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15:18 Uhr, 28.08.2026

Gap erhöht Gewinnziel, Old Navy bekommt neuen Chef

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Gap hat nach dem zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie angehoben. Der Bekleidungskonzern verdiente bereinigt 0,52 US-Dollar je Aktie und lag damit über den erwarteten 0,48 US-Dollar. Beim Umsatz fiel der Vorsprung deutlich kleiner aus: 3,70 Milliarden US-Dollar lagen knapp über der Markterwartung von 3,69 Milliarden US-Dollar, aber 2,0 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Für Anleger steht damit ein gemischtes Bild: Die Gewinnziele steigen, während Gap beim Umsatz vorsichtiger wird. Gleichzeitig bereitet der Konzern einen Wechsel an der Spitze von Old Navy vor. Die Marke ist der größte Geschäftsbereich von Gap und soll wieder stärker wachsen.

Gewinnprognose steigt, Umsatzkorridor wird enger

Gap erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 2,35 und 2,45 US-Dollar. Zuvor hatte die Spanne bei 2,30 bis 2,40 US-Dollar gelegen. Der Konzern traut sich beim Gewinn also etwas mehr zu, obwohl der Umsatzausblick eingegrenzt wurde. Statt eines Wachstums von 1,0 bis 2,0 Prozent rechnet Gap nun mit 1,0 bis 1,5 Prozent.

Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen ein Umsatzplus von 1,5 bis 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr in Aussicht. Als Vergleichsbasis nennt Gap einen Vorjahresumsatz von 3,90 Milliarden US-Dollar. Die bereinigte Bruttomarge soll dabei um 25 bis 75 Basispunkte über dem Vorjahreswert von 42,4 Prozent liegen. Für das Gesamtjahr plant der Konzern weiterhin nur eine leichte Verbesserung der bereinigten Bruttomarge.

Auch beim operativen Ergebnis wurde der Ausblick etwas angehoben. Gap erwartet nun eine operative Marge von 7,4 bis 7,6 Prozent, nach zuvor 7,3 bis 7,5 Prozent. Das spricht für Fortschritte bei Kosten und Warenmargen, ist aber noch kein Beleg für einen deutlichen Nachfrageschub bei den Marken des Konzerns.

Zollrückerstattungen prägen die ausgewiesene Marge

Der ausgewiesene Quartalsgewinn fiel deutlich höher aus als ein Jahr zuvor. Das GAAP-Nettoergebnis stieg auf 501 Millionen US-Dollar, nach 206 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Bereinigt lag der Nettogewinn bei 190 Millionen US-Dollar. Der Unterschied ist wichtig, weil ein großer Teil der Verbesserung auf die bilanzielle Behandlung erwarteter Rückerstattungen von IEEPA-Zöllen zurückgeht.

Die berichtete Bruttomarge kletterte auf 52,8 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg von 11,6 Prozentpunkten. Nach Angaben des Unternehmens entfielen 11,4 Prozentpunkte davon auf den erwarteten Nettoeffekt der Zollrückerstattungen. Ohne diesen Effekt lag die Bruttomarge bei 41,4 Prozent und damit lediglich 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Gap nahm im Quartal eine Anpassung der Herstellungskosten um 417 Millionen US-Dollar vor. Bislang flossen 95 Millionen US-Dollar an Erstattungen sowie 5 Millionen US-Dollar an Zinserträgen zu. Weitere Erstattungen und Zinsen erwartet das Unternehmen im dritten Quartal. Für die eigene bereinigte Prognose klammert Gap diese Effekte aus.

Warum die bereinigte Marge wichtiger ist

Die ausgewiesene Bruttomarge enthält einen großen Sondereffekt aus Zollrückerstattungen. Die bereinigte Marge zeigt eher, wie sich Einkauf, Preise und Rabatte im laufenden Geschäft entwickelt haben.

Nach einer Anpassung der Zollannahmen im Juli rechnet Gap vom 24. Juli bis Ende August mit einem zusätzlichen Zollsatz von rund 10 Prozent. Zuvor war ein Satz im hohen einstelligen Prozentbereich angenommen worden. Daraus erwartet der Konzern eine Entlastung von rund 15 Millionen US-Dollar beim Brutto- und Betriebsergebnis im Gesamtjahr. Der Effekt dürfte vor allem im vierten Quartal sichtbar werden.

Michael Francis soll Old Navy ab November führen

Am 2. November 2026 soll Michael Francis President und CEO von Old Navy werden. Er folgt auf Haio Barbeito, der nach dem Wechsel beratend tätig sein soll. Francis kam im März 2026 zu Gap und verantwortete zuletzt bei Old Navy die Kunden- und Marketingaktivitäten als Chief Customer Officer sowie die Marketing Shared Services.

Der Personalwechsel betrifft den wichtigsten Teil des Konzerns. Old Navy ist Gaps größte Marke und ein zentraler Umsatzträger. Nach einer schwächeren Sommerentwicklung setzt das Unternehmen darauf, Kundenfrequenz, Sortiment und Umsatzentwicklung wieder zu verbessern. Ob das gelingt, wird sich nicht allein an der neuen Führung messen lassen. Entscheidend sind auch Warenangebot, Preisgestaltung und die Nachfrage im wichtigen Herbst- und Weihnachtsgeschäft.

JPMorgan hob das Kursziel für Gap von 27 auf 29 US-Dollar an, beließ die Einstufung aber bei Neutral. Die Bank würdigt damit offenbar die angehobene Gewinnprognose, bleibt beim Wachstum aber zurückhaltend. Die Gap-Aktie notierte im europäischen Handel laut Lang & Schwarz bei 20,81 Euro, ein Plus von 2,16 Prozent zum Stand vom 28. August 2026 um 15:14 Uhr MEZ.

Für die kommenden Quartale kommt es vor allem darauf an, ob Gap die Margen auch ohne größere Einmaleffekte verbessern kann und ob Old Navy wieder verlässlicher wächst. Die höhere Gewinnprognose ist ein positives Signal. Der engere Umsatzausblick zeigt jedoch, dass der Konzern bei der Nachfrage weiter vorsichtig bleibt.