Kommentar
19:00 Uhr, 21.05.2026

CLARITY Act rückt näher – Droht Krypto jetzt mehr Kontrolle?

Die Chancen auf eine Verabschiedung des CLARITY Act noch vor der Sommerpause steigen deutlich. Laut Galaxy-Stratege Alex Thorn könnte die Krypto-Branche für regulatorische Klarheit jedoch einen hohen Preis zahlen.

In Washington hat sich die Stimmung rund um Krypto-Regulierung spürbar verändert. Nach dem klaren Votum im Senate Banking Committee sieht Alex Thorn, Head of Firmwide Research bei Galaxy Digital, den CLARITY Act inzwischen bei einer Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent. Für die Branche wäre das der wichtigste regulatorische Schritt in den USA seit Jahren.

Je näher das Gesetz rückt, desto deutlicher zeigen sich auch die politischen Gegenleistungen. Investoren hoffen auf klare Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC. Gleichzeitig wachsen die Befugnisse von Finanzministerium und Strafverfolgungsbehörden. Thorn sieht darin den zentralen Konflikt des Gesetzes.

CLARITY Act gewinnt politische Mehrheit

Das 15-zu-9-Votum im Senate Banking Committee gilt für Thorn als Wendepunkt im Gesetzgebungsprozess. Besonders relevant: Mit Ruben Gallego und Angela Alsobrooks haben auch zwei Demokraten gemeinsam mit den Republikanern für den Entwurf gestimmt. Für Thorn zeigt das einen klaren Stimmungsumschwung in Washington.

Noch vor wenigen Wochen hat Galaxy Digital die Erfolgschancen eher bei einem Münzwurf gesehen. Inzwischen rechnet Thorn mit einer stabilen parteiübergreifenden Mehrheit. Der schwierigste Teil des Verfahrens steht aus seiner Sicht aber noch bevor.

Bis zur August-Pause des Kongresses bleiben rund neun Wochen effektiver Sitzungszeit. In diesem Zeitraum müssten Senatslesung, Abstimmung mit dem Agriculture Committee und die finale Verabschiedung im Repräsentantenhaus erfolgen. Scheitert der Zeitplan, dürfte sich das Thema ins kommende Jahr verschieben.

Der politische Preis der Regulierung

Trotz des Optimismus sieht Thorn im Gesetz erhebliche Spannungen. Besonders kritisch bewertet er die geplante Ausweitung der Überwachungsbefugnisse für US-Finanzministerium und Strafverfolgungsbehörden.

Der CLARITY Act enthält unter anderem neue Eingriffsmöglichkeiten für das Treasury, darunter sogenannte “Special Measures Authorities”. Bestimmte Jurisdiktionen oder Akteure könnten damit schneller als Geldwäsche-Risiko eingestuft werden. Hinzu kommt eine “Temporary Hold Authority”. Intermediäre wie Krypto-Börsen dürften verdächtige Transaktionen damit kurzfristig einfrieren.

Marktkapitalisierung von Stablecoins legen eine wahnsinnige Rallye hin

Der politische Druck wächst jedoch, der Stablecoin-Markt hat inzwischen mehr als 300 Milliarden US-Dollar erreicht. Für Thorn bleibt das der eigentliche politische Tausch hinter dem Gesetz: regulatorische Klarheit für die Branche gegen breitere staatliche Kontrollmöglichkeiten. Der Entwurf schafft erstmals klarere Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC und enthält Schutzmechanismen für DeFi-Entwickler. Die juristische Tragweite vieler Formulierungen bleibt jedoch offen.

Stablecoins werden zum Streitpunkt der Krypto-Regulierung

Auch im Stablecoin-Teil sieht Thorn weiter Konfliktpotenzial. So hat etwa Brooke Ybarra von der American Bankers Association die aktuelle Formulierung des Zinsverbots für Stablecoins kürzlich kritisiert. Vor allem das Wort “solely” lasse aus ihrer Sicht Spielraum für Konstruktionen, die wirtschaftlich wie Zinsprodukte funktionieren könnten.

Die Bankenlobby drängt deshalb auf schärfere Formulierungen und bringt tokenisierte Einlagen als Alternative ins Spiel. Gemeint sind digitale Bankverbindlichkeiten mit sofortiger Abwicklung und programmierbaren Zahlungsfunktionen.

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Galaxy Digital bewertet die Entwicklung jedoch deutlich positiver. Laut Thorn könnten Stablecoins langfristig zusätzliche US-Dollar-Liquidität ins US-Finanzsystem ziehen. Für jeden US-Dollar an Einlagen, der aus dem klassischen Bankensystem abwandert, könnten laut Galaxy zwei US-Dollar aus dem Ausland zufließen. Eine öffentliche Methodik für diese Schätzung gibt es bislang nicht.

Krypto-Regulierung in den USA vor entscheidender Phase

Für Thorn zählt vor allem, dass der Gesetzgebungsprozess erstmals echten Schwung bekommen hat. Das Votum im Banking Committee hat die Chancen für eine umfassende Marktstruktur-Regulierung in den USA deutlich erhöht.

Offen bleibt, wie weit der finale Kompromiss tatsächlich reicht. Besonders bei den Überwachungsbefugnissen und im Stablecoin-Teil des Gesetzes. In den kommenden Wochen dürfte sich entscheiden, wie teuer regulatorische Klarheit für die Krypto-Branche am Ende wird.

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