Kommentar
16:16 Uhr, 20.01.2026

K-förmiger Aktienmarkt neue Normalität?

Die aktuelle Lage der US-Wirtschaft wird gerne als K-förmig beschrieben. Einem Teil der Gesellschaft geht es gut, einem Teil immer schlechter. Das gilt auch für den Aktienmarkt.

Geht es um die Wirtschaft, lassen sich die USA grob in zwei Kategorien einteilen. Es gibt jene Haushalte, denen es gut geht. Sie haben solide Einkommen, Jobsicherheit, hohe Vermögenswerte und können höhere Preise verkraften. Die Top 10 % der Gesellschaft tragen inzwischen 50 % des Konsums. Noch vor einigen Jahren lag der Anteil bei weniger als 40 %. Eine Spaltung in Arm und Reich wird immer ausgeprägter.

Am Aktienmarkt gibt es diese Spaltung ebenfalls. Der Anteil von Unternehmen mit höheren Gewinnmargen erobert Marktanteile. Sie machen zwei Drittel des Aktienmarktes aus. Weniger profitable Unternehmen machen nur noch 10 % aus. Vor wenigen Jahren, 2018, lag der Anteil noch knapp doppelt so hoch. Unternehmen mit hohen Margen hatten einen Anteil von 40 %.

Es ist eine Art, einen Winner-take-all-Markt zu beschreiben. Wenige hochprofitable Unternehmen bestimmen den Aktienmarkt zunehmend. Was dahintersteckt, ist uns allen klar. Der Technologiesektor wächst schnell und die Margen von Microsoft und NVIDIA sind sensationell. Das unterscheidet den heutigen Markt und Investitionsboom von dem der 90er-Jahre.

Im Gegensatz zu den 90er-Jahren, wo besonders vieles Hype war, zeigt sich die K-förmige Spreizung auch sehr deutlich bei den Investitionen. Importe von Investitionsgütern, die dem KI-Boom zuzuordnen sind, wachsen immer schneller. Alle anderen Investitionsgüter haben das Nachsehen. Hier gehen die Importe sogar leicht zurück.

Der Technologiesektor stemmt inzwischen fast 50 % aller Investitionen der S&P-500-Unternehmen. Rohstoffunternehmen, die historisch immer hohe Investitionsquoten hatten, liegen mit einem Anteil von einem Achtel weit dahinter. So deutlich war die Spreizung nicht einmal während der Dotcom-Blase.

Der Boom ist nicht nur real, er dauert auch an. Deswegen sind Unternehmen wie NVIDIA oder Palantir nicht unbedingt fair bewertet. Die wirklich große Blase findet aber nicht an der Börse statt, sondern im Private Equity Markt. Es ist unwahrscheinlich, dass jedes KI-Startup bei seiner zweiten Finanzierungsrunde gleich einen zweistelligen Milliardenbetrag wert ist.

Für Anleger ist die Frage bedeutend, ob das nun ewig so weitergeht. Investitionszyklen wurden mit KI nicht abgeschafft. Es ist normal, dass einmal ein Sektor boomt und andere nicht. Persönlich gehe ich davon aus, dass weiterhin viel investiert wird und 2026 das Hoch der Divergenz erreicht wird. Das gilt sowohl für die Investitionen als auch für die Bewertung und Kurse. Viele Technologieunternehmen müssen in ihre Bewertung hereinwachsen. Die meiste Performance ist in anderen Segmenten zu finden. Das Ende des K-förmigen Aktienmarktes dürfte bereits begonnen haben.

Keine Kommentare

Du willst kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 Plus-Beiträge: stock3 Plus-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen