Expertenkommentar

Warum das Smart Money so dumme Entscheidungen trifft

Eine Studie hat ergründet, warum es professionellen Fondsmanagern in der Regel nicht gelingt, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick ziemlich kurios.

Auf den allermeisten Gebieten ist es ganz natürlich, dass Experten bessere Entscheidungen treffen als ahnungslose Laien. Eine technische Anlage wird in der Regel zum Beispiel viel besser funktionieren, wenn sie von einem Ingenieur und nicht etwa von einem Musiker geplant wurde. Die Behandlung von Patienten wird man aus gutem Grund nur einem zugelassenen Arzt (oder anderem medizinischem Fachpersonal) und das Landen eines Flugzeugs nur einem Piloten überlassen.

Die Welt der Anlageentscheidungen funktioniert aber nach anderen Gesetzmäßigkeiten. Denn die allermeisten Fondsmanager schaffen es in der Regel nicht, mit ihren Anlageentscheidungen besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt oder als ahnungslose Laien. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum immer mehr Anleger nicht in aktiv gemanagte Investmentfonds, sondern in passive ETFs investieren. Bei ETFs gibt es keinen Fondsmanager, der Anlageentscheidungen trifft, sondern es wird einfach passiv ein Index abgebildet.

Interessanterweise wurde allerdings die Frage, warum die meisten Fondsmanager keine besseren Anlageentscheidungen treffen, bisher kaum im Detail untersucht. Bis jetzt, denn nun sind die vier US-Finanzwissenschaftler Klakow Akepanidtaworn, Rick Di Mascio, Alex Imas und Lawrence Schmidt genau dieser Frage nachgegangen. Untersucht wurde die Performance von 783 Fondsmanagern von Aktienfonds im Zeitraum von 2000 bis 2016.

Die Studie kommt zu einem auf den ersten Blick überraschenden Ergebnis: Die Unterperformance der Fondsmanager lässt sich nicht dadurch erklären, dass Fondsmanager die falschen Aktien auswählen oder zum falschen Zeitpunkt kaufen. Ganz im Gegenteil: Fondsmanager treffen bessere Kaufentscheidungen als der Rest der Anleger, wie die Studie zeigt.

Doch woran liegt es dann, dass Fondsmanager trotzdem in der Regel nicht besser abschneiden als der Gesamtmarkt? Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es an den Verkaufsentscheidungen liegt. Fondsmanager könnten ihre Performance laut Studie sogar deutlich verbessern, wenn sie ihre Verkaufsentscheidungen rein zufällig treffen würden (und zum Beispiel einen Affen mit Dartpfeilen auf die Depotpositionen werfen lassen würden, so ähnlich, wie dies das "Wall Street Journal" versuchsweise bereits praktiziert hat).

Warum sind die Verkaufsentscheidungen der Fondsmanager so schlecht? Nach Einschätzung der Autoren der Studie liegt es daran, dass Fondsmanager meist viel mehr Zeit in das Treffen von Kaufentscheidungen investieren als in das Treffen von Verkaufsentscheidungen. Fondsmanager werden schließlich dafür bezahlt, gute Anlageideen zu finden. Verkaufsentscheidungen erhalten hingegen oft viel weniger Aufmerksamkeit und werden oft aus dem Bauch heraus getroffen oder einfach deshalb, um wieder neue Mittel für neue Anlageentscheidungen zur Verfügung zu haben. Bei der Frage, was sie verkaufen sollen, neigen Fondsmanager in der Regel dazu, Positionen zu verkaufen, die sich anders entwickelt haben als andere Fondspositionen. Besonders gut gelaufene Aktien werden von Fondsmanagern ebenso gerne verkauft wie besonder schlecht gelaufene Aktien. Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie abgestoßen wird, die sich extrem entwickelt hat, um 50 Prozent höher als bei Aktien mit einem eher "normalen" Kursverhalten.

Beschäftigen sich Fondsmanager hingegen intensiv mit Verkaufsentscheidungen, können sie auch eine Outperformance erreichen. Auch das hat die Studie herausgefunden. Werden Verkaufsentscheidungen nach neuen Quartalszahlen oder anderen wichtigen Unternehmensnachrichten getroffen, sind diese deutlich besser als zufällige Verkaufsentscheidungen.

Die Ergebnisse der Studie sind weniger überraschend, als sie auf den ersten Blick wirken. Denn in der Tat beschäftigen sich Anleger und Trader meist sehr intensiv mit der Frage, was sie kaufen sollen und wann sie es tun sollen. Tausende von Büchern wurden schon über diese Frage geschrieben. Verkaufsentscheidungen erhalten hingegen viel weniger Aufmerksamkeit und werden oft nach ganz simplen Kriterien wie Kurszielen oder Stop-Loss-Marken getroffen. Nicht annähernd so viel Hirnschmalz fließt in Verkaufsentscheidungen wie in Kaufentscheidungen.

Auch private Trader und Anleger können aus der Studie eine Botschaft mitnehmen: Statt unter großem Zeiteinsatz zu versuchen, den Einstieg zu optimieren, könnte es viel hilfreicher sein, sich um bessere Ausstiege zu bemühen. Denn auch private Trader widmen dem Einstieg meist eine viel größere Aufmerksamkeit als dem Ausstieg. Für den Anlage- und Tradingerfolg ist aber beides gleichermaßen wichtig. Das erkennt man schon daran, dass ein Kursgewinn nichts anderes ist als die Differenz aus Verkaufspreis und Kaufpreis. Der Ausstieg ist nicht weniger wichtig als der Einstieg, erfährt aber in der Regel viel weniger Aufmerksamkeit.

Hier geht es zur Studie: Selling Fast and Buying Slow: Heuristics and Trading Performance of Institutional Investors


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  • Gänseblümchen
    Gänseblümchen
    15:39 Uhr, 15.01.2019
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  • plungeboy
    plungeboy
    08:16 Uhr, 15.01.2019
  • Quatsch
    Quatsch
    19:13 Uhr, 14.01.2019
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  • Tizian11
    Tizian11
    18:47 Uhr, 14.01.2019
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  • Chamäleon
    Chamäleon
    18:29 Uhr, 14.01.2019
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Oliver Baron
Oliver Baron
Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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