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15:46 Uhr, 27.02.2026

KONJUNKTUR IM BLICK/Erste Daten für das erste Quartal

Von Hans Bentzien

DOW JONES--Wird das Erste in Deutschland so gut wie das Letzte? Letzten Endes werden wir das erst wissen, wenn alle harten Daten für das erste Quartal veröffentlicht sind. Aber einen ersten Eindruck werden die ersten Daten für Januar vermitteln, die in der ersten März-Woche auf dem Kalender stehen - also Einzelhandelsumsatz, Auftragseingang und Industrieumsatz. Daneben kommen Verbraucherpreise für den Euroraum, ein EZB-Protokoll sowie der US-Arbeitsmarktbericht.

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im vierten Quartal um 0,3 Prozent gestiegen, und für das erste Quartal deutet sich auf Basis der bisher verfügbaren Umfrage- und anderen Daten ein vielleicht noch höheres Wachstum an. Volkswirte der Deutschen Bank tippten nach der jüngsten Veröffentlichung von Ifo-Index und Einkaufsmanagerindizes auf 0,4 Prozent, der Ifocast-Index zeigte kürzlich sogar 1,0 Prozent an.

Deutscher Einzelhandelsumsatz steigt im Januar leicht

Der Privatkonsum ist im ersten Quartal eine wichtige Stütze des Wirtschaftswachstums in Deutschland gewesen. Das ist faktisch nicht weiter erstaunlich, weil die verfügbaren Einkommen deutlich gestiegen sind. Andererseits hat das GfK-Geschäftsklima in letzter Zeit keinen Höhenflug gezeigt, und im Februar ist es sogar wieder gesunken. Analysten warten also gespannt, welchen Wert das Statistische Bundesamt (Destatis) am Montag (8.00 Uhr) für Januar melden wird. Klar ist: Es wird ein sehr vorläufiger sein. Volkswirte erwarten für Januar einen Umsatzzuwachs von 0,1 Prozent. Die Daten kommen am Montag (8.00 Uhr).

Deutscher Auftragseingang sinkt im Januar deutlich

Die deutsche Industrie hat im vierten Quartal positiv überrascht. Die Produktion stieg und trug maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei. Die in der Woche anstehenden Daten aus der Industrie werden nun die ersten "harten" Datenpunkte für 2026 bringen. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte prognostizieren, dass der Auftragseingang gegenüber dem Vormonat um 4,0 Prozent zurückgegangen ist. Zeitgleich kommen die Daten zum Umsatz im verarbeitenden Gewerbe, die Rückschlüsse auf die in der Folgewoche anstehenden Produktionsdaten zulassen werden. Veröffentlicht werden die Daten am Freitag (8.00 Uhr).

Inflation im Euroraum stagniert im Februar

Der Inflationsdruck im Euroraum dürfte im Februar stagniert haben. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte erwarten, dass die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,5 Prozent gestiegen sind und wie im Januar um 1,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats lagen. Die Inflation würde sich damit weiterhin unter dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 Prozent bleiben. Für die Kerninflation werden unverändert 2,2 Prozent prognostiziert. Die Daten kommen am Dienstag (11.00 Uhr).

Protokoll einer weitgehend ereignislosen EZB-Ratssitzung

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte seinen Leitzins Anfang Februar wie erwartet unverändert gelassen und auch sonst nichts geändert: Er will weiter auf Sicht fahren und auf Basis aktueller Daten von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Interessanteste Aussagen einer ansonsten langweiligen Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde waren: Der Rat freut sich über den Rückgang der Kerninflation (hat also offenbar keine Angst vor einer zu niedrigen Inflation) und die EZB hat über den starken Euro diskutiert.

Bisher ist das Ausmaß der Aufwertung aber noch im Basisszenario der EZB abgedeckt. Mal sehen, ob das Protokoll der Beratungen (Donnerstag, 13.30 Uhr) interessantere Details liefern kann. Konjunkturelles Highlight der Woche ist der US-Arbeitsmarktbericht, der ein verlangsamtes Jobwachstum bringen dürfte. Das Protokoll wird am Donnerstag (13.30 Uhr) veröffentlicht.

US-Wirtschaft schafft 60.000 zusätzliche Stellen

Analysten rechnen laut Factset-Konsens damit, dass außerhalb der Landwirtschaft 60.000 zusätzliche Stellen entstanden sind, nachdem es im Januar noch 130.00 gewesen waren. Für die Arbeitslosenquote werden unverändert 4,3 Prozent prognostiziert und für die Stundenlöhne ein monatlicher Zuwachs von 0,3 (0,4) Prozent. Die Daten kommen am Freitag (14.30 Uhr).

Landtagswahl in Baden-Württemberg Stimmungstest für die Koalition

Landtagswahlen in Deutschland sind regelmäßig auch Stimmungstests für die in Berlin regierende Koalition. Das trifft auch auf die am 8. März anstehenden Wahlen in Baden-Württemberg zu. Das Land der Häusle-, Auto- und Maschinenbauer ist von der Strukturkrise der deutschen Industrie besonders stark betroffen. Stärkste Parteien sind laut ZDF-Umfrage (Forschungsgruppe Wahlen) vom Freitag CDU (27 Prozent) und Grüne (25 Prozent), dicht darauf folgt die AfD (19 Prozent).

Die CDU, die seit 2011 in Stuttgart nicht mehr den Ministerpräsidenten stellt, geht mit dem erst 35-jährigen Manuel Hagel ins Rennen. Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nicht wieder an, für die Grünen soll es Cem Özdemir (60) richten. AfD-Spitzenkandidat ist Markus Frohnmaier (35). Eine erste Prognose wird am Sonntag um 18.00 Uhr veröffentlicht.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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