Analyse
09:30 Uhr, 24.06.2026

COUCHE-TARD - Compounder-Aktie bricht auf neues Allzeithoch aus

Alimentation Couche-Tard lebt von einem einfachen, aber skalierbaren Modell: Der kanadische Konzern betreibt weltweit Tankstellen und Convenience-Stores, verkauft Kraftstoff, Snacks, Getränke, Tabakwaren, frische Lebensmittel und zunehmend auch Ladedienstleistungen für Elektroautos.

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  • Alimentation Couche-Tard - WKN: A3DSL8 - ISIN: CA01626P1484 - Kurs: 56,820 € (L&S)

Wachstum entsteht auf drei Wegen: durch den Bau neuer Standorte, durch höhere Umsätze in bestehenden Filialen und durch Übernahmen. Genau diese Mischung hat Couche-Tard zu einem der größten Betreiber von Tankstellen- und Shopnetzen weltweit gemacht. Marken wie Circle K stehen dabei nicht nur für Benzin und Diesel, sondern immer stärker für Essen, Getränke, Kundenprogramme und digitale Angebote.

Das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 zeigt, wie weit dieser Umbau inzwischen fortgeschritten ist. Couche-Tard profitiert zwar weiterhin massiv von seinem klassischen Kraftstoffgeschäft. Doch die eigentliche Geschichte liegt woanders: Der Konzern versucht, aus jedem Tankstopp einen zusätzlichen Einkauf im Laden zu machen. Wer zum Tanken kommt, soll Kaffee, Energy-Drinks, ein schnelles Mittagessen oder ein Angebot aus dem Loyalty-Programm mitnehmen. Das klingt banal, ist aber in einem Netz mit Tausenden Standorten ein hochprofitabler Hebel.

Die Zahlen unterstreichen die operative Stärke. Im vierten Quartal stieg der Umsatz um knapp 20 % gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 863 Mio. USD oder 0,94 USD je Aktie. Darin enthalten war allerdings ein einmaliger Nettogewinn von rund 260 Mio. USD aus der Beilegung langjähriger Rechtsstreitigkeiten. Bereinigt verdiente Couche-Tard 667 Mio. USD oder 0,73 USD je Aktie, ein Plus von 58,7 %. Im Gesamtjahr erreichte der Nettogewinn 3,1 Mrd. USD, 21,8 % mehr als im Vorjahr. Der bereinigte Jahresgewinn stieg um 12,1 % auf 2,9 Mrd. USD.

Ich hatte die Couche-Tard-Aktie bereits im November für Plus-Leser vorgestellt. Das zahlt sich jetzt aus.

Wachstum kommt aus dem Netz, Sortiment und Zukäufen

Couche-Tard ist kein Konzern, der auf einen einzelnen Trend setzt. Das Unternehmen wächst, indem es sein bestehendes Netz produktiver macht, neue Filialen baut und gezielt Wettbewerber übernimmt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 37 neue Stores errichtet und 13 bestehende Standorte verlagert oder neu gebaut. Insgesamt schloss der Konzern 130 Projekte ab, weitere 34 Filialen befinden sich im Bau. Bis 2030 will Couche-Tard 750 neue Stores eröffnen.


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Hinzu kommt die Akquisitionsstrategie, die seit Jahren Teil der DNA des Unternehmens ist. Couche-Tard kauft regionale Tankstellen- und Convenience-Netze, integriert sie in die eigene Organisation und versucht anschließend, Einkauf, Logistik, Preissteuerung, Sortiment und Markenauftritt zu verbessern. Die Übernahme von TotalEnergies-Standorten in Mitteleuropa ist ein Beispiel dafür. Zwei Jahre nach Beginn der Integration liegt die jährliche Synergierate bereits bei mehr als 60 Mio. EUR. Bis zum Geschäftsjahr 2027 sollen 120 Mio. EUR erreicht werden, bis 2029 dann 170 Mio. EUR.

Das Management betont allerdings, dass die aktuelle Wachstumsstrategie nicht allein auf Übernahmen angewiesen ist. Die im Februar vorgestellte Strategie "Core+ More" soll vor allem das bestehende Geschäft stärken. Der Kern bleibt Kraftstoff und Convenience. Das "More" steht für Lebensmittel, Getränke, digitale Kundenbindung, Elektromobilität und bessere Datenanalyse.

Die USA gewinnen wieder an Schwung

Besonders wichtig ist die Entwicklung in den USA, dem größten und wettbewerbsintensivsten Markt des Konzerns. Dort legten die flächenbereinigten Convenience-Umsätze im vierten Quartal um 3,4 % zu. Konzernweit betrug das Plus 2,2 %. Nach Angaben von Vorstandschef Alex Miller war dies in den USA der beste Quartalswert seit drei Jahren.

Der Fortschritt ist breit angelegt. Im Foodservice stiegen die flächenbereinigten Umsätze in den USA um mehr als 5 %, bei frischen Schnellverzehrprodukten sogar um mehr als 10 %. Besonders erfolgreich sind sogenannte Meal Deals, also Bündelangebote aus Essen und Getränken. Zum Quartalsende verkaufte Couche-Tard fast 1 Mio. solcher Angebote pro Woche, inzwischen nähert sich das Volumen laut Management 1,2 Mio. Einheiten.

Auch Getränke entwickeln sich stark. Energy-Drinks wuchsen in den USA flächenbereinigt um mehr als 15 %, verpackte Getränke insgesamt um knapp 6 %. Das zeigt, wie Couche-Tard versucht, das klassische Tankstellensortiment aufzuwerten. Es geht nicht mehr nur um den spontanen Kauf einer Cola oder eines Schokoriegels, sondern um gezielte Sortimentssteuerung, exklusive Produkte, attraktive Preise und digitale Angebote.

Kraftstoff bleibt der große Ergebnistreiber

Trotz aller Fortschritte im Shopgeschäft bleibt Kraftstoff der wichtigste Gewinnanker. Im vierten Quartal erzielte Couche-Tard in den USA eine Bruttomarge von 0,5244 USD je Gallone. In Europa und anderen Regionen lag die Marge bei 0,1344 USD je Liter, in Kanada bei 0,1728 CAD je Liter. Gerade in einem volatilen Marktumfeld kann der Konzern seine Größe ausspielen.

Das Unternehmen hat über Jahre in Beschaffung, Handel, Terminals und Lieferketten investiert. Dadurch verfügt Couche-Tard über mehr Flexibilität als viele kleinere Wettbewerber. Wenn Preise schwanken, Lieferströme sich verschieben oder einzelne Märkte knapp versorgt sind, kann der Konzern schneller reagieren. Miller beschrieb diese Fähigkeit im Investoren-Call als Ergebnis einer mehr als zehnjährigen Investitionsphase in Versorgung und Handelskompetenz.

Die Volumina entwickelten sich dagegen uneinheitlich. In den USA gingen die flächenbereinigten Kraftstoffmengen um 2,1 % zurück, während die insgesamt verkauften Gallonen dank Netzausbau um fast 5 % stiegen. In Europa und anderen Regionen sanken die Mengen um 4,4 %, Kanada legte um 2 % zu. Hohe Kraftstoffpreise belasteten vor allem die Nachfrage an der US-Westküste.

Loyalty soll Tankkunden in Storekunden verwandeln

Ein zentraler Hebel ist die Digitalisierung. Das Kundenprogramm Inner Circle ist in den USA mittlerweile auf mehr als 5.000 Standorte ausgerollt und erreichte im Mai 15 Mio. Mitglieder. Das entspricht einem Wachstum von fast 50 % gegenüber dem Vorjahr. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zahl der Mitglieder, sondern die bessere Steuerung des Kundenverhaltens. Couche-Tard weiß zunehmend genauer, wer tankt, wer in den Shop geht und welche Angebote einen zusätzlichen Kauf auslösen.

Das Management verweist darauf, dass sich die Konversion von der Zapfsäule in den Store vervierfacht habe, wenn auch von einer niedrigen Basis. Noch ist der Effekt nicht groß genug, um allein die Wachstumsstory zu tragen. Aber die Richtung ist klar: Der Konzern will seine enorme Tankstellenfrequenz systematischer monetarisieren.

Auch Elektromobilität wird Teil des Geschäfts. Ende des Quartals betrieb Couche-Tard mehr als 4.000 Circle-K-Ladepunkte und insgesamt mehr als 4.700 Schnellladepunkte. Die Zahl der Ladevorgänge stieg im Quartal auf mehr als 2,2 Mio., im Gesamtjahr auf über 8 Mio. Die verkauften Kilowattstunden legten um fast 60 % zu. Besonders in fortgeschrittenen EV-Märkten wie Norwegen und Schweden sieht sich Couche-Tard gut positioniert.

Finanzchef Filipe Da Silva stellte im Call vor allem die Ergebnisqualität heraus. Das bereinigte EBITDA stieg im vierten Quartal währungsbereinigt um 28,9 %. Im Gesamtjahr betrug das Plus 10,8 %. Die Waren- und Serviceerlöse erhöhten sich im Geschäftsjahr um 1 Mrd. USD oder 5,5 %, der entsprechende Bruttogewinn um rund 412 Mio. USD oder 6,4 %.

In den USA verbesserte sich die Warenmarge um 50 Basispunkte auf 34,4 %. In Europa und anderen Regionen stieg sie im Quartal um 100 Basispunkte auf 39,6 %. Dort helfen ein besserer Produktmix, weniger Abhängigkeit vom Zigarettengeschäft sowie wachsende Beiträge aus Elektroladen und Services. Kanada blieb mit 33,5 % unter Druck, vor allem wegen Wettbewerb und Sortimentsmix.

Bemerkenswert ist die Kostendisziplin. Die normalisierten operativen Aufwendungen stiegen im Quartal nur um 2,6 % und damit weniger als die gewichtete Inflation im Netzwerk. Im Gesamtjahr lag der Anstieg bei 3,1 %. Gleichzeitig investiert Couche-Tard weiter in Lieferketten, Technologie, Datenanalyse und Store-Prozesse. Bis 2030 will der Konzern 850 Mio. USD zusätzliches EBITDA aus Effizienzprogrammen und Skaleneffekten erzielen.

Solide Bilanz, ehrgeizige Ziele

Die Bilanz lässt dem Unternehmen Spielraum. Der Verschuldungsgrad lag zum Ende des Geschäftsjahres bei 1,99. Couche-Tard verfügte über mehr als 3 Mrd. USD liquide Mittel sowie weitere 3,5 Mrd. USD aus einer unbesicherten revolvierenden Kreditlinie. Im Geschäftsjahr wurden rund 1,6 Mrd. USD über Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurückgeführt. Die Quartalsdividende liegt bei 0,215 CAD je Aktie.

Für das Geschäftsjahr 2027 gibt sich das Management zuversichtlich. Die Dynamik aus dem vierten Quartal habe sich zu Beginn des neuen Jahres fortgesetzt. Couche-Tard sieht sich weiter in der Lage, den eigenen Wachstumsalgorithmus zu erfüllen, der unter anderem auf mehr als 10 % organisches Gewinnwachstum je Aktie zielt.

Fazit: Mit dem Ausbruch auf ein neues Allzeithoch in Kanada-Dollar, hat die Couche-Tard-Aktie genau das geliefert, worauf ich frühzeitig im November verwiesen habe. Das Geschäft läuft wieder rund und die Aktie wird begehrter. Grundsätzlich sind Rückschläge jetzt weiter kaufenswert, nach dem jüngsten starken Anstieg würde ich Rücksetzer zwischen 5 bis 10 % einplanen.

Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. USD 76,51 83,34 83,03
Ergebnis je Aktie in USD 3,10 3,27 3,60
KGV 21 20 18
Dividende je Aktie in USD 0,55 0,59 0,67
Dividendenrendite 0,86% 0,92% 1,05%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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