SIVERS SEMICONDUCTOR - Der Wahnsinn hat einen Namen: über 3.000 % seit März!
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Sivers Semiconductors war lange ein eher kleiner Spezialwert aus Schweden. Das Unternehmen ist in zwei Bereichen aktiv: Wireless mit mmWave- und Beamforming-Chips für SATCOM, 5G/6G und Defense-Anwendungen sowie Photonics mit Indium-Phosphid-Lasern für Rechenzentren, LiDAR und Sensorik. Gerade dieser Photonics-Bereich ist zuletzt zum zentralen Kurstreiber geworden.
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Der Hintergrund ist klar: In KI-Rechenzentren steigt der Bedarf an schneller und effizienter Datenübertragung massiv. Dabei rücken optische Verbindungen stärker in den Fokus. Ein wichtiges Thema ist Co-Packaged Optics, kurz CPO. Gemeint ist die engere Integration optischer Komponenten direkt an Prozessoren oder Switches, um bei Bandbreite, Energieverbrauch und Signalqualität Vorteile zu erzielen. Genau in diesem Umfeld wird Sivers inzwischen als möglicher Profiteur gehandelt.
Zusätzlichen Rückenwind bekam die Story durch den allgemeinen Sektorhype. Nachdem NVIDIA Anfang März milliardenschwere Partnerschaften mit Coherent und Lumentum für den Ausbau optischer Kapazitäten angekündigt hatte, sprang die Fantasie auf weitere Photonics-Werte über. Bei Sivers fiel dieser Funke auf besonders fruchtbaren Boden.
Der Kursanstieg ist spektakulär
Seit Anfang März 2026 schoss die Aktie von grob 3 SEK auf ein Rekordhoch über 90 SEK. Auf Jahressicht entspricht das einem massiven Kursanstieg, die Marktkapitalisierung kletterte auf rund 25 Mrd. SEK beziehungsweise etwa 2,7 Mrd. USD.
Auslöser war eine ganze Reihe von Meldungen. Dazu gehörten ein angekündigter LiDAR-Auftrag mit einem potenziellen Umsatzvolumen von 53 bis 138 Mio. USD über den Produktlebenszyklus, Partnerschaften mit Jabil sowie O-Net und Enablence im Bereich optischer Module, ein weiterer Auftrag von Tachyon Networks und ein Pentagon-Zuschlag im Rahmen des EW STAR-Programms. Zusätzliche Dynamik brachte ein viel beachteter Blogbeitrag des früheren Danske-Bank-Analysten Johan Rosenqvist, der Sivers als unterbewerteten CPO- und LiDAR-Play darstellte. Der Text verbreitete sich in den sozialen Medien rasch und wirkte offenbar wie ein Beschleuniger auf eine ohnehin schon aufgeheizte Story.
Gerade solche Kursbewegungen zeigen, wie schnell sich an der Börse aus einer interessanten Technologiegeschichte ein Momentum-Trade entwickeln kann. Für Trader ist das attraktiv, für fundamental orientierte Anleger steigt damit aber gleichzeitig das Risiko.
Fundamentaldaten halten kaum Schritt
Denn der Blick auf die Zahlen wirkt deutlich nüchterner. Sivers erzielte 2025 einen Umsatz von 307 Mio. SEK. Gleichzeitig stand ein Nettoverlust von 223 Mio. SEK zu Buche. Der Kassenbestand lag Ende 2025 bei nur 43,5 Mio. SEK, der operative Cashflow war negativ.
Damit steht einer Börsenbewertung von rund 25 Mrd. SEK ein Jahresumsatz von gut 300 Mio. SEK gegenüber. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis bewegt sich je nach Berechnung in einer Größenordnung von rund 66. Für das kommende Jahr sind es 49. Da ist für ein unprofitables Unternehmen dieser Größe iextrem hoch. Zum Vergleich: Deutlich größere und etabliertere Photonics-Unternehmen wie Coherent, Lumentum, MACOM oder Marvell werden trotz besserer Profitabilität und wesentlich höherer Umsätze mit niedrigeren Multiples gehandelt.
Hinzu kommt: Der Analystenkonsens liegt bei den Kurszielen bei etwa 6,55 bis 6,87 SEK. Selbst wenn solche Kursziele in Phasen extremer Spekulation oft hinterherlaufen, zeigt die Diskrepanz doch, wie weit sich Marktpreis und klassische Bewertung inzwischen voneinander entfernt haben.
Warum der Markt trotzdem zugreift
Ganz von der Hand zu weisen ist die bullische Seite der Story dennoch nicht. Sivers adressiert mit seinen Lasern und optischen Komponenten einen Markt, der strukturell wächst. In AI-Rechenzentren, bei optischen Hochgeschwindigkeitsverbindungen und im Umfeld von CPO könnten Engpässe bei bestimmten Komponenten entstehen. Gerade InP-basierte Laser gelten als technologisch anspruchsvoll, die Zahl der Anbieter ist begrenzt.
Zudem hat Sivers in den vergangenen Monaten mehrere Industriepartnerschaften gemeldet. Das spricht zumindest dafür, dass die Technologie am Markt wahrgenommen wird. Auch die Pipeline wurde vom Management für Ende 2025 mit 453 Mio. USD beziffert. Solche Pipeline-Zahlen sind zwar kein Umsatz, sie zeigen aber, dass es Gesprächs- und Entwicklungsprojekte in einer relevanten Größenordnung gibt.
Der Markt preist also im Kern die Möglichkeit ein, dass Sivers an einer künftigen Investitionswelle im Bereich AI-Optics früh partizipiert. Genau hier liegt allerdings auch das Problem: Die Börse bewertet heute bereits sehr viel von dem, was operativ erst noch bewiesen werden müsste.
Restatement, Cash-Burn und Verwässerung
Kritisch wird die Lage vor allem bei Bilanzqualität und Finanzierung. Das Unternehmen hat seine Abschlüsse 2024 und 2025 nach PCAOB-Standards überarbeitet. Dabei fielen die Verluste höher aus als zuvor ausgewiesen. Für 2024 wurde der Umsatz nach unten korrigiert, für 2025 stieg der Nettoverlust gegenüber der vorherigen Darstellung ebenfalls spürbar.
Solche Restatements müssen kein K.o.-Kriterium sein, sie belasten aber die Glaubwürdigkeit. Wenn ein Markt gleichzeitig eine aggressive Wachstumsbewertung zahlt, reagiert er auf Zweifel an der Qualität der Zahlen meist besonders empfindlich.
Dazu kommt das Thema Kapitalbedarf. Sivers hatte im April eine Kapitalerhöhung über 125 Mio. SEK zu 14,50 SEK je Aktie durchgeführt. Das liegt weit unter den später erreichten Kursen. Für den Markt ist das ein heikler Punkt, weil es zeigt, auf welchem Niveau institutionelle Investoren noch vor Kurzem bereit waren einzusteigen. Parallel stehen weitere potenzielle Verwässerungen im Raum, unter anderem über Optionen und eine mögliche Ermächtigung für zusätzliche Aktien.
Governance und mögliche Belastungsfaktoren
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die laufende Untersuchung der schwedischen Wirtschaftspolizei wegen eines möglichen Insiderhandelssachverhalts rund um die Ankündigung eines Nasdaq-Dual-Listings. Solange dazu keine Klarheit besteht, bleibt ein Reputationsrisiko bestehen.
Auch auf der Aktionärsseite gibt es Belastungspotenzial. Im Markt wird darüber spekuliert, dass größere Aktienpakete aus dem Umfeld von Achilles Capital beziehungsweise DDM Finance auf den Markt kommen könnten. Ein solcher Überhang kann in überhitzten Situationen zusätzlichen Druck erzeugen.
Hinzu kommt ein gestiegenes Short Interest. Das kann einerseits als Warnsignal verstanden werden. Andererseits erhöht es kurzfristig die Gefahr weiterer Short-Squeezes. Genau deshalb bleibt der Wert für Trader hochvolatil und schwer kalkulierbar.
Entscheidend werden die nächsten Wochen
Kurzfristig schauen Marktteilnehmer vor allem auf den Q1-Bericht am 29. Mai 2026. Dort wird sich zeigen, ob die operative Entwicklung wenigstens ansatzweise in die ambitionierte Bewertung hineinwächst. Relevant sind dabei Umsatzdynamik, Cash-Burn, Margenentwicklung und vor allem die Frage, ob aus Entwicklungsprojekten zunehmend wiederkehrende Produktumsätze werden.
Ebenfalls wichtig bleiben die Diskussionen um potenzielle Verwässerung, die Entwicklung beim Nasdaq-Thema und der weitere Newsflow rund um den LiDAR-Hochlauf. Später im Sommer könnte zudem das Ende von Lock-up-Fristen noch einmal für Aufmerksamkeit sorgen.
Ein Hype mit realem Kern, aber sehr viel Vorschuss
Sivers Semiconductors ist kein reines Luftschloss. Das Unternehmen hat interessante Technologien, es ist in strukturell wachsenden Märkten aktiv und hat sich durch mehrere Partnerschaften sichtbar positioniert. Genau deshalb ist der Wert überhaupt erst auf dem Radar vieler Anleger gelandet.
Trotzdem wirkt die aktuelle Börsenbewertung gemessen an Umsatz, Profitabilität und Bilanz klar überzogen. Der Markt handelt derzeit vor allem Fantasie, potenzielles Marktpotenzial und die Hoffnung auf eine Rolle in der nächsten Ausbaustufe der KI-Infrastruktur. Das kann kurzfristig weiter tragen. Je länger der Kursanstieg anhält, desto härter wird aber jeder operative Realitätscheck.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mio. USD | 304,10 | 360,23 | 487,05 |
| Ergebnis je Aktie in USD | -0,54 | -0,35 | -0,05 |
| Gewinnwachstum | - | - | |
| KGV | - | - | - |
| KUV | 78,9 | 66,6 | 49,3 |
| PEG | - | - | |
| *e = erwartet, Berechnungen basieren bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten |

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