Vor MiCA-Deadline: Werden die Vereinigten Arabischen Emirate zum großen Nutznießer?
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Kurz vor Ablauf der Übergangsfrist am 1. Juli 2026 wächst die Sorge, dass die MiCA-Regulierung nicht nur für mehr Klarheit sorgt, sondern Teile der Krypto-Branche aus Europa verdrängt. Besonders die Vereinigten Arabischen Emirate profitieren offenbar von dieser Entwicklung.
Laut der Krypto-Anwältin Irina Heaver von NeosLegal habe das Interesse europäischer Krypto-Gründer an einem Umzug in die UAE bereits vor rund 18 Monaten spürbar zugenommen. Also noch bevor die ersten MiCA-Regeln in Kraft traten. Die Anfragen kämen dabei nicht von unerfahrenen Marktteilnehmern, sondern von etablierten Unternehmern, ehemaligen Gründern, aktuellen Foundern und Personen mit mehreren Exits sowie jahrelanger Erfahrung in der Krypto-Branche.
Europa verliert Krypto-Talente
Der Grund ist aus Sicht vieler Gründer klar: Bürokratie, hohe regulatorische Hürden und lange Verfahren machen Europa unattraktiver. Während MiCA einen einheitlichen Rechtsrahmen für Krypto-Dienstleister im Europäischen Wirtschaftsraum schaffen soll, sehen Kritiker darin inzwischen auch einen Standortnachteil.
Die Übergangsfrist für Crypto-Asset Service Provider läuft am 1. Juli 2026 aus. Danach dürfen Unternehmen, die sich bisher auf nationale Altregime stützen, MiCA-regulierte Dienstleistungen in der EU nicht mehr wie bisher anbieten. Die Folgen zeigen sich bereits: Binance hat den MiCA-Antrag in Griechenland zurückgezogen und EU-Nutzer darüber informiert, dass bestimmte Dienste vorerst ausgesetzt werden sollen. Das sollten Binance-Nutzer jetzt tun.
Konkurrenten wie Coinbase und Co. versuchen unterdessen, aus der Unsicherheit Kapital zu schlagen und locken mit verschiedenen Einzahlungsprämien. Für kleinere Anbieter dürfte der Spielraum deutlich geringer sein. OKX-Europachef Erald Ghoos sagte bereits, dass 80 Prozent der Krypto-Unternehmen MiCA nicht überleben und aus der EU gedrängt werden könnten.
Warum die UAE profitieren
Heaver warnt daher vor einem Brain Drain, einem Steuerabfluss und dem Verlust von Arbeitsplätzen. Wenn erfahrene Gründer mit mehreren Exits in die UAE gingen, entstünden dort neue Jobs, neue Unternehmen und neue Chancen. Europa habe diese Möglichkeit aus ihrer Sicht verpasst.
Attraktiv seien die Vereinigten Arabischen Emirate vor allem, weil der regulatorische Rahmen dort gezielt für digitale Vermögenswerte geschaffen wurde. In Dubai überwacht mit der Virtual Assets Regulatory Authority eine eigene Behörde den Krypto-Sektor. Viele europäische Aufseher sind dagegen zugleich für Banken und klassische Finanzinstitute zuständig.
Dieser Unterschied wirkt sich laut Heaver direkt auf die Geschwindigkeit aus. Unternehmen könnten in der UAE teils innerhalb weniger Tage gegründet werden, während Verfahren in Europa Monate dauern. Eine Lizenz in den Emiraten eröffne zudem Zugang zu Märkten in Asien, Nordafrika und dem globalen Süden mit insgesamt mehreren Milliarden potenziellen Kunden.
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