Kommentar
13:00 Uhr, 22.06.2026

Chinas KI-Unternehmen machen aus dem Mangel ein Geschäftsmodell

Pekings führende KI-Firmen arbeiten mit einem Bruchteil des US-Kapitals und ohne die schnellsten Chips. Die Knappheit bremst sie aber nicht so aus, wie man sich das im Westen vielleicht wünscht.

Dass chinesische KI-Modelle im Gegensatz zu den US-amerikanischen Spitzenmodellen quelloffen sind, deuten viele als kulturelle Eigenheit oder gar als ideologische Geste. Dahinter steht aber eine nüchterne Geschäftsentscheidung. Westliche Entwickler sollten den Modellen vertrauen, also legten die KI-Labore ihren Code offen, um Glaubwürdigkeit aufzubauen. Aus dieser ursprünglichen Logik entwickelte sich etwas ganz Neues. Weil jedes Labor die Durchbrüche der anderen einsehen und übernehmen kann, entstand eine Art Forschungsteilung, auf der die ganze Branche aufsetzt. Die KI-Entwickler beglückwünschen sich sogar öffentlich zu neuen Modellen und kopieren zugleich gegenseitig ihre Fortschritte. Das Verhältnis ist kollegial und brutal kompetitiv zugleich. Die Chinesen nennen es "neijuan", die Selbstausbeutung im Hyperwettbewerb.

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