MÄRKTE EUROPA/Abverkauf in Aktien dauert an - DAX sackt 5% ab
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DOW JONES--Nach dem deutlichen Minus am Vortag ist es an den europäischen Börsen auch zum Wochenschluss ungebremst nach unten gegangen. Das von den US-Zöllen ausgehende Risiko für die globale Wirtschaft wurde an den Aktienmärkten weiter eingepreist, in der Folge trennten sich Anleger von Risiko-Assets. Zusätzlicher Verkaufsdruck kam am Mittag auf, nachdem China Gegenmaßnahmen auf die US-Zölle angekündigt hatte. Die Volksrepublik will Zölle von 34 Prozent auf US-Waren erheben. Das ist mehr, als die meisten Marktbeobachter erwartet hatten.
Skeptisch äußerten sich zum Beispiel die Strategen der Bank of America zu den kurzfristigen Marktaussichten. Die US-Zollerhöhungen hätten die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum erhöht. Dies mache die Märkte verwundbar gegenüber einer weiteren Ausweitung der Risikoprämien. Nach drei Jahren eines starken globalen Wachstums seien die Asset-Preise hoch, die Risikoprämien zusammengeschrumpft und die Gewinnerwartungen erhöht. Schon vor dem Zollschock dieser Woche habe sich der Wachstumsausblick eingetrübt. Europäische Aktien hätten sich dem bis zuletzt mit der Aussicht auf das deutsche Fiskalpaket entziehen können und reagierten nun mit Verspätung. Der Stoxx-600 habe noch ein Abwärtsrisiko von bis zu 10 Prozent.
Der DAX verlor 5 Prozent auf 20.642 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 gab um 4,6 Prozent auf 4.878 Punkte nach. Nachdem am Vortag stark die Aktien der Sportartikelhersteller verkauft worden waren, traf es nun die Werte aus der Finanzbranche, deren europäischer Sub-Index 8,5 Prozent verlor. Unter den Einzelwerten ging es für Deutsche Bank um knapp 10 Prozent nach unten, Societe Generale verloren 10,4 und Banco Sabadell 11 Prozent. Der Euro zeigte sich etwas leichter bei 1,10 Dollar. Am Anleihemarkt ging es mit den Kursen nach oben, die Renditen sanken also. In der Schweiz fiel die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe kurz in den negativen Bereich. Der Brent-Ölpreis kollabierte um weitere gut 6 Prozent. Gold notierte leichter bei 3.020 Dollar die Feinunze, auch hier schien es nun zu Gewinnmitnahmen zu kommen.
Offen blieb weiter die Reaktion der EU auf die US-Zölle. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die US-Zölle in einer ersten Reaktion bedauert und die negativen Folgen für die Weltwirtschaft herausgestellt. "Sie scheint die Tür für Verhandlungen aber offenhalten zu wollen", so die Commerzbank. In diesem Umfeld spielten die ansonsten wichtigen US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag eine untergeordnete Rolle. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im März in einer gesunden Verfassung - dies war allerdings vor Verkündung des Zollkriegs.
Defensive Werte übergewichten - Finanzwerte untergewichtet
Sollten sich von den Anlegern geforderten Risikoprämien für Aktien weiter ausweiten, was die Marktstrategen von Jefferies erwarten, würde dies in ihrem Basisszenario ein zusätzliches Abwärtspotenzial von 6 Prozent implizieren, das sich auf 10 Prozent erhöhe, sobald zusätzliche Zolleffekte zu berücksichtigen seien. Jefferies sieht noch weitere Abwärtsrisiken für Banken, die seit Jahresbeginn stark outperformt hatten - gestützt durch ein positives Bottom-up-Narrativ und die deutschen Fiskalhoffnungen - und bisher die makroökonomischen Risiken am wenigsten eingepreist hätten.
Unter den defensiven Werten hatte der inländische Versorgungssektor in den vergangenen Wochen am besten abgeschnitten, Jefferies bleibt dort übergewichtet. Die Nahrungsmittel- und Getränkebranche habe sich um mehr als 10 Prozent von ihrem jüngsten 13-Jahrestiefs erholt, sollte aber noch etwa 10 Prozent weiteres Aufwärtspotenzial relativ zum Markt aufweisen, falls sich das globale Wachstum wie erwartet abschwäche.
Ob und inwieweit sich die Abwärtsspirale an den Aktienmärkten in den nächsten Tagen fortsetzen wird, dürfte nach Aussage der DZ Bank vor allem von den beteiligten Regierungen abhängen. Sollte vor allem die US-Regierung klare Verhandlungsbereitschaft signalisieren, könnte das Bild vom "Dealmaker-Trump" wieder verstärkt in den Vordergrund rücken und für Beruhigung sorgen. Setze Trump seine in den vergangenen Monaten an den Tag gelegte harte Gangart fort, seien hingegen weitere Rückschläge keineswegs ausgeschlossen. Dem DAX könnte dann auch der Rutsch unter die Marke von 20.000 Punkten drohen. Der Euro-Stoxx-50 könnte bis in die Region um 4.700 Punkte fallen. Volatil dürfte es in jedem Fall auch darüber hinaus bleiben.
=== Index Schluss Entwicklung in % Seit Jahresbeginn* ESTX 50 PR.EUR 4.878,31 -4,6% +4,4% Stoxx-50 4.226,43 -4,8% +3,0% Stoxx-600 496,33 -5,1% +3,1% XETRA-DAX 20.641,72 -5,0% +9,1% CAC-40 Paris 7.274,95 -4,3% +3,0% AEX Amsterdam 841,29 -4,1% -0,1% ATHEX-20 Athen 3.923,66 -5,2% +15,9% BEL-20 Bruessel 4.093,59 -4,7% +0,7% BUX Budapest 83.028,96 -4,8% +13,1% OMXH-25 Helsinki 4.263,36 -3,3% +4,8% OMXC-20 Kopenhagen 1.637,75 -4,4% -18,5% PSI 20 Lissabon 6.635,79 -4,8% +9,2% IBEX-35 Madrid 12.422,00 -5,8% +15,1% FTSE-MIB Mailand 34.649,22 0,0% +8,4% OBX Oslo 1.326,34 -5,0% +5,0% PX Prag 1.951,67 -5,3% +17,1% OMXS-30 Stockholm 2.297,77 -3,7% -3,9% WIG-20 Warschau 2.467,99 -6,4% +20,2% ATX Wien 3.762,81 -6,0% +9,2% SMI Zuerich 11.648,83 -5,1% +5,8% DEVISEN zuletzt +/- % 0:00 Do, 17:15 % YTD EUR/USD 1,0997 -0,5% 1,1052 1,1092 +6,8% EUR/JPY 160,6510 -0,4% 161,2565 161,6105 -1,0% EUR/CHF 0,9420 -0,7% 0,9491 0,9509 +1,5% EUR/GBP 0,8519 +1,0% 0,8434 0,8440 +2,0% USD/JPY 146,0915 +0,1% 145,9185 145,7015 -7,3% GBP/USD 1,2907 -1,5% 1,3103 1,3143 +4,6% USD/CNY 7,1872 +0,2% 7,1751 7,1817 -0,5% USD/CNH 7,2859 +0,1% 7,2803 7,2858 -0,7% AUS/USD 0,6038 -4,6% 0,6327 0,6366 +2,2% Bitcoin/USD 83.165,95 +0,5% 82.747,70 81.633,20 -11,3% ROHOEL zuletzt VT-Schluss +/- % +/- USD % YTD WTI/Nymex 61,74 66,62 -7,3% -4,88 +1,6% Brent/ICE 65,28 69,81 -6,5% -4,53 -6,3% METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD Gold 3020,10 3113,90 -3,0% -93,56 +18,6% Silber 27,00 28,84 -6,4% -1,84 +3,3% Platin 838,08 865,45 -3,2% -27,38 -1,1% Kupfer 4,46 4,83 -7,6% -0,37 +9,9% YTD bezogen auf Schlussstand des Vortags ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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