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19:25 Uhr, 20.03.2026

Nagel: EZB achtet auf Zweitrundeneffekte und Inflationserwartungen

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Joachim Nagel wegen der Erfahrungen im Zuge des Ukraine-Kriegs für die Möglichkeit sensibilisiert, dass sich starke Energiepreisanstiege in einem breit angelegten Anstieg der Inflationsrate niederschlagen. "Die Wahrscheinlichkeit dafür ist umso größer, je stärker die Energiepreise steigen und je länger das hohe Niveau anhält", sagte Nagel laut veröffentlichtem Redetext in einer Veranstaltung in Goslar.

Für die weitere Preisentwicklung sind nach seiner Aussage zwei Punkte entscheidend, die der EZB-Rat besonders genau beobachten wird: Erstens: Bleiben die derzeit hohen Preisanstiege auf Energie begrenzt oder steigen nach und nach auch andere Preise an? Und führen die zeitweise höheren Preise zu höheren Löhnen - und darüber wieder zu Preiserhöhungen durch die betroffenen Unternehmen?

"Solche Zweitrundeneffekte könnten dazu führen, dass die Inflationsrate über längere Zeit hoch bleibt", sagte Nagel. Zweitens: Welche Inflationsrate erwarten die Bürger, die Unternehmen und die Finanzmärkte? "Je höher die erwartete Inflationsrate und je länger der Zeitraum, über den sie erwartet wird, umso größer ist die Gefahr, dass sich diese Erwartungen in der tatsächlichen Inflation niederschlagen."

Die Geldpolitik kann Nagel zufolge einen kurzfristigen Anstieg der Inflation infolge eines Energiepreisschocks nicht verhindern. "Sie muss aber handeln, wenn sich Zweitrundeneffekte abzeichnen und die längerfristigen Inflationserwartungen über das Inflationsziel steigen, denn dann droht sich die hohe Inflation zu verfestigen", sagte er.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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