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13:57 Uhr, 10.03.2026

EZB-Ratsmitglieder plädieren für zunächst abwartende Haltung

DOW JONES--Mitglieder des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) plädieren angesichts der deutlich veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dafür, dass sich die EZB ausreichend Zeit für die Analyse lässt. "Es ist ... von entscheidender Bedeutung, nicht überstürzt zu handeln, sondern wohlüberlegt vorzugehen und das Szenario gründlich abzuwägen, während man gleichzeitig abwartet, wie sich die Situation entwickelt", sagte der österreichische Notenbankchef Martin Kocher in Wien, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Gediminas Simkus, Gouverneur der litauischen Zentralbank, sagte, die EZB solle ihre Politik angesichts der außergewöhnlichen Volatilität nicht bei jeder Marktbewegung neu bewerten, sondern Ruhe bewahren und bei ihrer nächsten Sitzung am 19. März Bilanz ziehen. "Wenn man am Morgen anfängt, über Geldpolitik nachzudenken, kommt man am Abend vielleicht zu ganz anderen Überlegungen", sagte Simkus unter Verweis auf die starken Schwankungen des Ölpreises.

Der Rat werde in der nächsten Woche diskutieren und versuchen, alle möglichen Auswirkungen der Ereignisse im Iran auf die europäische Wirtschaft zu bewerten. "Aber ich würde sagen, dass wir im Moment auf unserem Kurs bleiben sollten', sagte Simkus in Vilnius.

Auf derselben Veranstaltung plädierte auch Madis Muller, der estnische Notenbankchef, für eine maßvolle Reaktion und sagte, die EZB müsse abwägen, ob der Energiepreisschock vorübergehend sei oder eine längerfristige Verschiebung darstelle. "Auch wenn wir keine überstürzten Entscheidungen treffen sollten, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass die nächste Änderung der Leitzinsen eher in Richtung einer Erhöhung als in die entgegengesetzte Richtung geht, in den letzten Wochen wohl gestiegen", sagte Muller in einer Podiumsdiskussion.

"Wir sollten zunächst abwarten, ob sich der Anstieg der Energiepreise, den wir derzeit erleben, als vorübergehend erweist oder nicht, wie es beim letzten Mal der Fall war", fügte er hinzu.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

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