Kommentar
11:00 Uhr, 07.11.2026

Nach KI-Abverkauf: Steht der Anthropic-Börsengang auf der Kippe?

Ein fallender Nasdaq-100 und schwindendes Investorenvertrauen belasten den Markt. Warum KI-Riese Anthropic vor dem IPO in Ungewissheit schwebt.

KI-Riese Anthropic wollte eigentlich noch diesen Monat an die Börse gehen. Doch im Vorfeld des geplanten Starts der Roadshow wachsen bei den Anlegern die Sorgen. Neben dem jüngsten Abverkauf an der Nasdaq drücken auch Unsicherheiten über die Profitabilität und das künftige Wachstum des Claude-Entwicklers die Stimmung potenzieller Investoren.

Unsichere Stimmung vor dem IPO

Kurz vor der geplanten Roadshow, die in der Woche ab dem 9. November starten soll, wachsen vor allem die Zweifel bezüglich der ambitionierten Bewertung von Anthropic. Wie Reuters berichtet, sehen einige Investoren eine Bewertung von 1,5 Billionen US-Dollar inzwischen als oberes Ende, nachdem zeitweise sogar mit bis zu 2 Billionen gerechnet worden war. Dem Wall Street Journal zufolge werden aber selbst besagte 1,5 Billionen von wichtigen Investoren zunehmend skeptisch betrachtet. Sicher scheint mittlerweile nur eines: Die Geldgeber drängen auf einen Abschlag.

Das wackelnde Vertrauen in die KI-Wette und der abrupte Abverkauf von Werten wie Nvidia nach den US-Zwischenwahlen drücken das Sentiment an der Wall Street. Auch der Bitcoin-Kurs geriet in den Sog und fiel am gestrigen Freitag zeitweise auf 75.000 US-Dollar. Über die schlechte Marktstimmung dürften sich der Claude-Entwickler und seine Investoren kaum freuen. Laut Reuters ist nun fraglich, ob die Roadshow wie geplant nächste Woche beginnt. Sollten KI-Werte weiter unter Druck bleiben, könnte Anthropic den Börsengang sogar verschieben und abwarten, bis sich der Markt stabiler zeigt.

Rick Meckler, Partner beim Family Office Cherry Lane Investments, gibt sich dennoch gelassen. Er rechnet zwar mit einem Rücksetzer bei den Bewertungen, zeigt sich aber überzeugt, dass KI-Unternehmen wie Anthropic an die Börse gehen und Teil der Zukunft sein werden – sie würden bei Anlegern weiterhin auf großes Interesse stoßen.

Starkes Wachstum mit Fragezeichen

In letzter Zeit konnte Anthropic den Umsatz deutlich ankurbeln. Im gesamten Jahr 2025 lag er noch bei knapp 4,6 Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz hierzu erwirtschaftete das Unternehmen allein im dritten Quartal dieses Jahres 17 Milliarden US-Dollar. Dennoch verliert das Wachstum an Tempo. Lag es im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal noch bei 144 Prozent, waren es im dritten nur noch 47 Prozent.

Ausgerechnet der hochgerechnete Jahresumsatz zum 31. Oktober fehlt im S-1, dem Börsenprospekt, den Anthropic bei der US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) eingereicht hat. Dabei warten Investoren gerade auf diese Zahl, um einschätzen zu können, ob das Wachstum in naher Zukunft wieder anzieht. Eine Bewertung in Billionenhöhe lässt sich schließlich nur mit anhaltend starken Zahlen rechtfertigen.

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Abseits der Wachstumsfrage liefert der Prospekt aber viel Positives. Mit knapp 132 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, kurzlaufenden Anleihen und anderen kurzfristigen Anlagen ist die Kasse prall gefüllt. Auch der operative Cashflow muss sich mit einem Zufluss von 6,6 Milliarden US-Dollar in den ersten neun Monaten nicht verstecken. Der operative Verlust schrumpfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und die Kundenbasis wird breiter. Die Zahl der Kunden, die mindestens 100.000 US-Dollar im Jahr ausgeben, stieg binnen eines Jahres von rund 950 auf über 11.900. Demgegenüber stehen Verpflichtungen von knapp 900 Milliarden US-Dollar, vor allem für Rechenleistung und Rechenzentren. Ob die Ergebnisse vor dem aktuellen Hintergrund für eine Billionenbewertung reichen, müssen am Ende die Investoren entscheiden.

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