S&P GLOBAL - Der Finanzriese wankt, aber wird nicht fallen
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Aber ausgerechnet jene Technologie, die manche Investoren als Bedrohung für klassische Finanzdaten-Plattformen sehen, könnte sich für den Konzern als zusätzlicher Wachstumstreiber erweisen. Auf der Mizuho Technology Conference machte Investor-Relations-Chef Mark Grant deutlich, dass S&P Global die Debatte über künstliche Intelligenz nicht defensiv führen will. Der Konzern sieht sich weniger als Opfer möglicher Substitution durch KI, sondern als einer der wichtigsten Datenlieferanten für genau jene Systeme, die Finanzmärkte künftig stärker prägen dürften.
Im Zentrum der Diskussion steht Market Intelligence, die Sparte hinter bekannten Angeboten wie Capital IQ. Investoren fragen zunehmend, ob generative KI klassische Workflow-Tools verdrängen könnte. Grant kontert mit einer Einordnung: Capital IQ stehe für weniger als 6 % des Konzernumsatzes und einen noch kleineren Anteil am Gewinn. S&P Global sei in der Breite vor allem ein Benchmark-Konzern. Rund zwei Drittel des Umsatzes und etwa drei Viertel des Gewinns kämen aus Bereichen wie Ratings, Indizes und Platts-Preisen für Rohstoffmärkte. Dort besitzt S&P nach eigener Darstellung Daten und Referenzwerte, die Kunden nicht ohne Weiteres ersetzen können.
KI erhöht den Hunger nach Daten
Gerade diese Einzigartigkeit soll im KI-Zeitalter zum Vorteil werden. Kunden wollten nicht weniger Daten, sondern mehr davon, sagte Grant. Sie benötigten größere Mengen, höhere Geschwindigkeit und bessere Schnittstellen, um eigene KI-Anwendungen zu betreiben. Besonders deutlich zeigt sich das bei sogenannten MCP-Verbindungen, über die Kunden Daten von S&P in KI- und Workflow-Umgebungen einbinden. Die Zahl der API-Aufrufe über diese Verbindungen sei zuletzt um 500 % gegenüber dem Vorquartal und um 100 % gegenüber dem Vormonat gestiegen.
Das ist noch kein voll ausgereifter Umsatzsprung, aber ein klares Signal für die Richtung. Grant sprach von Vertragsverlängerungen mit Aufschlägen von 35 % bis 45 % bei einzelnen Kunden. Entscheidend sei dabei nicht allein eine neue KI-Funktion in Capital IQ, sondern ein breiterer Trend: Große Kunden wollen ihre Lieferantenbasis verkleinern. Wer mehrere Einzellösungen durch ein umfassenderes Angebot von S&P ersetzen kann, zahlt dem Konzern zwar mehr, senkt aber womöglich die Gesamtkosten der eigenen Datenlandschaft.
S&P nutzt diese Entwicklung offensiv. Funktionen wie ChatIQ, Chart Explainer und Document Intelligence sollen Capital IQ Pro leistungsfähiger machen. Hinzu kommen Kensho-Produkte, darunter LLM-fähige Schnittstellen und sogenannte Grounding Agents, die KI-Modelle mit verlässlichen Daten versorgen sollen. Mehr als 300 Kunden befanden sich laut Grant zuletzt unter Vertrag oder im Test für die Kensho LLM-ready API. Die Vision reicht über Datenfeeds hinaus: S&P will künftig Fähigkeiten bereitstellen, die sich wie Bausteine in agentische Arbeitsabläufe einfügen lassen, etwa in Umgebungen wie ChatGPT oder Claude.
Ratings bleibt das robuste Rückgrat
So dynamisch die KI-Debatte auch ist, die stabilsten Erträge liefert weiterhin das Ratings-Geschäft. Hier profitiert S&P von einem Kapitalmarkt, der trotz höherer Zinsen lebendig bleibt. Im ersten Quartal stieg die abgerechnete Emissionstätigkeit um 14 %. Ein wichtiger Treiber ist der enorme Kapitalbedarf der Hyperscaler für KI-Infrastruktur. Rechenzentren verschlingen nicht nur Chips und Strom, sondern auch Beton, Energieinfrastruktur und Fremdkapital.
S&P kalkuliert in seiner Prognose für 2026 offenbar konservativ. Nach Grants Angaben unterstellt der Ausblick, dass weniger als die Hälfte der angekündigten Investitionen der großen Cloud- und KI-Konzerne tatsächlich über Schulden an den Markt kommt. Würde nur die Hälfte dieser geplanten Ausgaben kreditfinanziert umgesetzt, könnte dies ein bis zwei Prozentpunkte Aufwärtspotenzial für die erwartete Emissionstätigkeit bringen. Für S&P ist das besonders attraktiv, weil Hyperscaler üblicherweise nicht im Frequent-Issuer-Programm laufen, sondern pro Emission zahlen.
Auch jenseits der KI-Infrastruktur spricht vieles für Rückenwind. Die Refinanzierungswände der Jahre 2027 und 2028 bleiben hoch. Viele Unternehmen haben 2020 und 2021 zu sehr niedrigen Zinsen Schulden aufgenommen. Ein Vorziehen der Refinanzierungen erwartet S&P zwar nicht in großem Umfang, doch irgendwann muss diese Fälligkeit finanziert werden. Historisch zahlen große Unternehmen Schulden selten in erheblichem Umfang zurück; sie refinanzieren sie meist.
Private Märkte werden zum Wachstumsfeld
Ein weiteres Feld mit strukturellem Potenzial sind Private Markets. S&P erzielte dort konzernweit zuletzt mehr als 600 Mio. USD Umsatz. Allein im Ratings-Geschäft wuchs Private Credit im ersten Quartal um 25 %. Das ist bemerkenswert, weil der Markt zuletzt stärker unter Beobachtung stand. Gerade die Diskussion über Risiken in privaten Kreditmärkten kann die Nachfrage nach unabhängigen Ratings erhöhen.
S&P betont dabei einen zentralen Vorteil: Die Methodik ist in öffentlichen und privaten Märkten identisch. Ein Rating soll also vergleichbar bleiben, unabhängig davon, ob eine Anleihe privat platziert oder öffentlich emittiert wird. Das stärkt die Verlässlichkeit für Investoren und macht Ratings übertragbar, falls ein Emittent später vom privaten in den öffentlichen Markt wechselt.
Das Indexgeschäft bleibt derweil die Ertragsmaschine mit außergewöhnlicher Profitabilität. Die operative Marge liegt bei rund 74 %, der Umsatz stieg zuletzt um 17 %. Der Großteil stammt aus assetgebundenen Gebühren. Steigen Märkte und Fondsvolumina, wächst S&P automatisch mit. Neue Chancen sieht der Konzern in Digital Wealth, Direct Indexing, individuellen Indizes und Datensubskriptionen. Doch der S&P 500 ist zugleich Segen und Messlatte: Hinter dem Ökosystem stehen Vermögen in Billionenhöhe, was neue Produkte erst einmal übertreffen müssen, um konzernweit spürbar zu werden.
Auch strategisch stellt sich S&P schlanker auf. Die Mobility-Abspaltung soll am 1. Juli wirksam werden. Aus der Finanzierung der neuen Einheit fließen 2 Mrd. USD an S&P zurück. Für 2026 will der Konzern 100 % des freien Cashflows über Dividenden und Rückkäufe an die Aktionäre geben, statt wie bisher mindestens 85 %. Geplant sind Aktienrückkäufe von rund 4,5 Mrd. USD. Angesichts der aktuellen Bewertung liegt die Hürde für Zukäufe höher; größere Übernahmen schließt S&P praktisch aus.
Das Fazit fällt entsprechend klar aus: S&P Global ist kein reiner KI-Profiteur, aber ein Konzern, dessen Daten im KI-Zeitalter an Wert gewinnen. Die Marktstellung in Ratings, Indizes und Rohstoffpreisen bleibt der Schutzwall, Market Intelligence und Kensho liefern die Wachstumsfantasie. Mit einem 20er-KGV ist das Bewertungsniveau wieder deutlich günstiger geworden. Die Freecashflowrendite liegt für Neuinvestoren derzeit bei rund 5 %. Gelingt es auch weiterhin mit 7 bis 8 % beim Umsatz zu wachsen, dann erwartet Investoren eine jährliche Rendite von rund 13 % bei der S&P-Global-Aktie. Darauf kann man spekulieren.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. USD | 15,33 | 16,51 | 17,70 |
| Ergebnis je Aktie in USD | 17,83 | 19,62 | 22,20 |
| KGV | 23 | 21 | 19 |
| Dividende je Aktie in USD | 3,84 | 3,92 | 4,09 |
| Dividendenrendite | 0,93% | 0,95% | 0,99% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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