Keine klare Zinsperspektive: Warum die gespaltene Fed Anlegern die Orientierung erschwert
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Die Federal Reserve befindet sich in einem klaren Spannungsfeld: Die Inflation liegt mit 3,4 % (CPI) und einer Kernrate von 2,5 % weiterhin über dem Ziel, während der Arbeitsmarkt erste Schwächesignale sendet. Für die Märkte ist jedoch nicht allein die Datenlage entscheidend, sondern vor allem, dass die Fed daraus unterschiedliche geldpolitische Schlüsse zieht.
Bei ihrer Sitzung am 29. Juli beließ die Fed den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 %, allerdings mit einem auffälligen Ergebnis: 9 zu 3 Stimmen. Die drei Gegenstimmen, Beth Hammack (Cleveland Fed), Neel Kashkari (Minneapolis Fed) und Lorie Logan (Dallas Fed) plädierten dabei für eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte.
Der eigentliche Kern dieser Sitzung liegt in der 9:3-Abstimmung, denn genau sie erklärt die wachsende Unsicherheit an den Märkten. Sie macht deutlich, dass innerhalb der Fed neben dem Zeitpunkt möglicher Zinssenkungen inzwischen auch eine zusätzliche Straffung wieder ernsthaft erwogen wird. Laut Berichten von CNBC war ein solches Abstimmungsergebnis zuletzt im September 2016 zu sehen: Damals wie heute wichen drei Mitglieder mit derselben geldpolitischen Stoßrichtung von der Mehrheitsentscheidung ab.
Die unterschiedlichen Prioritäten innerhalb des FOMC
Besonders aufschlussreich sind hier die Positionen von Beth Hammack, Christopher Waller und Lisa Cook, weil sie drei unterschiedliche geldpolitische Gewichtungen innerhalb der Fed gut abbilden: eine klar straffere Linie, eine stark datenabhängige Zwischenposition und eine vorsichtigere Haltung innerhalb der Mehrheit. Von einem geschlossenen Lager der geldpolitisch Straffen (hawkish) und einem ebenso geschlossenen Lager der geldpolitisch Vorsichtigen (dovish) kann dennoch keine Rede sein. Die Unterschiede verlaufen vor allem entlang der Frage, wie einzelne Mitglieder Inflationsrisiken, Wachstum und Arbeitsmarktentwicklung gegeneinander abwägen.
Beth Hammack vertritt derzeit die deutlich straffere Linie. Aus ihrer Sicht ist die Inflation weiterhin zu hoch, und das aktuelle Zinsniveau wirkt ihr noch nicht restriktiv genug, um den Preisdruck verlässlich in Richtung des 2-%-Ziels zurückzuführen. Sie war eine der drei Gegenstimmen bei der Juli-Sitzung und argumentiert, dass ein früheres Handeln das Risiko begrenzen würde, später stärker eingreifen zu müssen.
Christopher Waller steht stärker für eine datenabhängige Position und stimmte bei der Juli-Sitzung mit der Mehrheit für eine unveränderte Zinsspanne. Seine Einschätzung hängt weniger an einer grundsätzlichen geldpolitischen Grundhaltung als an der Frage, wie sich Kerninflation, Inflationserwartungen und der Arbeitsmarkt entwickeln. Zuletzt hat er betont, dass anhaltend hohe Kerninflation aus seiner Sicht eine baldige Straffung erforderlich machen könnte, während mehrere schwächere Inflationswerte notwendig wären, um wieder mehr Vertrauen in eine Rückkehr zum 2-%-Ziel zu gewinnen.
Lisa Cook steht innerhalb des Ausschusses eher für die vorsichtigere Linie und gehörte bei der Juli-Sitzung ebenfalls zur Mehrheit, die die Zinsspanne unverändert ließ. Sie sieht weiterhin Inflationsrisiken, erkennt derzeit aber keinen zwingenden Anlass für eine sofortige weitere Straffung. Ihr Fokus liegt darauf, ob die bereits restriktive Geldpolitik die Inflation weiter Richtung 2 % drückt, ohne den Arbeitsmarkt unnötig stark zu belasten. Hinzu kommt, dass Cook derzeit auch politisch unter erheblichem Druck steht. Donald Trump versucht weiterhin, sie aus dem Fed-Vorstand zu drängen, offiziell unter Verweis auf nicht bewiesene Vorwürfe des Hypothekenbetrugs. Der Supreme Court hatte seine Absetzungsversuche im Juni zunächst gestoppt und dabei hervorgehoben, dass Fed-Gouverneure nicht nach Belieben des Präsidenten entlassen werden können, sondern nur „aus wichtigem Grund“. Cook selbst bezeichnet die Vorwürfe als Vorwand und bringt sie mit geldpolitischen Differenzen und politischem Druck auf die Unabhängigkeit der Notenbank in Verbindung.
Der eigentliche Konflikt liegt in der Gewichtung der Risiken
Für diese vorsichtigere Sicht sprechen außerdem die jüngsten Daten: Im Juli verlor die US-Wirtschaft unerwartet 23.000 Stellen, zugleich wurden die Beschäftigungszahlen der Vormonate deutlich nach unten revidiert. Daraus lässt sich folgern, dass der Arbeitsmarkt wesentlich fragiler ist als noch vor ein paar Monaten.
Daraus entsteht der eigentliche Konflikt: Nicht die Daten sind umstritten, sondern ihre Interpretation. Die restriktive Seite sieht vor allem das Risiko einer zu hohen und sich verfestigenden Inflation. Die vorsichtigere Seite warnt vor einer unnötig starken Abkühlung der Wirtschaft.
Hinzu kommt die Kommunikation von Fed-Chef Kevin Warsh. Er setzt erkennbar stärker auf Flexibilität als auf eine eng geführte Forward Guidance. Das ist für sich genommen kein Kursproblem, macht in einer Phase interner Meinungsunterschiede aber umso sichtbarer, wie wenig geschlossen die Fed derzeit auftritt.
Gerade deshalb ist das Protokoll am Mittwoch wichtig – allerdings nur in einem begrenzten Sinn. Entscheidend wird sein, ob die drei Gegenstimmen tatsächlich isoliert waren oder ob auch weitere Mitglieder eine Zinserhöhung zumindest ernsthaft erwogen haben.
Parallel dazu bleibt der Druck im längerfristigen Marktsegment hoch: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe liegt bei rund 5,33 % und damit auf dem höchsten Stand seit 2007. Das zeigt, dass Investoren sowohl den Leitzins bewerten als auch Inflationserwartungen, Staatsverschuldung und die geldpolitische Glaubwürdigkeit der Notenbank.
Für Aktien bedeutet das: Kurzfristig können weniger restriktive Signale der Notenbank stützen, langfristig bleiben hohe Renditen jedoch ein Belastungsfaktor – insbesondere für hoch bewertete Wachstumswerte.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Welches Risiko wiegt schwerer – anhaltend hohe Inflation oder ein nachlassender Arbeitsmarkt? Genau an diesem Punkt verläuft die Spaltung im FOMC. Das Protokoll wird sie nicht auflösen, aber es kann zeigen, wie tief sie tatsächlich reicht.

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