Kommentar
12:12 Uhr, 06.12.2023

Der Bullenmarkt hält, was die Theorie verspricht

Bereits im Juni begann ein neuer Bullenmarkt. Die Performance nach Beginn eines solchen Bullenmarktes ist positiv. Bisher ist genau das der Fall. Bleibt es so?

Der Bullenmarkt, der in den USA im Juni begann, hält bisher genau das, was er verspricht. Man kann die Performance seither fast als Punktlandung bezeichnen. Der neue Bullenmarkt begann, als der S&P 500 knapp 4.300 Punkte erreichte und damit im Vergleich zum Tief 2022 20 % zulegte.

Nach einem Anstieg von 20 % nach einem Bärenmarkttief (Markt ist zuvor mindestens 20 % gefallen) ist die zukünftige Performance positiv. Auf Sicht von drei Monaten legt der Markt im Durchschnitt weitere 3,8 % zu und nach sechs Monaten 7 %. Nach drei Monaten lag der S&P 500 mit 3,7 % im Plus. Jetzt, fast ein halbes Jahr nach dem Beginn des Bullenmarktes, sind es 6,9%. Das ist praktisch eine Punktlandung.

Ob es in Zukunft so weitergeht, bleibt abzuwarten. Die Aussichten sind jedenfalls positiv. Ein Jahr nach Bullenmarktbeginn sollte der Markt zwischen 9 und 12 % höher stehen, zwei Jahre danach zwischen 13 % und 22 %. Die Bandbreite kommt aus dem betrachteten Zeitraum. Den unteren Wert erhält man, wenn man die Zeit seit 1915 betrachtet, den oberen bei einem Zeitraum ab 1950 (Grafik 1). Letzterem ist mehr zu trauen. Umfeld und Geldpolitik sind vor dem Zweiten Weltkrieg nur bedingt mit der Zeit danach zu vergleichen.Der-Bullenmarkt-hält-was-die-Theorie-verspricht-Kommentar-Clemens-Schmale-stock3.com-1

Die Trefferquote für Kursgewinne ist sehr hoch, vor allem auf Sicht von 24 Monaten (Grafik 2). Eine Garantie für weitere Zugewinne gibt es nicht. Die Streuung ist sehr groß. Im schlechtesten Fall stehen Aktien zwei Jahre nach Beginn des Bullenmarktes über 30 % tiefer.

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Danach sieht es derzeit nicht aus. Es ist selten, dass der Markt nach den ersten sechs positiven Monaten in der Folge wieder nach unten dreht. Will man eruieren, in welchen Fällen der Markt nach unten dreht, ergibt sich kein klares Bild. Grafik 3 zeigt dazu die Kaufzeiträume, die 18 Monate später mit einem Verlust endeten. Grafik 4 zeigt, in welchen Kaufzeiträumen der Markt 24 Monate später tiefer stand. Wer vor zwei Jahren kurz vor dem Bullenmarkthoch kaufte, hat heute noch Verluste zu verzeichnen.

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Je länger die Haltedauer, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts. Das gilt auch unabhängig vom Beginn eines neuen Bullenmarktes. Kommt es dennoch nach 18 oder 24 Monaten zu Verlusten, sucht man vergeblich nach Gemeinsamkeiten. Grafik 3 und 4 zeigen auch US-Rezessionen. Diese stehen in keinem direkten Zusammenhang zur Performance.

Man kann auch nach der Zinsentwicklung oder Bewertung des Marktes gehen. Beide liefern keine Erklärung. Anlegern bleibt nur, sich auf die Statistik zu berufen und zu hoffen, dass es sich diesmal nicht um eine Ausnahme handelt. Bei einer Trefferquote von fast 90 % bei 24 Monaten Haltedauer, stehen die Chancen auf Kursgewinne gut. In den kommenden sechs Monaten wären der Theorie nach weitere 5 % Rendite zu erwarten. Geradlinig wird die Entwicklung nicht. Vor allem nach der Rally der letzten Wochen ist eine Verschnaufpause zu erwarten.

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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