Kommentar
06:00 Uhr, 30.06.2026

Wusstest du, dass der DAX fast „KISS" geheißen hätte?

Fünf DAX-Fakten, die selbst erfahrene Trader überraschen: Wir blicken auf fünf Momente aus knapp 38 Jahren DAX, die zeigen, wie wild die Reise vom Start bei 1.163 Punkten bis auf über 25.500 Zähler wirklich war.

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  • ISIN: DE0008469008Kopiert
    Kursstand: 24.626,89 Pkt (XETRA) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • DAX - WKN: 846900 - ISIN: DE0008469008 - Kurs: 24.626,89 Pkt (XETRA)

Als die Frankfurter Wertpapierbörse 1987 einen einheitlichen Leitindex plante, stand das Kürzel „KISS" für Kursinformationssystem ernsthaft im Raum. Erst Manfred Zaß, Mitgründer der Deka, brachte kurz vor dem Start den Namen „DAX" ins Spiel. Diese Bezeichnung ist ihm angeblich während eines Spaziergangs mit seinem Hund eingefallen.

Geistiger Vater des Index war übrigens Frank Mella, Redakteur der Börsen-Zeitung. Am 1. Juli 1988 startete der Index dann offiziell und schloss am ersten Handelstag bei 1.163,52 Punkten. Heute, knapp 38 Jahre später, notiert er bei rund 25.000 Punkten. Fünf spannende Fakten aus seiner Geschichte.

1. Der größte Tagesverlust: 16. Oktober 1989

Den brutalsten Einzeltag erlebte der DAX nicht etwa in der Finanzkrise 2008 oder beim Corona-Crash 2020, sondern bereits am 16. Oktober 1989. An diesem Tag verlor er knapp 13 Prozent. Auslöser war die geplatzte Übernahmefinanzierung der US-Fluggesellschaft United Airlines. Anleger werteten das als Warnsignal, dass das gesamte übernahme-getriebene Bullenmarkt-Modell der späten 1980er-Jahre kippen könnte.

Die Folge war eine weltweite Panik an den Aktienmärkten, auch in Frankfurt. Bis heute hält dieser Tag den Negativrekord, knapp vor dem 12. März 2020 (minus 12,24 Prozent).2

2. Der schnellste Crash: Corona 2020

Panik herrschte auch zu Beginn der Corona-Pandemie. Vom Allzeithoch am 17. Februar 2020 bis zum Tief am 18. März 2020 verlor der DAX rund 40 Prozent an Wert. Und das innerhalb von nur vier Wochen, schneller als jeder andere Crash in der Geschichte.

DAX 2020
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Zum Vergleich: 2008/2009 rund um Immobilien- und Finanzkrise und Lehman-Pleite stürzte der DAX von über 8.000 auf knapp 3.600 Punkte ab, ein Verlust von rund 55 Prozent. Das dauerte aber 18 Monate, der Corona-Crash nur knapp vier Wochen.

2020 war der Auslöser die toxische Mischung zu Beginn der Pandemie, insbesondere Lockdowns und Einreiseverbote, die zu großer Unsicherheit in der Wirtschaft führten. Paradoxerweise heizten auch die Notfall-Zinssenkungen der US-Notenbank die Panik weiter an, statt zu beruhigen. Anleger fragten sich: „Was weiß die Fed, was wir nicht wissen?"

Die massiven Stützungsprogramme der Notenbanken und die schnell aufkommende Impfstoff-Hoffnung drehten dann den Markt. Bereits Anfang 2021 lag der DAX wieder über dem Vorkrisenniveau. Wer in der Panik gekauft hatte, gehörte zu den großen Gewinnern

3. Der längste Crash: Dotcom 2000 bis 2003

Während der Corona-Crash der schnellste war, war der Dotcom-Absturz der zermürbendste Crash der DAX-Geschichte. Vom Hoch bei 8.136 Punkten am 7. März 2000 fiel der Index fast drei Jahre lang bis zum 12. März 2003 auf 2.188 Punkte. Das machte einen Gesamtverlust von über 70 Prozent über 1.100 Tage.

Verstärkt wurde der Absturz durch die Anschläge vom 11. September 2001 und den damals drohenden Irak-Krieg. Viele Privatanleger waren in der Endphase der Dotcom-Hausse über Telekom-Volksaktien und Neuer-Markt-Werte erstmals an die Börse gekommen und erlebten ihre erste Erfahrung als Totalverlust. Erst 2007 erreichte der DAX wieder sein altes Hoch.

4. Der Wirecard-Skandal und die DAX-Reform

Im September 2018 stieg Wirecard als Hoffnungsträger der deutschen Tech-Branche in den DAX auf, ausgerechnet auf Kosten der traditionsreichen Commerzbank.

Keine zwei Jahre später, am 25. Juni 2020, musste dann Wirecard allerdings Insolvenz anmelden, nachdem 1,9 Milliarden Euro Luftbuchungen aufflogen. Die Wirecard-Aktie blieb allerdings noch fast zwei Monate im Index, bevor sie am 24. August 2020 ausschied. Nachfolger wurde Delivery Hero, ein Konzern, der selbst noch keine Gewinne erwirtschaftete.

Die Konsequenz folgte 2021 mit der größten DAX-Reform aller Zeiten. Erweiterung von 30 auf 40 Werte, ein neues Profitabilitätskriterium (positives EBITDA in den letzten zwei Geschäftsjahren), häufigere Index-Überprüfung und strengere Berichtspflichten. Die Commerzbank kehrte im Februar 2023 in den DAX zurück.

5. Wie kauft man eigentlich einen Index? (Antwort: gar nicht)

Klingt absurd, ist aber so: Den DAX selbst kann niemand direkt kaufen. Der Index ist eine reine Rechengröße der Deutschen Börse, kein Wertpapier. Das gilt auch für andere Indizes wie den Nasdaq, S&P 500 oder Dow Jones.

Wer auf den DAX setzen will, braucht immer einen Umweg über ETFs, Futures, Optionen, CFDs oder Zertifikate. Genau mit diesen Produkten hat es der DAX zum beliebtesten Basiswert im deutschen Derivatemarkt geschafft. Vor allem bei Knock-out-Produkten und Optionsscheinen wird er häufiger gehandelt als jede Einzelaktie.

In den knapp 38 Jahren hat der DAX mehr Krisen überstanden, als seine Erfinder 1988 vermutlich für möglich gehalten hätten. Gut, dass es am Ende doch nicht „KISS" geworden ist. Der Name wäre dem, was dieser Index seitdem erlebt hat, kaum gerecht geworden.

Außerdem hätte er Formate wie ein DAX-Live-Trading-Webinar unter dem Namen „KISS-Live-Trading“ ziemlich komisch klingen lassen. Zum Glück ist das nicht der Fall. Am 30. Juni um 10:00 Uhr gibt es bei uns ein kostenfreies DAX-Live-Trading-Webinar, in dem wir gemeinsam auf die aktuellen Marktbewegungen schauen. Melde Dich jetzt an!

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