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07:16 Uhr, 15.10.2026

KOSPI - Nach der Nasdaq-Schwäche: Circuit Breaker in Seoul!

Die Wall Street ist gestern mit deutlichen Verlusten aus dem Handel gegangen, heute folgt der Ausverkauf in Seoul. Der KOSPI bricht zeitweise um 8 % ein, der Handel wird unterbrochen. Warum Korea so viel stärker unter Druck gerät als die Nasdaq.

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Erst der Inflationsschock, dann die Zweifel an der Finanzierung der KI-Infrastruktur: Der Nasdaq 100 verlor gestern 2 %, der Halbleiterindex SOX sogar 4 %. Heute zieht Südkorea nach, und zwar deutlich heftiger. Der KOSPI rutschte im Tagesverlauf um 8 % ab, die Korea Exchange löste den Circuit Breaker aus und setzte den Handel für 20 Minuten aus.

Ein isolierter Korea-Schock ist das nicht. Der koreanische Leitindex wirkt vielmehr wie ein Hebel auf den US-Tech-Ausverkauf: Er ist stark auf zwei Speicherchip-Werte konzentriert, und ausländische Investoren ziehen seit Monaten Kapital ab. Hinzu kommt die wachsende Sorge vor Konkurrenz aus China.

Circuit Breaker in Seoul

Der KOSPI eröffnete am Donnerstag bei 5.673,01 Punkten, ein Minus von 5,59 % gegenüber dem Vortagesschluss von 6.008,81 Punkten. Bereits um 9:07 Uhr Ortszeit griff die erste Notbremse: Der sogenannte Sell-Sidecar stoppte die Programmverkäufe für fünf Minuten. Beim Nebenwerteindex KOSDAQ folgte derselbe Mechanismus um 9:12 Uhr.

Gestoppt war der Abverkauf damit nicht. Der KOSDAQ löste um 12:23 Uhr bei 757,88 Punkten (−8,01 %) den Circuit Breaker aus. Um 12:38 Uhr erwischte es auch den KOSPI: Bei 5.528,05 Punkten (−8,00 %) wurde die erste Stufe aktiviert, der Handel ruhte 20 Minuten. Es war der zehnte Circuit Breaker im KOSPI in diesem Jahr und der 16. überhaupt. In beiden Märkten zugleich hatte es diese Unterbrechung zuletzt am 29. Juli gegeben.


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Im Tief rutschte der Index bis in den Bereich von rund 5.506 bis 5.515 Punkten und damit auf den tiefsten Stand seit Anfang April. Gegenüber dem Niveau von vor einer Woche summiert sich das Minus auf 17 %, gegenüber dem Stand von vor drei Monaten auf 24 %. Zudem war es der siebte Verlusttag in Folge und damit die längste Serie seit September 2024.

Am stärksten traf es die beiden Schwergewichte. So verlor die SK-Hynix-Aktie 11 % auf 1,26 Mio. Won. Der Börsenwert des Speicherchip-Herstellers fiel damit unter die Marke von 1.000 Bio. Won auf. Die Samsung-Electronics-Aktie gab um 10 % auf 208.500 Won nach.

Die Erklärung für den KOSPI-Kursverfall liegt vor allem in der Struktur des koreanischen Marktes. Samsung Electronics und SK Hynix stehen zusammen für mehr als 50 % der Marktkapitalisierung des KOSPI. Wer auf den breiten koreanischen Markt setzt, setzt damit zu einem großen Teil auf zwei Speicherchip-Hersteller. Diese wiederum sind als Lieferanten von HBM- und DRAM-Speicher direkt von den Verlusten im SOX und den Zweifeln an der KI-Finanzierung betroffen.

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Seit Monatsbeginn hat die Samsung-Aktie damit 24 % an Wert verloren, SK Hynix sogar 32 %. Die gesamte Marktkapitalisierung des KOSPI sank unter 4.600 Bio. Won. Seit Anfang Oktober sind damit rund 1.178 Bio. Won an Börsenwert verloren gegangen.

Der zweite Verstärker sind die Kapitalflüsse. Für die Ausländer war heute bereits der achte Tag in Folge mit Nettoverkäufen, kumuliert summieren sich diese auf 16,67 Bio. Won. Seit Jahresbeginn haben sie lrund 200 Bio. Won aus dem Markt abgezogen. Im September entfielen 77 % der Nettoverkäufe von 21,51 Bio. Won allein auf Samsung und SK Hynix.

Im August und September hatten die beiden Konzerne mit Aktienrückkäufen noch gegengehalten. Laut Korea Times fingen die Rückkäufe im Schnitt einen Verkaufsdruck von 1,61 Bio. Won pro Tag auf. Trotz Auslandsverkäufen von 31,7 Bio. Won stieg der KOSPI in dieser Zeit um 3,7 %. Dieser Puffer ist nun weggefallen. Dem Markt fehle neue Nachfrage, die die Verkäufe der Ausländer auffängt, sagt Mirae-Analyst Kim Seok-hwan.

Wann sich das ändern könnte, ist offen. Kim Hak-kyun, Research-Chef bei Shinyoung, sieht eine Wende erst, wenn die langfristigen US-Zinsen fallen. Inha-Professor Lee Min-hwan hält die überproportionalen Verluste in Korea vor allem für psychologisch bedingt: Gerade weil die Erwartungen an die Chipwerte so hoch gewesen seien, habe die Unsicherheit zusätzliche Verkäufe ausgelöst.

Inflationsdaten belasten die Wall Street

Den Ausgangspunkt für die Markunruhe lieferten unter anderem die US-Verbraucherpreise. Im September lag die Inflationsrate bei 3,7 % zum Vorjahr, erwartet waren 3,6 %. Auch die Kernrate fiel mit 2,6 % um 0,1 Prozentpunkte höher aus als prognostiziert. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg daraufhin kurzzeitig auf rund 5,32 bis 5,33 %, ehe sie auf 5,19 % zurückkam.

Damit rückt die US-Notenbank wieder in den Fokus. Die Fed hatte die Zinsen bereits im September angehoben. John Williams, Präsident der New York Fed, hält eine weitere Erhöhung in diesem Jahr für möglich. Laut CME FedWatch-Tool lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober vor den Daten bei rund 23 %. Danach stieg sie deutlich auf rund 50 %.

An der Wall Street ging es entsprechend abwärts. Der Nasdaq 100 schloss 2,0 % im Minus, der Nasdaq Composite 1,9 %. Der S&P 500 verlor 1,1 %. Das war der größte Tagesverlust seit dem 29. Juli und der erste Rückgang um mehr als 1 % seit 53 Sitzungen, die längste derartige Serie seit Januar 2020. Der Dow Jones hielt sich nahezu stabil.

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Der Russell 2000 verlor 1,9 % und notiert nun mehr als 10 % unter seinem Hoch vom August.

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Zweifel an der KI-Finanzierung

Parallel eskalierte gestern die Debatte über die Schuldenfinanzierung der KI-Infrastruktur. Besonders deutlich zeigte sich das bei CoreWeave: Die Aktie brach um 15,5 % ein. Auch Oracle (−8,8 %) und Nebius (−10,1 %) gerieten unter die Räder.

Noch aussagekräftiger ist der Blick auf den Anleihemarkt. Die Renditen der CoreWeave-Anleihen mit Fälligkeit 2031 und 2032 stiegen auf knapp 15 % also auf ein Niveau, wie es für Papiere in finanzieller Schieflage typisch ist. Die 2032er-Anleihe war erst im Juni mit einem Kupon von 9,625 % begeben worden. Die Kreditausfallversicherungen (CDS) preisen eine Ausfallwahrscheinlichkeit von mehr als 50 % innerhalb von fünf Jahren ein.

CoreWeave-CEO Mike Intrator hielt in einem internen Memo dagegen. Laut Bloomberg schrieb er, der Markt verstehe neue Technologieunternehmen zeitweise falsch und handle irrational. Zugleich verwies er auf den Auftragsbestand. Bei Oracle kletterte die Rendite der Anleihe mit Fälligkeit 2032 auf 7,24 %.

Zusätzlichen Gesprächsstoff lieferte das Analystenhaus Gartner. In einer Pressemitteilung warnte es am 14. Oktober, dass bis Ende 2030 mehr als 3,5 Bio. USD an Ausgaben für KI-Infrastruktur von Abschreibungen bedroht sein könnten. Laut Gartner-Analyst Will Sommer wären kumuliert 8,5 Bio. USD Umsatz nötig, um diese Investitionen zu rechtfertigen. Erwartet würden aber nur 3,6 Bio. USD. BlackRock-Chef Larry Fink warnte gegenüber CNBC wiederum, ein Moratorium beim Bau von Rechenzentren würde die USA in eine Rezession stürzen. Mirae-Research-Chefin Park Yeon-ju verweist zudem auf ein langsameres Umsatzwachstum von Anthropic im dritten Quartal.

Barclays stuft Dell und HPE ab

Auch Barclays goss Öl ins Feuer. Die Analysten stuften Dell, HPE und NetApp auf "Equal Weight" ab. Ihre Begründung: Einen echten Wendepunkt bei den KI-Ausgaben der Unternehmen gebe es nicht, die Umsätze seien eher preisgetrieben. Eine Normalisierung der Speicherpreise werde das Infrastrukturgeschäft belasten. Die Dell-Aktie fiel um 11,3 %, HPE um 8,2 %.

Gerade der Hinweis auf die Speicherpreise zielt direkt auf Samsung und SK Hynix. Entsprechend schwach präsentierten sich gestern auch die US-Chipwerte. AMD verlor 6 %, Sandisk 5 %, Intel und Western Digital je 4,5 % sowie Micron 4 %. NVIDIA und Broadcom gaben um je gut 3 % nach.

Der heutige Einbruch ist zudem der vorläufige Höhepunkt einer schwachen Woche. Bereits am Wochenende hatte der chinesische DRAM-Hersteller CXMT angekündigt, noch 2026 DDR5-Servermodule in der dichteren 4F²-Zellarchitektur einzuführen. Samsung plant diesen Schritt laut Bericht erst für 2028.

Es gibt auch Gegenstimmen

Nicht alle Marktbeobachter sehen die Lage so kritisch. Park Yeon-ju hält den Kursrückgang im KOSPI angesichts solider Gewinne der Chiphersteller für übertrieben. Samsung meldete für das dritte Quartal vorläufig einen operativen Gewinn von 107,4 Bio. Won. Auch die Bedrohung durch CXMT halten Phillip Wool von Rayliant und Jordan Klein von Mizuho kurzfristig für überschätzt, da CXMT die Massenfertigung noch nicht unter Beweis gestellt habe. Am optimistischsten zeigt sich Dan Ives von Wedbush: Er sieht den KOSPI binnen sechs bis zwölf Monaten wieder bei 9.000 Punkten.

Die nächsten Prüfsteine

Der erste Test folgt bereits heute. TSMC legt die Zahlen zum dritten Quartal vor, die Telefonkonferenz beginnt um 8:00 Uhr MESZ. Im Fokus stehen vor allem die Prognose für das vierte Quartal und das Investitionsbudget von 60 bis 64 Mrd. USD. In den USA stehen heute zudem die Erzeugerpreise, die wöchentlichen Arbeitslosenanträge und die Einzelhandelsumsätze auf der Agenda.

In der kommenden Woche entscheidet die Bank of Korea über die Leitzinsen. Am 27. und 28. Oktober tagt die Fed, die Zinsentscheidung fällt am 28. Oktober um 14:00 Uhr US-Ostküstenzeit. Ende Oktober folgen die Quartalszahlen der großen US-Techkonzerne. Für Park Yeon-ju sind diese entscheidend für die Frage, ob sich der Nutzen der KI belegen lässt.

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