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Kommentar
16:30 Uhr, 24.10.2026

Schwächeres Wachstum trifft steigende Kosten: Die Zinsfalle für Anleger

Die Wirtschaft der Eurozone verliert an Schwung. Gleichzeitig nimmt der Kostendruck auf die Unternehmen zu. Diese Kombination verschärft das Dilemma der Notenbanken und stellt Anleger vor neue Herausforderungen. Die am Freitag veröffentlichten Einkaufsmanagerdaten liefern dafür deutliche Hinweise.

Der vorläufige Gesamt-Einkaufsmanagerindex für die Eurozone sank im Oktober von 53,1 auf 51,9 Punkte. Erwartet worden waren 52,7 Punkte. Zwar signalisiert ein Wert oberhalb von 50 weiterhin Wachstum. Die Dynamik hat jedoch nachgelassen. Besonders schwach entwickelte sich Frankreich. Dort fiel der entsprechende Index von 51,1 auf 48,4 Punkte. Auch in Deutschland verlangsamte sich das Wachstum.

Noch problematischer ist die Preisentwicklung. Die Einkaufskosten der Unternehmen stiegen im Oktober erneut beschleunigt. Vor allem Energie, Treibstoffe und Transport verteuerten sich. Gleichzeitig erhöhten die Unternehmen ihre Verkaufspreise weniger stark als im September. Damit wächst der Druck auf die Gewinnmargen. Unternehmen ohne ausreichende Preissetzungsmacht müssen höhere Kosten teilweise selbst tragen.

Die Entwicklung erinnert an eine klassische Stagflationsgefahr: schwächeres Wachstum bei anhaltend hohem Preisdruck. Von einer ausgeprägten Stagflation kann allerdings noch keine Rede sein. Die Eurozone wächst weiterhin. Zudem lässt sich aus steigenden Einkaufspreisen nicht unmittelbar auf die künftige Verbraucherpreisinflation schließen.

Für die Notenbanken wird die Lage komplizierter. Die EZB hat ihren Einlagensatz im September bereits auf 2,50 % angehoben. Die Verbraucherpreise stiegen zuletzt um 3,8 % gegenüber dem Vorjahr. Eine schwächere Konjunktur spricht gegen weitere Zinserhöhungen. Der anhaltende Inflationsdruck erschwert auf der anderen Seite jedoch eine geldpolitische Entlastung. Ein Dilemma, das den Handlungsspielraum der EZB deutlich einschränkt.

In der kommenden Woche stehen deshalb zwei wichtige Termine an: Die US-Notenbank entscheidet am Mittwoch, dem 28. Oktober, über ihren Leitzins. Einen Tag später folgt die EZB. Entscheidend werden weniger die unmittelbaren Zinsentscheidungen als die Aussagen über den weiteren geldpolitischen Kurs sein.

Was bedeutet das für die Geldanlage? Tagesgeld bleibt für kurzfristige Liquidität weiterhin eine echte Alternative. Allerdings liegt die Verzinsung häufig unter der Inflationsrate. Der reale Vermögensverlust setzt sich dann trotz Zinserträgen fort. Bei Festgeld erscheint eine gestaffelte Anlage über sechs bis zwölf Monate sinnvoller als eine mehrjährige Bindung. So bleibt Spielraum, falls die Zinsen weiter steigen.

Bei Anleihen bietet das höhere Renditeniveau attraktive laufende Erträge. Besonders bei langen Laufzeiten bestehen jedoch erhebliche Kursrisiken. Ein Renditeanstieg um einen Prozentpunkt verursacht bei einer Anleihe mit einer modifizierten Duration von acht Jahren näherungsweise 8 % Kursverlust. Kurzlaufende Euro-Staatsanleihen hoher Bonität mit ein bis drei Jahren Restlaufzeit bieten ein günstigeres Verhältnis zwischen Zinsertrag und Schwankungsrisiko.

Auch am Aktienmarkt steigt die Gefahr. Höhere Finanzierungskosten belasten verschuldete Unternehmen. Gleichzeitig sinkt bei steigenden Anleiherenditen der heutige Wert zukünftiger Gewinne. Besonders anfällig sind deshalb hoch bewertete Wachstumsaktien. Unternehmen mit stabilen Mittelzuflüssen, geringer Verschuldung und hoher Preissetzungsmacht sind besser aufgestellt.

Fazit: Die eigentliche Gefahr liegt in einer doppelten Belastung der Aktienmärkte. Schwächere Nachfrage und höhere Kosten drücken auf die Unternehmensgewinne. Gleichzeitig rechtfertigen hohe Zinsen niedrigere Aktienbewertungen. Damit drohen fallende Gewinnschätzungen und sinkende Bewertungsmultiplikatoren zur selben Zeit.

Anleger sollten deshalb diese Strategie anwenden: Die Liquiditätsreserve bleibt auf Tagesgeldkonten geparkt. Bei Anleihen sollten zunächst Laufzeiten von ein bis maximal drei Jahren dominieren. Langlaufende Papiere werden erst wieder interessanter, wenn der Inflationsdruck nachhaltig nachlässt. Das ist aktuell aber noch nicht absehbar. Bei Aktien verdienen solide finanzierte Unternehmen mit nachgewiesener Preissetzungsmacht Vorrang. Hoch bewertete Wachstumsaktien sollten vorerst untergewichtet bleiben. Wer dagegen allein auf baldige Zinssenkungen setzt, unterschätzt die Gefahr einer längeren Phase schwachen Wachstums bei gleichzeitig hohen Finanzierungskosten.

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Oliver Kantimm, Bernecker-Redaktion

www.bernecker.info

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