Expertenkommentar

Solidvest: Überrendite durch aktives Management

Solidvest ist die neue Online-Vermögensverwaltung der DJE Kapital AG. Anders als die meisten Robo Advisors verfolgt Solidvest keinen rein passiven Investmentansatz. Wertpapiere werden intensiv analysiert, bevor Kundengelder investiert werden.

Das TradersJournal sprach mit Michael-Philip Müller, Co-Leiter Online-Vermögensverwaltung bei Solidvest.

Auf dem deutschen Markt gibt es inzwischen zahlreiche Online-Vermögensverwaltungen. Solidvest kombiniert die Vorteile einer klassischen Vermögensverwaltung mit dem Konzept eines Robo Advisors. Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Solidvest?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich die Komponente Mensch, die in unserer Online-Vermögensverwaltung steckt. Für DJE und auch somit auch für uns bei Solidvest war und ist die Unternehmensanalyse nach der FMM-Methode seit jeher die DNA des Hauses. Dafür stehen unsere 16 Daten- und Unternehmensanalysten mit mehr als 900 Unternehmensbesuchen allein im letzten Jahr. Handverlesene Einzelaktien und -anleihen sind das Ergebnis dieser Analysen und unseres Investmentprozesses. Somit können wir sagen: „Wir kennen jedes Ihrer Investments – persönlich.“

Die meisten sogenannten Robo Advisors legen das Geld ihrer Kunden einfach passiv in verschiedenen börsengehandelten Indexfonds (ETFs) an. Solidvest setzt stattdessen auf eine Direktinvestition in einzelne Aktien und Anleihen. Welchen Vorteil hat das für den Anleger? Können Anleger durch das aktive Management tatsächlich eine Überrendite erwarten?

Für uns ist es entscheidend, dass wir die Unternehmen kennen und genauestens analysiert haben, bevor wir in sie investieren. Das ist unser Anspruch und auch der, den unsere Kunden an uns richten. Als aktive Manager können wir jederzeit variabel in die Geschehnisse an den Märkten eingreifen und gegensteuern, wenn wir es für richtig halten. Als es im letzten Sommer beispielsweise etwas rauer wurde an den Märkten, haben wir die Investitionsquoten in den Portfolios deutlich gesenkt und damit auch eine Überrendite für unsere Anleger erzielen können.

Der Erwerb von Einzeltiteln ist in der Regel teurer als der Kauf von Indexfonds. Warum ist das bei Solidvest nicht so?

Wir sind sehr glücklich darüber, mit der Baader Bank einen Partner an unserer Seite zu haben, der nicht nur als eine der ersten Depotbanken den Bruchstückhandel für uns möglich gemacht hat, sondern überdies das auch noch zu sehr günstigen Konditionen, gerade wenn man bedenkt, dass wir auch an vielen ausländischen Börsenplätzen handeln. Würde man sich als Privatanleger selbst ein solches Depot zusammenstellen, wären die Kosten selbst bei den günstigsten Anbietern um ein Vielfaches teurer.

Solidvest verfolgt bei der Einzeltitelauswahl einen umfangreichen, fünfstufigen Auswahlprozess. Was sind die wichtigsten Schritte, bevor eine Aktie oder eine Anleihe im Depot des Anlegers landet?

Im Rahmen eines regelmäßig stattfindenden Strategiemeetings werden Vorgaben zur Einschätzung von Aktien und Anleihen sowie Regionen und Sektoren weltweit erarbeitet. Daran anknüpfend erfolgt eine Einzeltitel-Analyse, die maßgeblich ist, um eine Empfehlung für die Aktien und Anleihen abgeben zu können, die grundsätzlich für die Kundenportfolios infrage kommen. Die einzelnen Empfehlungen sind das Resultat der intensiven Researcharbeit der erfahrenen DJE-Analysten. Jeder Analyst verantwortet ein bis zwei Sektoren, im Rahmen derer er die zugehörigen Unternehmen genauestens prüft. Darüber hinaus spielt der persönliche Kontakt zu den Unternehmen eine große Rolle. Mit mehr als 900 Unternehmensgesprächen pro Jahr werden u.a. die Qualität des Managements, Abläufe und Prozesse im Unternehmen sowie die Marktpositionierung des Unternehmens kritisch hinterfragt.

Im wöchentlich stattfindenden Research-Meeting werden so die Analyseergebnisse im Team erläutert und darauf basierend Empfehlungen für Anleihen und Aktien erstellt. An dieser Stelle setzt das Solidvest Investment-Komitee an. Auf Basis der Solidvest-Selektionskriterien werden die etwa 90 Aktien und 70 Anleihen erneut analysiert. Unser Ziel ist es, ca. 30 Aktien- und 20 Anleihentitel für den Kunden herauszufiltern, deren Allokation ein global diversifiziertes Portfolio gemäß dem individuellen Rendite-Risiko-Profil des Kunden und den gewählten Themenschwerpunkten im Aktienbereich ermöglicht.

Berücksichtigt Solidvest bei den Anlageentscheidungen auch aktuelle Marktentwicklungen? Wie häufig finden typischerweise Umschichtungen in den Kundendepots statt?

Ja, definitiv. Das ist ja gerade auch ein Teil unserer FMM-Methode, die mit dem Baustein „Markttechnisch“ auch aktuelle Marktentwicklungen und Sentiments berücksichtigt. Da die Anlage bei Solidvest einen langfristigen Charakter hat, fallen Umschichtungen dadurch auch nicht in allzu großer Häufigkeit an. Werden aber bewertungstechnische Kursziele bei Unternehmen erreicht, oder verändert sich unsere Sicht auf den Investmentcase eines der Unternehmen, in das wir investieren, handeln wir natürlich entsprechend.

Ist die Aufteilung zwischen den verschiedenen Anlageklassen Aktien und Anleihen für einen bestimmten Anleger konstant oder variiert der Anlagemix im Zeitverlauf?

Der Anleger kann bei entsprechender Chance-/Risikoneigung zwischen vier unterschiedlichen Anlagestrategien wählen. Diese Quote zwischen Aktien und Anleihen versteht sich dann als Soll-Zustand. Natürlich kann der Ist-Zustand durch Marktbewegungen immer mal wieder ein wenig davon abweichen. Hierfür führen wir allerdings spätestens alle drei Monate ein Rebalancing durch, das die Kundendepots wieder in die anfängliche Allokation zurückversetzt. Selbstverständlich kann es bei größeren Marktbewegungen auch bereits vorher erforderlich sein, die Quoten wieder entsprechend anzupassen. Ebenso können wir jederzeit den Investitionsgrad steuern und somit den Anteil der Liquiditätsquote je nach Marktmeinung erhöhen oder verringern.

Kann ein Kunde jederzeit Auszahlungen in beliebiger Höhe vornehmen? Wie schnell kommt der Kunde im Bedarfsfeld an sein Geld?

Ja, das ist möglich. Auszahlungen sind bis zur Mindestanlagesumme jederzeit möglich. Falls dazu Aktien (und ggf. Anleihen) verkauft werden müssen, dauert es in der Regel allerdings 3-5 Werktage, bis das Geld wieder bei seiner Hausbank eingegangen ist.

Kann das Depot jederzeit gekündigt werden oder gelten hier besondere Fristen?

Nein, die Kündigungsfrist bei Solidvest beträgt einen Tag und ist somit jederzeit kündbar. Auch hier muss allerdings beachtet werden, dass durch den Verkauf der Aktien (und ggf. Anleihen) die Auszahlung des Geldes auf das Hausbankkonto des Kunden in der Regel 3-5 Werktage in Anspruch nimmt.

Bei der langfristigen Geldanlage gehört eine möglichst geringe Kostenbelastung zu den wichtigsten Stellschrauben für einen guten Anlageerfolg. Wie teuer ist der Service von Solidvest?

Die Gebühren bei Solidvest sind gestaffelt und setzen sich aus zwei unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Zwischen 25.000 und 100.000 € bekommt Solidvest eine Vermögensverwaltungsgebühr in Höhe von 0,9 % p.a. Für den Handel und die Depotführung bekommt die Baader Bank zusätzlich 0,5 % p.a. Ab 100.000 € beträgt die fixe Vermögensverwaltungsgebühr 0,8 % p.a., während die Baader Bank 0,3 % p.a. verlangt.

Zusätzlich kann bei positiven Renditen eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 10 % auf den Nettovermögenszuwachs (nach Steuern und Kosten) des Kunden anfallen, wobei nach der High-Watermark-Methode gerechnet wird und diese Gebühr erst anfällt, wenn wir für den Kunden auch tatsächlich einen Gewinn erwirtschaftet haben.

Wie sicher sind die Kundendepots? Was passiert mit Konten und Depots, wenn zum Beispiel Solidvest oder die Baader Bank irgendwann in die Insolvenz rutschen sollten?

Die Konten und Depots werden im Namen unserer Kunden eröffnet und lauten auch auf diese. Im Falle einer Insolvenz von Solidvest, verbleiben die Wertpapiere im Besitz des Kunden und können von ihm gehalten oder geäußert werden. Im Falle einer Insolvenz der Baader Bank gilt der gesetzliche Einlagensicherungsschutz und darüber hinaus die freiwillige Einlagensicherung der Baader Bank für die Liquidität auf dem Verrechnungskonto. Die Wertpapiere selbst sind Anteile (oder Schuldscheine) am jeweiligen Unternehmen und unterliegen damit dem Emittentenrisiko, nicht aber dem Risiko der Insolvenz der Depotbank.

Welche Rendite können Kunden bei dem Anlageansatz von Solidvest erwarten? Wie groß waren die Wertschwankungen in der Vergangenheit?

Da wir mit Solidvest noch keine vollen 12 Monate live sind, dürfen wir über unsere vergangenen Renditen leider noch nicht viel sagen. Allerdings lässt sich sagen, dass wir uns im Vergleich mit anderen Robo-Advisern doch sehr gut geschlagen haben und vorhaben, das auch in Zukunft zu tun.

Vielen Dank für das Gespräch!
(Die Fragen stellte Oliver Baron.)

Weitere Informationen zu Solidvest finden Sie hier!

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Michael-Philip Müller ist Co-Leiter Online-Vermögensverwaltung bei Solidvest und ist unter anderem für das Product Development verantwortlich. 2011 begann er seine Karriere bei der BayernLB im Bereich der Unternehmensfinanzierung. Seit 2013 ist Herr Müller bei der DJE Kapital AG in der Prozessoptimierung und im Projektmanagement der Vermögensverwaltung tätig.

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Über den Experten

Oliver Baron
Oliver Baron
Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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