long auf Salesforce (<DE000DU0U513>), der bis Mitte Dezember läuft. Notiert die Aktie dann mindestens bei 215 US-Dollar (aktuell: 257 Dollar), ist ein Kursgewinn von rund 19 Prozent möglich.
„Alles, auf dem KI draufsteht, verkauft sich aktuell gut", fasst der ICF-Händler zusammen. Auch Weiss sieht den Schwerpunkt klar auf US-Titeln. Im Bereich der klassischen Optionsscheine nennt er unter anderem Take-Two als beliebten Basiswert. Anfang August hatte der Spielehersteller von außergewöhnlich hohen Vorbestellungen für „Grand Theft Auto VI“ berichtet. Stark gehandelt wird ein bis Januar 2027 laufender Call auf Take-Two (<DE000HT5CXG3>) mit einem Basispreis von 320 Dollar.
Gold und Bitcoin mit hohen Kursgewinnen
Neben US-Aktien sorgt Gold wieder für hohe Aktivität. Nach dem deutlichen Preisrückgang seit Anfang März hat sich das Edelmetall in den ersten drei Augustwochen deutlich erholt. Königer spricht von einem „Gold-Comeback“ im Zuge der wieder gestiegenen Inflationssorgen. Gleich mehrere Turbo-Long-Optionsscheine finden sich weit oben in seinen Handelsstatistiken (<DE000BY5Q3A3>; <DE000DU235X6>; <DE000PM46CD1>).
Auch Peter Bösenberg von der Société Générale beobachtet wieder mehr Aktivität rund um alternative Anlageklassen. Nach den deutlichen Kursanstiegen der vergangenen Wochen seien insbesondere Hebelprodukte auf Kryptowährungen stärker gesucht. Als Beispiel nennt er einen Turbo Optionsschein auf den Bitcoin Future (<DE000FG2BBD2>), dessen Kurs in der zweiten Augusthälfte um knapp 200 Prozent gestiegen ist.
Hohe Seitwärtsrenditen mit Discountern
Von den Anlagezertifikaten rücken nach der weitgehend abgeschlossenen Berichtssaison vor allem Produkte mit vergleichsweise kurzen Restlaufzeiten und attraktiven Seitwärtsrenditen in den Vordergrund. Königer nennt ein Discount-Zertifikat auf Schneider Electric (<DE000DU0NAP1>) mit Laufzeit bis Dezember 2026 und einer verbleibenden Maximalrendite von 4,6 Prozent p.a. bei 23 Prozent Risikopuffer. „Bei Basiswerten wie Schneider Electric sind die Seitwärtsrenditen der Produkte immer sehr spannend.“
Weiss hebt ein ebenfalls im Dezember fälliges Discount-Zertifikat auf Microsoft (<DE000HM06YJ3>) hervor. Sollte die Aktie (aktuell rund 497 US-Dollar) am Ende mindestens 450 US-Dollar kosten, sind hier noch Kurszuwächse von rund 4 Prozent möglich.
Bösenberg verweist auf ein Discount-Zertifikat auf Siemens Energy (<DE000FE1YY72>) mit einer Laufzeit bis Juni 2027. Der Energietechnikkonzern hatte Anfang August ein Rekordquartal mit starker Nachfrage aus dem Geschäft mit Gasturbinen und Rechenzentren gemeldet. Das Zertifikat bietet aktuell einen möglichen Ertrag von rund 12,5 Prozent bis zur Fälligkeit.
Von Thomas Koch, 3. September 2026, © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
