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22:08 Uhr, 04.11.2026

MERCADOLIBRE: Gratisversand kostet Marge – das Tempo lässt trotzdem nach

Kostenloser Versand und mehr Marketing drücken die operative Marge auf 6,3 %: Zudem verlangsamt sich das Fintech-Wachstum nach einem starken Vorquartal.

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Mercado Libre wächst auf Kosten der Marge: Der führende Onlinehändler und Zahlungsdienstleister Lateinamerikas steigert den Umsatz um 45 %, verdient operativ aber weniger als vor einem Jahr. Zugleich lässt das Tempo währungsbereinigt erneut nach.

✦ Auf einen Blick

• Nettoumsatz und Finanzerträge steigen um 45 % auf 10,75 Mrd. USD und liegen knapp über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 10,69 Mrd. USD.

• Der operative Gewinn sinkt um 6 % auf 676 Mio. USD, die operative Marge liegt bei 6,3 %.

• Das verwässerte EPS nach GAAP steigt von 8,32 auf 8,83 USD und bleibt unter dem Analystenkonsens von 9,27 USD.

• Das Fintech-Geschäft wächst währungsbereinigt um 40 % nach 47 % im Vorquartal, das Kreditportfolio legt um 62 % auf fast 18 Mrd. USD zu.

• Das währungsbereinigte Konzernwachstum sinkt von 43 % im zweiten auf 41 % im dritten Quartal.

Nettoumsatz und Finanzerträge steigen im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 45 % auf 10,75 Mrd. USD und liegen damit knapp über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 10,69 Mrd. USD. Ein Teil des Wachstums geht auf günstige Wechselkurse zurück: Währungsbereinigt legt der Konzern um 41 % zu. Brasilien wächst erneut am stärksten.

Beim Ergebnis fällt die Bilanz schwächer aus. Der operative Gewinn sinkt um 6 % auf 676 Mio. USD nach 724 Mio. USD im Vorjahresquartal; die operative Marge fällt auf 6,3 % und damit 40 Basispunkte unter den Wert des zweiten Quartals. Der Nettogewinn steigt zwar um 6 % auf 448 Mio. USD, doch das Plus stammt vollständig aus einer niedrigeren Steuerquote und geringeren Währungsverlusten von 72 Mio. USD nach 102 Mio. USD. Das verwässerte EPS nach GAAP klettert von 8,32 auf 8,83 USD, bleibt aber unter dem Analystenkonsens von 9,27 USD. Das operative Geschäft trägt den Gewinnanstieg also nicht: Die Ergebnisqualität ist schwächer, als das Plus beim Nettogewinn vermuten lässt.

MERCADOLIBRE INC: Earnings-Scorecard zum aktuellen Quartalsbericht

Kennzahlen des Quartals im Überblick: Ergebnis, Umsatz und Umsatzverteilung von MERCADOLIBRE INC. (Quelle: Unternehmensangaben)

Der Gratisversand hat seinen Preis

Das Versandgeschäft kostet rund 60 Basispunkte Marge. Mehr kostenloser Versand und kleinere Warenkörbe verringern den Erlös je Sendung, während höhere Energiepreise den Transport verteuern. Zugleich wächst die Fulfillment-Fläche vor der Hochsaison gegenüber dem Vorquartal um fast 20 %. Weitere 40 Basispunkte entfallen auf höhere Marketingausgaben, vor allem für das Partnerprogramm in Brasilien.

Zwischen den Zeilen liest sich der Aktionärsbrief als Bitte um Geduld: Der Konzern opfere bewusst einen Teil der heutigen Marge, um Kaufgewohnheiten aufzubauen, die später mehr wert seien. Belege liefern etwa die in Landeswährung um 5 % gesunkenen Kosten je Sendung in Brasilien. Den Weg zu einer höheren Konzernmarge beschreibt das Management selbst als holprig, weil neue Kapazitäten zunächst Kosten verursachen und erst später ausgelastet werden.

Im Fintech-Geschäft lässt das Tempo nach

Während das Handelsgeschäft währungsbereinigt stabil um 41 % wächst, verlangsamt sich das Fintech-Wachstum auf 40 % nach 47 % im Vorquartal. Das Kreditportfolio legt um 62 % auf fast 18 Mrd. USD zu. Die Zinsmarge nach Kreditausfällen (NIMAL) sinkt allerdings um einen Prozentpunkt auf 20,1 %, weil die Kreditkarte mit ihren anfangs verlustreichen jungen Jahrgängen inzwischen 47 % des Portfolios ausmacht. Die Kreditqualität bleibt dagegen stabil.

Schwächer läuft Mexiko, wo das Handelsvolumen wegen einer Steuerreform und der schwachen Konsumlaune währungsbereinigt nur noch um 21 % zulegt. Damit verliert ausgerechnet der zweitgrößte Markt an Schwung, während die Ausbaukosten weiter steigen.

MERCADOLIBRE INC: Umsatz- und Gewinnentwicklung der letzten Quartale

Umsatz und Ergebnis je Aktie im Quartalsverlauf inkl. Analystenschätzungen. (Quelle: Unternehmensangaben)

Ausblick

Das Wachstum lässt nach, wenn auch auf hohem Niveau: Währungsbereinigt sinkt die Rate von 49 % im Vorjahresquartal über 43 % im zweiten Quartal auf nun 41 %. Das Management setzt dagegen auf die Marktentwicklung: Der Onlinehandel in Lateinamerika gewinne so schnell an Anteil wie seit 2020 nicht mehr. Die wachsende Ertragskraft soll allerdings nur schrittweise in den ausgewiesenen Margen sichtbar werden. Dennoch schließt der Brief selbstbewusst: "Für Mercado Libre und Lateinamerika kommt das Beste erst noch."

Analysten rechnen für 2026 mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 38,18 USD nach 39,40 USD im Vorjahr, für 2027 dann mit einem Sprung auf 55,27 USD. Die Investitionsphase ist in diesen Schätzungen also bereits berücksichtigt. Der erwartete Gewinnsprung setzt allerdings eine Margenwende voraus, während dieses Quartal noch in die andere Richtung weist.

Kennzahlen im Überblick

Kennzahl 2025 2026e 2027e
Umsatz 28,89 Mrd. USD 41,79 Mrd. USD 53,95 Mrd. USD
EPS 39,40 USD 38,18 USD 55,27 USD

*e = erwartet (Analystenkonsens, bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Basis); Ist-Jahr 2025 bereinigt (Summe der Quartale)

Fazit: Plus 45 % beim Umsatz, minus 6 % beim operativen Gewinn: Mercado Libre wächst weiter mit hohem Tempo, wird dabei aber vorerst weniger profitabel. Für den Konzern sprechen der knapp übertroffene Umsatzkonsens, die stabile Kreditqualität und sinkende Kosten je Sendung. Dagegen stehen das EPS unter dem Konsens, das nachlassende Fintech-Wachstum und ein Nettogewinn, den Steuern und Wechselkurse gestützt haben. Auf Basis der Analystenschätzungen sinkt das KGV von 42,6 für 2026 auf 29,4 für 2027, was ein Gewinnwachstum von 45 % voraussetzt. Die Marge zeigt die dafür nötige Wende noch nicht, was den vorerst neutralen Blick auf die Aktie begründet. Der Gratisversand muss sich erst noch bezahlt machen.

Dieser Beitrag ist unter Einsatz Künstlicher Intelligenz entstanden.

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