Marktstimmung:"Hilfesuche in der Historie"
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Zusammenfassung
Auf den Schock des Kriegs im Nahen Osten mit einem Kursverlust von über 7 Prozent beim DAX im Verlauf reagierten die hiesiegen Anlegerinnen und Anleger mit Käufen. Zumindest die Profis. 14 Prozent sahen in den niedrigen Preisen eine Einstiegsgelegenheit, davon kamen 9 Prozent von der Seite. Der Sentiment-Index dieser Gruppe steigt um 11 auf +25 Punkte. Anders die Privaten, von denen 14 Prozent ihre neutrale Position zugunsten eines Short-Engagements aufgegeben haben.
Joachim Goldberg verweist auf den sehr niedrigen Anteil nicht engagierter Investoren. Und den “Mut” in der Schwäche zu kaufen, trotz unübersichtlicher geopolitische Situation im Nahen Osten. Er wertet diese Engagements als kurzfristig und rechnet ab 24.650/24.700 Punkten mit Gewinnmitnahmen. Unten bröckele die Unterstützung, auch weil das langfristige Kaufinteresse aus dem Ausland schwinde.
4. März 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Noch in der vergangenen Woche haben sich viele Investoren gefragt, ob der DAX womöglich ein neues Allzeithoch erreichen könnte – dazu fehlten nicht viel mehr als 100 Punkte. Dann das Wochenende, nach dem alles anders sein sollte: Der Irankrieg löste einen globalen Einbruch der Aktienkurse aus, wobei allein der hiesige DAX zeitweise knapp 7,1 Prozent seines Wertes verlor. Wo doch ein geopolitischer Schock in den vergangenen Wochen gar nicht mehr zu den drei größten Ereignisrisiken zählte, die die internationalen Fondsmanager im Sinn hatten. Noch Mitte Februar hatten in der Umfrage der Bank of America die meisten von ihnen geäußert, sie hätten eher Angst vor einer KI-Blase.
Nun werden angesichts des jüngsten Kurs-Einbruchs von vielen Kommentatoren nicht nur hierzulande die Börsen-Annalen gewälzt, um nach historischen Parallelen zu suchen. Dazu mag in der jüngeren Geschichte einiges an das Jahr 2022 erinnern, als infolge der Invasion Russlands in der Ukraine in Europa eine Energiekrise ausbrach. Setzt man indes die Verluste der vergangenen Sentiment-Woche in den börsenhistorischen Kontext, war die Einführung der US-Handelszölle am sogenannten Liberation Day im April vergangenen Jahres mit einem DAX-Sentiment-Wochenverlust von über 10 Prozent viel massiver. Allerdings handelt es sich hierbei um Vergleiche, die nicht immer sinnvoll erscheinen, aber wahrscheinlich dabei helfen sollen, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob sich mit dem Rückgang der vergangenen Tage (stichpunktbezogen: 4,6 Prozent) womöglich nicht schon wieder eine Kaufgelegenheit für Aktien ergeben könnte – oder ob man damit doch noch lieber warten solle.
Neuer Mut
Immerhin haben die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont diesbezüglich eine klare Position. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 11 Punkte auf einen neuen Stand von +25 gestiegen. Dabei hat sich die Gruppe der neutral eingestellten Investoren fast aufgelöst und macht nur noch einen Anteil von 9 Prozent aller Befragten aus – dem niedrigsten Niveau seit mehr als zehn Jahren. Von diesem Exodus hat vor allen Dingen das Bullenlager profitiert, das sich um 14 Prozentpunkte vergrößern konnte – 3 Prozent aller Befragten bewegten sich dagegen in Richtung Bären.
Bei den Privatanlegern gab es ebenfalls einen deutlichen Rückgang bei den neutral gestimmt Anlegenden. Hier ergibt sich ein Rückgang um 14 Prozentpunkte, der allerdings – im Gegensatz zu den institutionellen Investoren – komplett zugunsten der Bären stattgefunden hat. Unser Deutsche Börse Sentiment-Index fällt in diesem Zusammenhang um 14 Punkte auf einen neuen Stand von +10. Ein großer Teil dieser Entwicklung geht übrigens auf das Konto derjenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen – klammert man diese Untergruppe aus, fällt die Bewegung zu den Bären nicht ganz so stark aus.
… aber Skepsis bei den Privatanlegern
Per Saldo ergibt sich mit der heutigen Befragung zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren eine deutliche Stimmungskluft. Beiden Gruppen gemeinsam ist allerdings ihr geringer Anteil neutral gestimmter Investoren; auch bei den Privatanlegern sprechen wir nur von 10 Prozent der Befragten. Auf der anderen Seite haben vor allen Dingen die institutionellen Investoren schon wieder eine gewisse Portion Mut getankt und mancherorts den Kauf in die Schwäche gewagt, obwohl die geopolitische Situation im Nahen Osten noch völlig unübersichtlich ist. Deswegen sehen wir auch eher einen kurzfristigen Einsatz der Optimisten, der vielleicht für eine Erholung bis auf 24.650/24.700 Zähler gut ist. Dort erwarten wir zumindest erstes Angebot aus Gewinnmitnahmen, so dass das heutige Sentiment für den DAX eher eine Belastung darstellt. Dies gilt umso mehr, sollten sich die erhofften Kursgewinne nicht zeitnah einstellen.
Die Unterseite bleibt schlecht unterstützt, zumal sich die Neigung langfristig orientierter Investoren, weiter europäische Werte überzugewichten, in Grenzen halten dürfte. Ein Blick auf den Euro im Verhältnis zum US-Dollar spricht dafür, dass langfristiges Kaufinteresse aus dem Ausland abgeebbt zu sein scheint.
von Joachim Goldberg
4. März 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse
Videokommentar
Sentiment-Analyse als Podcast
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Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 58% | 33% | 9% |
| ggü. letzter Erhebung | +14% | +3% | -17% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 23.900 Punkte (-1.125 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: 25 Punkte (+11 Punkte zur letzten Erhebung)
Sentiment-Index privater Anleger*innen
| Bullish | Bearish | Neutral | |
|---|---|---|---|
| Total | 50% | 40% | 10% |
| ggü. letzter Erhebung | +0% | +14% | -14% |
DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 23.900 Punkte (-1.125 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: 10 Punkte (-14 Punkte zur letzten Erhebung)
Über den Deutsche Börse Sentiment-Index
Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.
