Kevin Warsh als möglicher Fed-Chef: Vom Hardliner der Finanzkrise zur politischen Taube?
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Wer ist Kevin Warsh – und was wäre von ihm als Fed-Präsident zu erwarten?
Kevin Warsh war von 2006 bis 2011 Mitglied des Board of Governors der Federal Reserve und damit mitten in der globalen Finanzkrise an zentralen geldpolitischen Entscheidungen beteiligt. Die inzwischen veröffentlichten FOMC-Protokolle zeigen deutlich, dass Warsh in dieser Phase zu den falkenhaften Stimmen innerhalb der Fed gehörte. Bereits Anfang 2007 äußerte er eine deutlich größere Sorge über Inflationsrisiken als über Wachstum, obwohl sich die wirtschaftlichen Risiken bereits aufbauten. Rückblickend erwiesen sich diese Einschätzungen als klarer Fehlschluss, da Inflation zurückging und die US-Wirtschaft in eine tiefe Rezession rutschte.
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Auch in der Eskalationsphase der Krise 2008 blieb Warsh bemerkenswert zurückhaltend, was aggressive Zinssenkungen anging. Selbst als sich die Finanzmärkte zuspitzten, warnte er davor, die Zinsen zu schnell oder zu stark zu senken, da dies aus seiner Sicht die Glaubwürdigkeit der Fed gefährden könne. Besonders deutlich wurde dies im Dezember 2008, als er sich gegen eine schnelle Bewegung in Richtung Nullzins aussprach – eine Sorge, die sich im Nachhinein als unbegründet herausstellte. Die expansive Geldpolitik der Folgejahre schadete weder der Marktstabilität noch führte sie zu der von ihm befürchteten Inflation.
Auch nach der Krise blieb Warsh skeptisch gegenüber unkonventionellen Maßnahmen. Er kritisierte QE-Programme und warnte vor zu lockerer Geld- und Fiskalpolitik – Argumente, die im gesamten folgenden Jahrzehnt nicht durch die Daten bestätigt wurden. Inflation blieb unter dem Ziel, und erst die Pandemie zeigte, dass frühere geldpolitische Zurückhaltung eher kostspielig als stabilisierend gewesen wäre.
Bemerkenswert ist jedoch Warshs heutige Positionierung. In den letzten Jahren trat er zunehmend als geldpolitische Taube auf, kritisierte zu restriktive Notenbankpolitik und plädierte für größere Flexibilität. Dieser Wandel fällt zeitlich auffällig mit seinen wiederholten Ambitionen auf den Posten des Fed-Präsidenten zusammen, was Beobachter als politisch opportun einstufen.
Sollte Kevin Warsh tatsächlich Fed-Präsident werden, ist daher mit einer stärker politisch geprägten Fed-Kommunikation zu rechnen. Kurzfristig könnte er einen pragmatischeren, marktfreundlicheren Kurs verfolgen, insbesondere wenn politischer Druck zunimmt. Langfristig bleibt jedoch die Frage, ob seine geldpolitische Kehrtwende aus Überzeugung erfolgte – oder aus taktischem Kalkül. Für die Märkte wäre Warsh damit weniger ein berechenbarer Technokrat, sondern ein potenziell volatiler Faktor an der Spitze der Fed.
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