Krypto-Trends, Bitcoin-Prognose und Investmentchancen: Das erwarten Branchenexperten 2026
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Liebe Leserinnen und Leser,
ich freue mich, unseren BTC-ECHO Insider Report für Q1 2026 vorstellen zu können. Über 42 Krypto-Insider haben an diesem Report teilgenommen und liefern mit ihren Antworten wichtige Erkenntnisse darüber, wo der Bitcoin-Kurs zukünftig stehen könnte, wie es um das Sentiment in der Krypto-Industrie bestellt ist und was ihre Meinung zu unserer Sonderfrage ist. In dieser Ausgabe wollten wir nämlich wissen, was die dominierenden Krypto-Trends 2026 sind.
Damit Umfrage und Auswertungen höchste methodische Standards erfüllen, ist BTC-ECHO mit der IU Internationale Hochschule eine Kooperation eingegangen. Dies geschieht unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. David Florysiak von der IU Internationale Hochschule. Mit der Expertenumfrage möchten wir das führende Stimmungsbarometer für die Krypto-Branche liefern, vergleichbar mit dem ifo-Geschäftsklimaindex oder den ZEW-Konjunkturerwartungen.��
1. Krypto-Optimismus-Index: So ist die Stimmung der Experten
Wie optimistisch blicken unsere Insider auf die Krypto-Branche? Anhand einer Skala von 0 bis 100 haben wir einen Krypto-Optimismus-Index entwickelt, der darüber Aufschluss geben soll. Im Vergleich zum vorherigen Quartal (Q4 2025) ist der Optimismus zurückgegangen, von 79 auf nun 71,2 Indexpunkte.
Dabei waren ein Drittel optimistischer, ein Drittel weniger optimistisch und ein Drittel sahen keine Veränderung in ihrem Optimismus im Vergleich zum vorherigen Quartal.
2. Krypto-Geschäftsklima-Index: Die aktuelle Lage
Um Aufschluss über die aktuelle wirtschaftliche Lage im Krypto-Sektor zu erhalten, wurde der Krypto-Geschäftsklima-Index aufgesetzt. Hierfür werden die Expertinnen und Experten nach ihrer Einschätzung gefragt, die “gut”, “normal” oder “schlecht” ausfallen kann. Waren es im vergangenen Quartal ganze 68,6 Prozent der Befragten, die die wirtschaftliche Situation der Krypto-Unternehmen als gut angesehen haben, sind es jetzt nur noch 23,8 Prozent – ein regelrechter Absturz. Umgekehrt sind schon 7,1 Prozent der Insider der Ansicht, dass die Lage im Krypto-Sektor schlecht ist – im vergangenen Quartal waren es nur 2 Prozent. Im Zuge dessen ist auch der Indexstand weiter abgefallen, von 66,7 auf 16,7. Der Index wird berechnet, indem der Prozentsatz der positiven Bewertungen von dem Prozentsatz der negativen Bewertungen abgezogen wird.
3. Krypto-Geschäftsklima-Index: Der Blick in die Zukunft (6 Monate)
Doch wie schaut es auf Sicht der kommenden sechs Monate aus? Um dies herauszufinden, haben wir die Erwartungen der Insider in “verbessern”, “nicht verändern” und “verschlechtern” eingeteilt. Im Vergleich zum vorherigen Quartal hat sich auch die längerfristige Erwartungshaltung deutlich verschlechtert. So liegt der Indexwert bei 35,7 Punkten (Indexwert Q4 2025: 60,8). Der Prozentsatz der positiven Erwartungen beträgt 47,6 Prozent und der Prozentsatz der negativen Erwartungen beträgt 11,9 Prozent.
4. Bitcoin-Kurs: Wo er in einem Monat stehen könnte
Die Bitcoin-Kurseinschätzungen von unseren Insidern werden im Kurserwartungsindex zusammengefasst. Diese erwarten im Durchschnitt einen BTC-Kurs von 92.226 US-Dollar auf Sicht von einem Monat. Um noch besser die Erwartungshaltung unserer Expertinnen und Experten zu verstehen, haben wir weitere Kurseinschätzungen eingeholt, die neben einem Basisszenario für das wahrscheinlichste Auskommen auch ein besonders bearishes und bullishes Szenario beinhalten.
Im schlechtesten Fall, mit einer Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent beziehungsweise 1 zu 10, würde Bitcoin auf einen Kurs von 74.024 US-Dollar innerhalb eines Monats fallen. Umgekehrt, im Best-Case-Szenario, ebenfalls mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent, ist ein Bitcoin-Kurs von durchschnittlich 107.286 US-Dollar möglich. Damit nehmen die Experten angesichts der heftigen Kurseinbrüche am Krypto-Markt eine klar bearishere Haltung ein.
Aus den Umfragedaten wird ebenfalls der BTC-1M-Volatilitäts-Index berechnet. Dieser fasst die durchschnittliche erwartete Volatilität des BTC-Kurses über einen Monat zusammen. Der Indexstand liegt bei 14 Punkten und damit niedriger als im vorherigen Quartal (15,8 Punkte). Zum Vergleich: Die historische Volatilität des BTC-Kurses vor der Umfrage über einen Monat beträgt 11,7 (basierend auf täglichen log-Renditen im Zeitraum 19.01.2025 – 18.01.2026).
5. Bitcoin-Kurs: Wo er in sechs Monaten stehen könnte
Die gleiche Umfrage zur Bitcoin-Kurseinschätzung haben wir auch für den Zeitraum von sechs Monaten durchgeführt. Bis Juli 2026 erwarten die Umfrageteilnehmer einen Bitcoin-Kurs von im Schnitt 105.071 US-Dollar. Dies entspricht einer erwarteten Rendite von 16,8 Prozent über sechs Monate. Im Worst-Case-Szenario, mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent, einen BTC-Kurs von 70.952 US-Dollar. Im Best-Case-Szenario zeigt sich ein Sprung auf 132.786 US-Dollar. Insgesamt zeigt die 6-Monats-Befragung ebenfalls wieder einen deutlichen Aufschwung gegenüber dem vorherigen Quartal.
Aus den Umfragedaten wird ebenfalls der BTC-6M-Volatilitäts-Index berechnet. Dieser fasst die durchschnittliche erwartete Volatilität des BTC-Kurses über sechs Monate zusammen. Der Indexstand liegt bei 25,8 Punkten und damit unter den 28,4 Punkten aus Q4 2025. Die historische Volatilität des BTC-Kurses vor der Umfrage über sechs Monate beträgt 28,9 (basierend auf täglichen log-Renditen im Zeitraum 19.01.2025 – 18.01.2026).
6. Krypto-Markt: Das denken unsere Experten
Dr. André Dragosch, Director Head of Research bei dem Krypto-ETF- und ETP-Anbieter Bitwise, rechnet kurzfristig nicht mit einer unmittelbaren Fortsetzung des Bullenmarkts. “Ich denke, der Krypto-Markt wird voraussichtlich noch im ersten Quartal weiterhin konsolidieren, auch wenn der Boden höchstwahrscheinlich bereits hinter uns liegt.” Gleichzeitig sieht er die Voraussetzungen für weiter steigende Kurse noch nicht vollständig erfüllt. “Dennoch benötigt Bitcoin noch einen eindeutigen Katalysator, um den Bullenmarkt mit steigender institutioneller Adoption fortzusetzen.” Als möglichen Auslöser nennt Dragosch eine Verschiebung zwischen Assetklassen. “Ich denke, der Katalysator wird höchstwahrscheinlich eine Korrektur am Edelmetall-Markt sein, die dann entsprechend eine mehr oder weniger starke Rotation in Kryptoassets nach sich ziehen wird.”
Auch Nils von Schoenaich-Carolath, Chief Growth Officer von der Wertpapierhandelsbank tradias, hält Prognosen für das kommende Jahr für kaum belastbar. Die Ursachen sieht er vor allem außerhalb des Krypto-Marktes selbst. “Die Unberechenbarkeit der US-Politik und die sich weiter zuspitzende geopolitische Lage erhöhen die Volatilität und machen Richtungsentscheidungen extrem fragil.” Entsprechend könne sich das Marktbild sehr schnell drehen. “Ein einziges regulatorisches Signal oder Gesetz kann Bitcoin in kurzer Zeit in Richtung mehrerer Hunderttausend US-Dollar treiben – genauso schnell kann sich das Bild durch wirtschaftliche Schocks, geopolitische Eskalationen oder restriktive Maßnahmen ins Gegenteil verkehren.” Mit Blick auf den Standort Deutschland zeigt sich von Schoenaich-Carolath dennoch klar optimistisch. “Für deutsche Krypto-Unternehmen bleibe ich dennoch klar bullish.” Der europäische Bankenmarkt stehe erst am Anfang seiner Öffnung. “Viele Institute bieten noch kein Krypto-Spot-Trading an, werden aber aus Wettbewerbs- und Kundendruck nachziehen müssen – und sie werden es auch tun.”
Makro dominiert die kurzfristige Kursentwicklung
Ed Prinz, Founder vom Web3 Hub Vienna und neob.ai verweist auf die starke Abhängigkeit des Marktes von makroökonomischen Rahmenbedingungen. “Der Krypto-Markt zeigt Anfang 2026 eine starke Abhängigkeit von der globalen Zinspolitik.“ Trotz des im Vorjahr erreichten Allzeithochs erwartet er kurzfristig keine klare Trendbewegung. “Ich sehe kurzfristig eine volatile Seitwärtsphase, da der Markt die regulatorischen Anforderungen der MiCA-Umsetzung vollständig einpreisen muss.”
Der Krypto-Forensiker Albert Quehenberger, CEO von AQ Forensics, hebt die besondere Marktstruktur von Krypto-Assets hervor. “Der Krypto-Markt reagiert schneller und stärker auf neue Entwicklungen als klassische Finanzmärkte.” Dafür nennt er mehrere strukturelle Gründe. “Das liegt unter anderem daran, dass rund um die Uhr gehandelt wird, viele Transaktionen öffentlich einsehbar sind und der Markt insgesamt noch weniger tief ist als bei Aktien oder Anleihen.” Diese Eigenschaften hätten direkte Auswirkungen auf die Preisbildung. “Diese Eigenschaften führen zwar zu stärkeren Kursschwankungen, sorgen aber auch dafür, dass neue Informationen sehr schnell im Markt berücksichtigt werden.”
Konsolidierung statt neuer Aufwärtsimpuls
Der Venture-Capital-Experte und Bitcoin-Enthusiast Dr. Alex von Frankenberg leitet daraus eine anhaltende Konsolidierungsphase ab. “Die Preiskonsolidierung wird sich noch eine Weile (paar Monate) fortsetzen und danach wird der Aufschwung weitergehen.”
Auch Krypto-Unternehmer Michael Wild (Depositly.io) spricht von einer Konsolidierung. “Der Krypto-Markt und die wirtschaftliche Lage der Krypto-Unternehmen befinden sich derzeit in einer Phase der Konsolidierung.”
Verhaltener Markt, fehlende Euphorie
Beim aktuellen Stimmungsbild überwiegt Zurückhaltung. Bitcoin-Steuerberater Matthias Steger bringt die Lage pointiert auf den Punkt: “Es fehlt Hopium – alle anderen Zeichen stehen aber eigentlich gut.” Werner Hoffmann, CEO vom Krypto-Reporting-Dienstleister Pekuna beobachtet eine ähnliche Stimmung, insbesondere im deutschsprachigen Raum. “Ich beobachte die deutsche Krypto-Szene derzeit sehr gemischt, zum einen gibt es noch Optimismus, dass der richtige Bullenmarkt noch kommt, großteils sehe ich jedoch, dass viele sich eher auf einen Bärenmarkt vorbereiten.”
Neue Substanz, dank reifer Infrastruktur
Auch bei weiteren Experten überwiegt das Bild eines reifer gewordenen Marktes. Lutz Wengorz, Managing Director vom Tokenisierungsdienstleister Agitarex, sieht die Branche klar im Übergang: “Die Krypto-Branche im Jahr 2026 befindet sich im Übergang von der Hype-Phase zur Infrastruktur-Phase.”
Krypto-Berater Jürgen Kob verweist ebenfalls auf die strukturelle Reife. “Der Krypto-Markt ist strukturell reifer geworden.” Volatilität bleibe zwar bestehen, sei jedoch “weniger existenziell als früher”.
Mögliche KI-Blase als Gefahr?
Malte Häusler, CEO von der Tokenisierungsplattform Timeless Investments, richtet den Blick auf die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf die Kapitalmärkte. “KI wird die Kurse der Tech-Unternehmen nach unten korrigieren.” Gleichzeitig rechnet er mit weiteren Übertreibungen. “Die Chipmania wird sich weiter zuspitzen, was die Märkte heute wohl noch nicht vollständig eingepreist haben.”
Bitcoin als funktionales Asset, nicht als Narrativ
Der CEO der Bitcoin-App 21bitcoin, Daniel Winklhammer, und Chris Seedor, CEO von SEEDOR und Bitsurance, teilen einen nüchternen, strukturellen Blick auf den Markt. Winklhammer verweist auf die zunehmende funktionale Nutzung von Bitcoin. “Bitcoin wird zunehmend als Treasury-Asset für Unternehmen betrachtet, da es eine Inflationsabsicherung und potenziell hohe Renditen bietet.” Zudem wachse die Bedeutung von Bitcoin als Sicherheiteninstrument. “Die Verwendung von Bitcoin als Sicherheit für Kredite gewinnt an Bedeutung.”
Seedor ergänzt diese Sicht um den Umgang mit Marktrisiken. “Das eigentliche Risiko sind irreversible Fehlentscheidungen im Konsens.” Entsprechend plädiert er für Zurückhaltung statt Aktionismus. “Der einzig vernünftige Weg ist langweilig: erst handeln, wenn reale Signale auftauchen statt Narrative.”
7. Krypto-Trends 2026: Auf diese Themen setzen die Insider
Wie unsere Expertenumfrage zeigt, ist die institutionelle Adoption eines der Top-3-Themen für 2026. Wie sehr die Integration von Krypto in die institutionelle Infrastruktur vorankommt, kann besonders gut Konstantin Kraus beurteilen, der als Head of Institutional Partnerships bei Kraken einen tiefen Einblick in das Segment hat: “Aus meiner Sicht zeigt sich, dass sich der Markt an einem Wendepunkt befindet. Die Diskussion hat sich weg von der reinen Existenzberechtigung von Krypto hin zur Frage verlagert, wie digitale Vermögenswerte nachhaltig, reguliert und skalierbar in bestehende Finanzstrukturen integriert werden können. Institutionelle Investoren bewerten Krypto heute weniger als spekulatives Randphänomen, sondern zunehmend als eigenständige Assetklasse mit klaren Anforderungen an Marktinfrastruktur, Liquidität, Custody und Compliance.”
Auch Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth betont die infrastrukturelle Dimension: “2026 markiert den Übergang von der Experimentierphase zur strukturellen Verankerung. Krypto wird zur funktionalen Infrastruktur – effizient, institutionell nutzbar und zunehmend relevant für digitale Selbstbestimmung.“
Der Trend-Sieger: Stablecoins
Das mit Abstand relevanteste Thema für unsere Experten sind Stablecoins. Bereits im vergangenen Jahr waren sie das dominierende Thema bei professionellen Marktakteuren. Für Maximilian Bruckner, der bei dem Krypto-Verwahrer Zodia Custody das institutionelle Geschäft betreut, geht es inzwischen klar um die praktische Integration: “Unternehmen und Finanzinstitute werden Stablecoins zunehmend nutzen, um grenzüberschreitende Zahlungen und Abwicklungsprozesse effizienter zu gestalten und bestehende Reibungsverluste zu reduzieren.“ Aus seiner Sicht war die regulatorische Zuspitzung im Jahr 2025 dabei kein Hindernis, sondern eine Voraussetzung für Integration: “Die strengeren Regulierungen in den USA und der EU im Jahr 2025 haben für mehr regulatorische Klarheit gesorgt. Dadurch konnten Stablecoins schneller in zentrale Finanzprozesse integriert werden – etwa in Delivery-versus-Payment-Strukturen oder als tokenisierte Sicherheiten.“
Der fortschreitenden Stablecoin-Integration stimmt auch Henning Daut zu, der als Senior Vice President und Blockchain-Experte bei der Axel Springer Unternehmensberatung hy Kunden bei der Krypto-Integration unterstützt: “2026 markiert den Übergang von Krypto als Markt-Narrativ hin zu Finanz-Infrastruktur. Stablecoins, tokenisierte Assets und Onchain-Settlement werden Teil des operativen Kerns von Treasury, Payments und Capital Markets.“
Moritz Schild, Geschäftsführer vom börsennotierten Krypto-Fonds coinIX ergänzt diesen Befund um neue ökonomische Anreize: “Physisch besicherte Stablecoins und von Unternehmen emittierte Altcoins werden 2026 ihr Potential beweisen. Dabei wird die Möglichkeit, mit Stablecoins auch einen laufenden Ertrag zu generieren, eine besondere Rolle spielen.“
Vom Piloten zur kommerziellen Praxis
Auch Michael Geike, Managing Partner beim Krypto-Fonds 21 Oaks Capital, sieht eine signifikante Weiterentwicklung im Stablecoin-Sektor: “Stablecoins als globales Zahlungs-Rail: Stablecoins werden sich vom reinen Krypto-Use-Case zu einem zentralen Bestandteil internationaler Zahlungs- und Abwicklungssysteme entwickeln. Institutionelle On-Chain-Infrastruktur: Custody, Compliance, Settlement und Reporting werden professionalisiert und zunehmend von regulierten Anbietern dominiert.”
Dem stimmt auch Ingo Czok, Geschäftsführer des Stablecoin- und Krypto-Softwaredienstleisters nupont, zu: ”2026 wird das Jahr, in dem die Crypto Adoption bei Big Corporate massiv zulegen wird, weil die Use-Cases evident sind und die Infrastruktur zwischenzeitlich Enterprise Grade erreicht hat.“
Die Entwicklungen beschränken sich jedoch nicht auf Stablecoins. Auch das tokenisierte Giralgeld rückt verstärkt in den Fokus – ein Bereich, den sowohl Bankenverbände als auch insbesondere J.P. Morgan in den USA aktiv vorantreiben. Oliver Naegele, Founder der Blockchain HELIX AG, kommentiert diese Entwicklung wie folgt: “Commercial Bank Money Token CBMT öffnet den Markt für Unternehmen und Banken, die im Finanzmarkt in die Tokenisierung als Standard einsteigen werden.“
Tether, Circle und Co.: 1 Billion US-Dollar Marktvolumen noch in diesem Jahr
Mit der operativen Verankerung wachsen auch die Volumina. Bernhard Wenger, Head of Northern Europe bei dem Krypto-ETF- und ETP-Anbieter 21Shares, skizziert für 2026 klare Zielmarken: “Für 2026 haben wir unter anderem die folgenden Thesen aufgestellt: Die Blockchain-Technologie etabliert sich endgültig als globale Finanzinfrastruktur, indem Stablecoins die Marke von 1 Billion USD überschreiten und die Tokenisierung von Sachwerten (RWA) auf über 500 Milliarden USD anwächst. Flankiert wird diese Entwicklung durch ein Erstarken des dezentralen Finanzwesens (DeFi) auf über 300 Milliarden USD TVL sowie durch Prognosemärkte, die ein Volumen von 100 Milliarden USD erreichen werden.“
Die Gegenposition: “Mit Schäufelchen im Stablecoin-Sandkasten”
Vor diesem breiten Konsens des Stablecoin-Aufstieges setzt Dr. Joachim Schwerin, leitender Ökonom bei der Europäischen Kommission und geschätzter Bitcoin- und Blockchain‑Experte, einen klaren Gegenakzent. Er hält die starke Fokussierung auf Stablecoins und CBDCs für überzeichnet und sieht die eigentliche Wertschöpfung an anderer Stelle: “Der künstlich aufgebauschte Gegensatz zwischen Stablecoins und CBDCs – die beide kein Potential für eine Vormachtstellung auf dem Markt haben – weicht dem zunehmenden Aufkommen seriöser Geschäftsmodelle, die aus Nachfragesicht attraktiver sind: Tokenisierung von Assets aller Art durch Geschäftsbanken für Industrieunternehmen, die zunehmende Dezentralisierung tokenbasierter Energiemärkte und ein wachsender Fokus auf digitale Wertschöpfungsketten einschließlich Identitätsmanagement, digitalen Produktpässen und automatisierten Zahlungen. Blockchain wird erwachsen in Europa, während weite Teile der Welt noch mit Schäufelchen im Stablecoin-Sandkasten spielen.“
Der Blick in die USA: Zwischen Clarity Act und Wall Street
Die USA setzen nicht nur bei den Schlagzeilen, sondern auch bei der Kursentwicklung von Bitcoin und anderen Kryptowährungen den Ton. Große Erwartungen richten sich dabei auf den noch ausstehenden Clarity Act, von dem sich viele Marktteilnehmer einen deutlichen Entwicklungsschub versprechen. Mit dessen Verabschiedung wäre der regulatorische Rahmen in den USA endgültig klargezogen. Dr. Alex von Frankenberg, ehemaliger Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds und bekennender Bitcoin-Enthusiast, formuliert es wie folgt: “Insbesondere der Clarity Act wird dazu führen, dass das Finanzsystem ‚renoviert‘ wird, d. h. traditionelle Systeme und Prozesse durch Blockchain-Lösungen nach und nach ersetzt werden.“
Wie wichtig bei dieser Transformation die großen amerikanischen Wall-Street-Akteure sind, unterstreicht Dr. Duc Au, Dozent an der FOM Hochschule und Head of Innovation bei der WM Gruppe, mit dem Vorstoß der New York Stock Exchange: “Die große Blockchain-Adoption in Finance lässt nach wie vor auf sich warten (insbesondere in Deutschland). Aber die Entwicklungen gehen global gesehen in die richtige Richtung, siehe z. B. NYSE und dem Announcement einer 24/7-Trading-Plattform für digitale Assets oder das Voranschreiten des Chainlink-Ökosystems zur essenziellen Onchain-Datenbereitstellung.“
KI und Prediction Markets
An der Schnittstelle von Krypto und Künstlicher Intelligenz entstehen zusätzliche Nachfrageimpulse. Patrick Tobler, CEO von der NFT-Plattform NMKR, beschreibt einen grundlegenden Rollenwechsel: “Agent-to-Agent > User-to-Protocol. Krypto wird der Settlement- und Identity-Layer für autonome AI-Systeme.“
Auch Florian Döhnert-Breyer, Managing Director des Krypto-Fonds F5 Crypto Capital, sieht Fortschritte an der Schnittstelle zwischen KI und Krypto: “Krypto und KI haben bislang kaum harmoniert, doch ein hochinteressanter Ansatz zur Bereitstellung dezentraler Rechenleistung, wie ihn das Projekt Gonka in Anlehnung an das dezentrale Bitcoin Mining verfolgt, könnte erstmals einen sinnvollen Anwendungsfall schaffen, bei dem Krypto reale KI-Nachfrage nach Rechenleistung und Energie bedienen kann.“
Ein weiterer Fokus liegt auf Prediction Markets, die zuletzt durch den Einstieg von Coinbase in Partnerschaft mit Kalshi neue Aufmerksamkeit erhalten haben: “Prediction Markets boomen, allen voran Polymarket und Kalshi: Auf Polymarket wurden 2025 laut CoinGecko Wetten von über 60 Mrd. USD eingesetzt; mehr als viermal so viel wie im Vorjahr.“
Diese Expertinnen und Experten haben teilgenommen:
Albert Quehenberger, AQ Forensics
Alex von Frankenberg, May Ventures
Alexander Rapatz, Black Manta Capital
Bernhard Schweizer, SAP
Bernhard Wenger, 21Shares
Chris Seedor, SEEDOR und Bitsurance
Daniel Winklhammer, 21bitcoin
David Florysiak, IU International University of Applied Sciences
Dietmar Schantl-Ransdorf, Bitpanda Wealth
Dr. Duc Au, WM Datenservice
Dr. André Dragosch, Bitwise Asset Management
Ed Prinz, 21base GmbH
Florian Döhnert-Breyer, F5 Crypto
Florian Wimmer, Blockpit
Henning Daut, hy – the Axel Springer Consulting Group
Ingo Czok, nupont
Joachim Schwerin, European Commission
Jonas Gantenbein, Bank Frick
Jonas Jünger, Binance
Jürgen Kob, FRIENDS & FINANCE
Julian Liniger, Relai
Konstantin Kraus, Kraken
Lutz Victor Wengorz, Agitarex
Malte Häusler, Timeless Investments
Markus Schindler, Visable, Blockchain Investor AG
Martin Kreitmair, Tangany
Matthias Steger, Bitcoin Bundesverband
Maximilian Bruckner, Zodia
Michael Geike, 21 Oaks Capital
Michael Wild, Depositly
Milko Hensel, Maerki Baumann & Co.
Moritz Schildt, nordIX, coinIX
Mauro Casellini-Machado Sousa, Open Impact Foundation
Nils von Schoenaich-Carolath, Tradias
Oliver Nägele, Blockchain Helix
Patrick Tobler, NMKR
Serge Kaulitz, Luzerner Kantonalbank AG
Stephan Lutz, BitMEX
Thomas Langbein, Trever
Thuy Tien Nguyen, Fraunhofer IML
Vinzenz Treytl, ABC Research
Werner Hoffmann, Pekuna
Empfohlenes Video
Deshalb wird 2026 ein "schwieriges Jahr für Bitcoin" – Bitcoin2Go
Du willst auch die Artikel mit dem + lesen? Dann hol Dir BTC-ECHO Plus+
Mit Deinem Abo bekommst Du:
- Unbegrenzten Zugang zu allen Inhalten
- Exklusive Artikel, Interviews & Analysen
- Detaillierte Reports & Hintergrundberichte
- Technische Chartanalyse & Kursziele
Es sollen noch mehr Vorteile sein? Via Web und App hast Du geräteübergreifend Zugriff auf alle Beiträge. Damit verschaffen wir Dir ein optimales Lesevergnügen und du bleibst jederzeit flexibel.
