Expertenkommentar

Diesen Rekord kann Trump keiner mehr nehmen

Donald Trump kann sich schon einmal feiern, denn er wird einen außergewöhnlichen Rekord für sich beanspruchen können.

Es ist zwar nicht so, dass sich Trump nicht auch gerne einmal selbst feiern würde und es entsprechend keine weitere Würdigung braucht, doch hier mache ich einmal eine Ausnahme. Unter seiner Präsidentschaft wird aller Voraussicht nach ein Rekord aufgestellt.

Der Aufschwung, der bereits seit 2009 anhält, geht gerade in sein fünfunddreißigstes Quartal. Damit ist die Expansionsphase genauso lang wie die bisher zweitlängste, die im Jahr 1961 begann (Grafik 1). Dass die US-Wirtschaft ohne Rezession auch noch ein weiteres Quartal schafft, ist praktisch gesetzt.

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Trump kann damit also zumindest schon einmal behaupten, dass er für den zweitlängsten Aufschwung der Nachkriegsgeschichte verantwortlich ist. Man kann sogar noch weiter gehen und behaupten, dass es der zweitlängste Aufschwung in der Geschichte der USA sein wird. Vor dem Zweiten Weltkrieg tendierten Aufschwung und Rezession dazu, sich in sehr viel kürzeren Abständen abzuwechseln als heute.

Damit Trump auch den längsten Aufschwung des Universums für sich beanspruchen kann, muss die Wirtschaft noch mindestens sechs Quartale durchhalten. Auch das scheint nicht vollkommen unmöglich. Ende letzten Jahres wurden die Steuern gesenkt. Es profitieren zwar vor allem Unternehmen und Reiche davon, doch es wird auch insgesamt für Rückenwind sorgen.

Als wären niedrigere Steuern nicht schon Rückenwind genug, sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre die Ausgaben des Staates kräftig steigen. Es ist derzeit von 300 Mrd. USD die Rede. Hinzu könnten noch Extrainvestitionen in die Infrastruktur kommen. Zum Vergleich: das Konjunkturprogramm zur Bekämpfung der Finanzkrise hatte ein Volumen von knapp 600 Mrd. USD.

Es sollen nun also in Hochkonjunkturzeiten über 300 Mrd. USD mehr ausgegeben werden. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Mehrausgaben und Steuereffekte dürften das Wachstum in diesem Jahr um ca. 1 % anschieben. Im kommenden Jahr werden es noch ca. 0,5 % sein. Ab 2020 ist kein positiver Effekt mehr zu erwarten (Grafik 2).

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Bei Geldschleusen, die so weit offen sind, dass es schon wehtut, müsste es schon ganz dumm laufen, damit es zu einer Rezession kommt. Eine Rezession ist nicht unvorstellbar. Es braucht allerdings schon recht viel, um das Wachstum in den USA abzuwürgen.

Der Rückenwind wird bis Ende 2019 anhalten. Reicht dieser aus, um die USA vor einer Rezession zu bewahren, hat es Trump geschafft und kann den längsten Aufschwung der US-Geschichte für sich beanspruchen.

Bei vergleichsweise niedriger Arbeitslosigkeit sorgen die Mehrausgaben möglicherweise für eine Überhitzung der Wirtschaft. Der zwangsweise folgende Abschwung wird dann umso härter. Bis dahin sollten Anleger aber noch Freude mit Aktien haben. Trump macht dem Markt ein Geschenk. Es ist zwar ein überflüssiges Geschenk, aber wer will das schon ernsthaft ablehnen?

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12 / 12 Kommentare

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  • Chamäleon
    Chamäleon

    also den einzigen Rekord welchen ich bei Trump evtl. erkennen könnte, ist der am meisten

    twitternde Präsident mit den meisten - gefühlt hunderte - wechselnden/flüchtenden Amtsinhabern

    seiner Regierungsbande, im Ersten Amtsjahr......😎

    11:16 Uhr, 08.03.2018
  • Zukunft21
    Zukunft21

    um so größer wird das Wundenlecken hinterher undd er Absturz wird um so größer sein !!

    15:34 Uhr, 06.03.2018
  • Löwe30
    Löwe30

    Da die Steuersenkungen nicht mit einer Reduzierung der Staatsausgaben gegenfinanziert sind, sondern die Ausgaben des Staats von Trump noch erhöht werden, wird die Verschuldung des Staates auf ungeahnte Höher steigen. Die FED wird in absehbarer Zeit eine weiteres QE auflegen müssen, da es sonst nicht genügend Abnehmer für die Staatsanleihen gibt.

    Was Trump betreibt ist also nichts weiter als eine bereits bis zum Bersten aufgeblasene Blase an den Finanzmärkten weiter aufzublasen. Das Platzen der Blase wird um so verheerender Folgen haben, je länger sie weiter aufgeblasen wird. Man denke mal an 1929.

    10:56 Uhr, 06.03.2018
  • Peter Zumdeick
    Peter Zumdeick

    Auch wenn es bisher nicht der längste Aufschwung ist, so ist es doch zumindest der großartigste ... ;-)

    07:29 Uhr, 06.03.2018
  • Jörg Eberlein
    Jörg Eberlein

    Was hat der Trump denn mit der laxen Zinspolitik zu tuen? Nix. Also hat er auch mit dem Aufschwung rein gar nix zu tuen. Er macht den eher kaputt.

    23:33 Uhr, 05.03.2018
    1 Antwort anzeigen
  • nodey88
    nodey88

    Zu behaupten, mit einer ein- oder dann zweijährigen Amtszeit für einen zehnjährigen Aufschwung verantwortlich zu sein, das traue ich noch nicht einmal Trump zu. Aber man wird ja immer wieder überrascht ...

    20:35 Uhr, 05.03.2018
  • Zensiert
    Zensiert

    die Finanz- und Politelite lebt eindeutig in einer Parallelwelt, eine einseitige Sichtweise des Autors.

    Deshalb sind solche Beiträge nur Halbwahrheiten.

    Ein angeblicher Aufschwung ist nur bei Vermögenswerten zu erkennen, man kann als Indikator das abstürzen der SPD als bestes Beispiel sehen das Arbeit sich nicht mehr lohnt der kleine Mann steht am Pranger.

    Die Existenz der vielen Tafeln ist ein weitere Beleg gegen Ihren angeblichen Aufschwung Hr. Schmale

    20:07 Uhr, 05.03.2018
    1 Antwort anzeigen
  • 1 Antwort anzeigen

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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