Analyse
18:32 Uhr, 02.07.2026

RHEINMETALL - F126-Storno trifft Auftragsziel

Rheinmetall meldet für das zweite Quartal weiter ein erwartetes Umsatzwachstum von über 60 %. Die Stornierung des F126-Programms belastet aber das in Aussicht stehende Auftragsvolumen und könnte 2026 bis zu 300 Mio. EUR Umsatz kosten.

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Rheinmetall hält zunächst an seinem Trading-Update für das zweite Quartal fest. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein Umsatzwachstum von über 60 %. Operativ läuft das Geschäft also klar dynamisch, was zur anhaltend hohen Nachfrage im Verteidigungssektor passt.

Auf der anderen Seite sorgt die Stornierung des Programms für die Fregatte F126 für eine spürbare Belastung beim erwarteten Auftragsvolumen. Rheinmetall verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff "Nomination". Gemeint ist damit vereinfacht das Auftragsvolumen, mit dem das Unternehmen auf Basis laufender Vergabeprozesse rechnet, das aber noch nicht als fester Auftrag in den Büchern steht. Es geht also um Projekte, bei denen eine Beauftragung erwartet wurde, die formal aber noch aussteht. Genau an dieser Stelle reißt das F126-Aus nun eine Lücke.

Das bislang angepeilte Ziel von 20 Mrd. EUR bei diesem erwarteten Auftragsvolumen wird nach Unternehmensangaben deshalb nicht mehr erreicht. Trotz einer starken Entwicklung in den übrigen Segmenten dürfte das gesamte Nomination-Volumen im zweiten Quartal nur auf ein niedriges zweistelliges Mrd.-EUR-Niveau kommen.


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Was das für Anleger bedeutet

Der entscheidende Punkt ist: Rheinmetall meldet hier keine operative Schwäche im laufenden Geschäft und auch keinen Einbruch bei den bereits gebuchten Aufträgen. Vielmehr geht es um die erwartete Ausweitung der Auftragsbasis, also um die Frage, wie viele neue Projekte in absehbarer Zeit zusätzlich hereinkommen könnten.

Wenn ein Unternehmen bei der Nomination ein Ziel verfehlt, heißt das deshalb nicht automatisch, dass Umsatz und Ergebnis sofort unter Druck geraten. Es zeigt aber, dass ein bislang eingeplanter Auftrag oder ein größeres Programm in der zukünftigen Pipeline fehlt. Genau deshalb schaut der Markt auf solche Aussagen sehr genau. Gerade bei Rüstungswerten, die stark von Großprojekten, staatlichen Beschaffungsprogrammen und langen Vorlaufzeiten geprägt sind, haben Veränderungen in der Auftragspipeline erheblichen Einfluss auf die Bewertung.

Andere Programme laufen weiter, reichen kurzfristig aber noch nicht aus

Rheinmetall verweist gleichzeitig auf eine starke Auftragsdynamik in allen anderen Segmenten. Hervorgehoben werden ein erster Auftrag für Loitering-Munition im April sowie das rumänische Auftragspaket im Rahmen des SAFE-Programms Ende Mai.

Auch diese Formulierungen sind wichtig. Sie zeigen, dass das Unternehmen in anderen Bereichen weiter neue Geschäftschancen realisiert und die grundsätzliche Nachfrage intakt bleibt. Loitering-Munition, also bewaffnete Systeme, die ein Zielgebiet zunächst über längere Zeit überwachen und dann präzise eingesetzt werden können, gilt aktuell als stark nachgefragtes Segment. Das rumänische Auftragspaket unterstreicht zusätzlich, dass Rheinmetall auf europäischer Ebene von der höheren Verteidigungsbereitschaft vieler Staaten profitiert.

Kurzfristig reicht diese Dynamik laut Unternehmen aber trotzdem nicht aus, um den Wegfall des F126-Programms vollständig zu kompensieren. Deshalb wird das Ziel von 20 Mrd. EUR beim erwarteten Auftragsvolumen verfehlt.

Drohen Folgen für die Jahresprognose?

Noch offen ist, ob die Stornierung auch auf die Gesamtjahresprognose durchschlägt. Rheinmetall prüft das derzeit und will mit der Veröffentlichung der Ergebnisse für das zweite Quartal am 6. August 2026 ein detaillierteres Update geben.

Das ist ein entscheidender Punkt für den weiteren Newsflow. Solange das Unternehmen hier keine Entwarnung gibt, dürfte der Markt die mögliche Belastung in den kommenden Wochen weiter einpreisen. Besonders im Fokus steht die Frage, ob Rheinmetall kurzfristig Ersatzaufträge oder andere Maßnahmen identifizieren kann, um die entstehende Lücke zumindest teilweise zu schließen.

Sollten keine kurzfristigen Abhilfemaßnahmen zur Umsatzkompensation gefunden werden, könnten sich die Umsatzauswirkungen im Jahr 2026 auf bis zu 300 Mio. EUR belaufen. Das ist die zentrale Größenordnung, die Anleger jetzt auf dem Zettel haben müssen.

Mittelfristig bleibt der Effekt laut Rheinmetall begrenzt

Für die mittelfristige Prognose bis 2030 stuft Rheinmetall die Bedeutung des weggefallenen Programms dagegen als überschaubar ein. Der geplante Umsatzbeitrag lag hier bei unter 3 %. Das deutet darauf hin, dass der Konzern den Effekt auf längere Sicht für beherrschbar hält, sofern in den kommenden Jahren weitere Großaufträge gewonnen werden.

Genau darauf zielt auch die Aussage des Unternehmens ab, den Effekt durch weitere Auftragsabschlüsse in der Zukunft abfedern zu wollen. Angesichts der weiter hohen Verteidigungsausgaben in Europa ist das grundsätzlich plausibel. Ob und wie schnell das gelingt, bleibt aber zunächst offen.

Die Rheinmetall-Aktie hat sich zuletzt gut erholt. Einen ausführlichen Peergroup-Vergleich zu deutschen Rüstungsaktien findest Du hier.

Eine Videoanalyse des Charts von Rheinmetall gibt es hier.

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