Kommentar
08:30 Uhr, 07.05.2026

Hoffnung auf Einigung beflügelt Märkte

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V wie Verhandlungslösung

Die gestrige Nachrichtenlage stand einmal mehr ganz im Zeichen der Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im nunmehr fast zehnwöchigen Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Washington hat ein Memorandum of Understanding vorgelegt, das eine schrittweise Wiederöffnung der strategisch kritischen Straße von Hormus sowie das Ende der Hafenblockaden vorsieht. Zudem habe der Iran laut Trump in Gesprächen dem Verzicht auf Atomwaffen zugestimmt. Eine offizielle Antwort des Iran auf den Vorschlag steht jedoch noch aus und soll Berichten zufolge in den nächsten zwei Tagen folgen. Die Märkte reagierten prompt auf die neuen Deeskalationssignale: Die Brent-Futures gaben bis Handelsschluss um satte 7,4 % auf 101,7 USD nach, während S&P 500 und Nasdaq mit einem Plus von 1,5 % bzw. 2,0 % neue Höchststände erklommen. Auch Europas Aktienmärkte stimmten in den Chor der Euphorie ein. DAX und Euro Stoxx 50 gingen beide mit deutlichen Zuwächsen von 2,1 % bzw. 2,7 % aus dem Handel. Asiens Börsen marschieren heute Morgen ebenfalls weiter nach oben. Die Leitindizes in Taiwan und Korea waren zuletzt 1,9 % bzw. 0,5 % im Plus, während der technologielastige Hang Seng in Hong Kong knapp 1,6 % stieg. Japans Leitindex Nikkei verbuchte sogar einen Anstieg um fast 5,8 %.

Ganz ohne Schäden geht es nicht

Sollte es tatsächlich in den nächsten den Tagen zu einer Öffnung der Straße kommen, dürfte der Weltwirtschaft das Schlimmste erspart bleiben. In einigen Bereichen werden die entstandenen Schäden aber noch einige Zeit nachhallen. So sei daran erinnert, dass die Reparatur wesentlicher Einheiten der katarischen LNG-Anlage Ras Laffan, die vor dem Krieg für rund ein Fünftel der globalen Flüssiggasexporte verantwortlich war, laut Betreiberfirma bis zu fünf Jahre dauern könnte. Damit fallen kurzfristig rund 17 % der Exportkapazitäten der Anlage aus. Ebenso dürften Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Agrarrohstoffen angesichts stark gestiegener Energie- und Düngemittelpreise kaum mehr zu vermeiden sein. Und auch die Luftfahrt hat sich wohl zumindest ein blaues Auge eingefangen. So zeigen gestern veröffentlichte Daten des US-Verkehrsministeriums für den Monat März, dass US-Airlines bereits im ersten Monat des Krieges mit 5,06 Mrd. USD knapp 57 % mehr für Kerosin ausgeben mussten als noch im Februar. Für einige Low-Cost-Carrier führte der enorme Anstieg zu einer massiven Belastung und – wie im Fall der US-Firma Spirit Airlines – direkt in den Konkurs. Da Treibstoff im Schnitt 20 % bis 25 % der operativen Kosten ausmacht, werden trotz Streckenreduktion und Ticketpreiserhöhung die kommenden Quartalsergebnisse wohl deutliche Nachkriegsspuren zeigen.

US-Arbeitsmarkt mit Stabilisierung

Nicht nur aus Nahost gab es gestern hoffnungsvolle Nachrichten. Am Nachmittag legte der Privatanbieter ADP seinen Bericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt vor. Demnach wurden im April 109.000 neue Stellen im Privatsektor geschaffen, was den kräftigsten Zuwachs seit über einem Jahr markiert. Einen deutlichen Stellenzuwachs gab es dabei im Gesundheits- und Bildungssektor, dem Transportbereich sowie in der Bauwirtschaft. Sollte der offizielle Arbeitsmarktbericht am Freitag diesen positiven Trend bestätigen, dürften die US-Notenbanker mehrheitlich keine Eile sehen, die Zinsen zeitnah zu senken – zumal die Risiken weiterhin eher auf der Inflationsseite zu suchen sind. Aus deutscher Sicht werden heute die Daten zu den Auftragseingängen der Industrie im März im Fokus stehen. Dabei dürfte sich die Lage angesichts des Irankriegs wohl etwas eingetrübt haben. Wir erwarten einen Rückgang auf Monatssicht um 1,5 %. Zudem werden sich heute wieder einige Notenbanker zur aktuellen Lage zu Wort melden, darunter unter anderen das EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel.

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