Deutsche Bank warnt: Inflation kann nach hinten losgehen
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Anleger setzen darauf, dass die Wirtschaft robust bleibt, der Inflationsdruck verschwindet, US-Notenbank und EZB die Zinsen nur moderat anheben und Aktien trotzdem weiterlaufen. Laut Deutscher Bank passen diese 4 Annahmen immer schlechter zusammen.
Vor allem die Inflation macht Ärger. Brent steht bei rund 96 USD, etwa 36% höher als vor dem Iran Konflikt. Europäisches Erdgas ist auf den höchsten Stand seit Anfang 2023 gestiegen. Gleichzeitig schossen im August wichtige Agrarrohstoffe nach oben: Zucker +21,5 %, Weizen +18,3 %, Mais +16,8 %. Solche Bewegungen landen nicht sofort vollständig beim Verbraucher, erhöhen aber den Preisdruck in der Pipeline.
Der Markt könnte die US-Notenbank unter Kevin Warsh unterschätzen. Die Preise, die US-Dienstleistungsunternehmen für ihre Vorleistungen zahlen, bewegen sich laut Deutscher Bank auf einem Niveau, das historisch eher zu rund 5% Inflation passen würde. Bei etwa 3% Ausgangsinflation folgten in vergangenen Straffungszyklen im ersten Jahr durchschnittlich mehr als 100 Basispunkte Zinserhöhungen. Der Markt kalkuliert derzeit mit deutlich weniger.
In Europa sieht es ähnlich aus. Gaspreise und Inflationserwartungen sind deutlich gestiegen, das Wachstum überrascht gleichzeitig positiv. Trotzdem hat sich die Erwartung zusätzlicher EZB-Zinserhöhungen kaum verändert. Anleger rechnen also mit mehr Inflation, aber kaum mit einer aggressiveren EZB. Das kann funktionieren, nur sollte man sich bewusst sein, welche Wette man damit eingeht.
Obwohl Brent aktuell um 96 USD kostet, liegt der Future für 6 Monate später nur bei rund 83 USD. Der Markt setzt damit auf eine deutliche Entspannung und letztlich auf eine Normalisierung rund um die Straße von Hormus. Bleibt Öl teuer, fällt ein wichtiger Baustein des derzeitigen Inflationsoptimismus weg.
Am erstaunlichsten findet die Deutsche Bank jedoch die Gelassenheit am Aktienmarkt. Die realen US-Renditen sind seit April gestiegen, der S&P500 ebenfalls. Normalerweise sind höhere Realzinsen Gift für hohe Bewertungen, bislang hat das überraschend starke Wachstum diesen Effekt überdeckt. Das könne noch eine Weile gutgehen. Nur steige mit jedem weiteren Inflationssignal das Risiko, dass die Notenbanken stärker bremsen müssen und damit irgendwann auch das Wachstum treffen.
Dazu kommt ein Unterschied zu früheren Krisen, die beiden großen Notenbanken können einen schwächeren Aktienmarkt nicht ohne Weiteres mit Zinssenkungen retten, solange die Inflation zu hoch ist. Auch die Staaten haben angesichts hoher Schulden und Anleiherenditen weniger Spielraum für riesige Konjunkturpakete.
Klare Ansage der Deutschen Bank: Entweder Inflation und Energiepreise kommen deutlich zurück, oder die Zinserwartungen müssen nach oben, oder Risikoassets müssen nach unten. Genau darin besteht die aktuelle Marktverwerfung. Aktien preisen noch erstaunlich viel heile Welt ein, während Energie, Inflationserwartungen und Realzinsen längst eine deutlich ungemütlichere Geschichte erzählen.
Meine Stimme aus dem Off: Ob diese Gemengelage die Saisonalität und Zyklik aussticht ? Ich denke nicht.
Hochinteressante Informationen über die Stock3 AG könnt Ihr jederzeit hier einsehen: https://inside.stock3.com/ir/
Finance26: Triff die stock3-Experten live vor Ort
Am 25. - 26. September findet die Finance in Frankfurt statt & stock3 ist mit dabei. Wir laden Dich ein, uns & unsere Experten näher kennenzulernen. Mit dabei sind u.a. Bastian Galuschka, Rene Berteit, Valentin Schelbert u.v.m.


Ich denke, dassdie Zinserhöhungsideen sind ziemlich absurd. Wenn Inflation sich aus erhöhter Nachfrage,aus erhöhtem Konsum ergibt, dann machen Zinserhöhungen zur Eindämmung
dieser NachfrageSinn. Aber eine Angebotsknappheit bleibt eine Angebotsknappheit, völlig unabhängigvon den Zinsen. Und die aus dieser Knappheit resultierenden Preissteigerungen
dämpfen dieNachfrage um so mehr, je länger die Knappheit anhält. Die steigende oder zumindestanhaltende Inflation „frisst“ etwaige Lohnsteigerungen, auch dass dämpft die Nachfrage.Was also sollen Zinsanhebungen der Notenbanken bewirken? Die Wirtschaft oder nochvorhandenes Wirtschaftswachstum reduzieren? Die Zinslasten für Unternehmen und Staatshaushalte( private auch, aber um die geht es ja gar nicht ) weiter ansteigen lassen? Daraus resultierend Investitionen reduzieren?