Kommentar
12:34 Uhr, 09.02.2026

Cathie Wood & ARK Invest: Chancen, Risiken und für wen der ETF passt

Kaum ein Name polarisiert die ETF-Welt so sehr wie Cathie Wood. Die Fondsmanagerin steht für eine klare Wette: Disruptive Innovation soll in den kommenden Jahren ganze Branchen umkrempeln und dadurch außergewöhnliche Renditen ermöglichen. Ihr Haus ARK Invest setzt diese These vor allem über aktiv gemanagte ETFs um, die gezielt auf wachstumsstarke, oft noch wenig etablierte Technologiethemen fokussieren. Genau dieser Fokus ist die größte Chance und gleichzeitig das größte Risiko.

Damit der Ansatz sinnvoll eingeordnet werden kann, hilft ein Blick auf drei Dinge: Wie ARK investiert, wann das Modell stark ist und wann es besonders verwundbar wird.


Wer ist Cathie Wood und wofür steht ARK Invest?

Cathie Wood ist Gründerin, CEO und CIO von ARK Investment Management. ARK wurde Anfang 2014 als Investmentberater registriert und von Beginn an auf das Thema Innovation ausgerichtet.

Zentral ist dabei weniger eine einzelne Aktie als ein bestimmtes Weltbild: Technologie entwickelt sich nicht linear, sondern oft exponentiell und wenn diese Exponentialkurven in reale Geschäftsmodelle übergehen, können Gewinner lange Zeit sehr schnell wachsen.

ARK betont zudem einen offenen Research-Ansatz und veröffentlicht regelmäßig Analysen und Thesen zu den eigenen Innovationsthemen.

Einen tiefen Einblick in ARKs Innovationsthesen für 2026 gibt unsere Topstory: „ARK Big Ideas 2026: KI, Robotik & Co. – die wichtigsten Trends für dein Depot!


Der Kern des Ansatzes: Disruptive Innovation als „Plattformen“

ARK bündelt seine Investmentwelt häufig in fünf Innovationsplattformen, die sich gegenseitig verstärken und zu neuen Märkten konvergieren sollen:

  • Künstliche Intelligenz
  • Robotik / Automatisierung
  • Energiespeicher
  • (Multi-)omics/DNA-Sequenzierung
  • Public Blockchains / Blockchain-Technologie

Die Logik dahinter: Nicht jede Einzelerfindung wird zum Hit, aber wenn ganze Plattformen kippen (Kosten fallen, Adoption steigt, Geschäftsmodelle skalieren), entstehen über Jahre hinweg strukturelle Wachstumswellen. Genau dort will ARK früh positioniert sein.


Wie die Umsetzung aussieht: Aktiv, konzentriert, thematisch

Am bekanntesten ist der ARK Innovation ETF (ARKK). Er ist aktiv gemanagt und soll langfristiges Kapitalwachstum erzielen, indem er überwiegend in Unternehmen investiert, die zur Innovations-These passen (mindestens 65% in relevante Unternehmen).

Typische Merkmale dieser Umsetzung:

  • Konzentration statt „Marktbreite“: ARKK hält typischerweise eher einige Dutzend Positionen (nicht Hunderte).
  • Hohe Faktor-Lastigkeit: Viele Titel sind wachstums- und zins-sensitiv (Bewertung hängt stark am Diskontsatz).
  • Aktive Umschichtungen: ARK reagiert auf Research-Updates, Positionen werden aktiv gebaut, reduziert oder aufgestockt.
  • Kostenstruktur: ARKK weist eine laufende Kostenquote von 0,75% aus.

Das ist kein „Core-ETF“-Konzept, sondern eher ein Satelliten-Baustein: bewusst fokussiert, bewusst volatil.

Wie unterscheiden sich aktive Themen-ETFs von klassischen ETFs?

Klassische ETFs bilden einen breiten Index passiv nach, etwa den MSCI World mit über 1.400 Aktien. Aktiv gemanagte Themen-ETFs wie ARKK funktionieren anders: Ein Team trifft bewusste Einzelentscheidungen, welche Titel ins Portfolio kommen und wie stark sie gewichtet werden. Das bedeutet mehr Gestaltungsspielraum, aber auch höhere Kosten, mehr Schwankung und die Abhängigkeit davon, dass das Management-Team mit seinen Einschätzungen richtig liegt.


Die Chance: Wenn Innovation trägt, ist die Outperformance enorm

Der ARK-Ansatz kann besonders stark sein, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

Fallende oder stabile Zinsen + hohe Risikobereitschaft

Viele Innovationstitel werden stark über zukünftige Gewinne bewertet. Sinkt der Diskontsatz, steigen die Bewertungs-Multiples und das kann Kursanstiege zusätzlich beschleunigen.

Technologischer Rückenwind und Narrative, die Kapital anziehen

Themen wie KI, Genomik oder neue Finanzinfrastruktur können Kapitalströme bündeln. In solchen Phasen laufen „Story + Wachstum + Liquidität“ oft gemeinsam.

Winner-Takes-Most-Märkte

Innovation produziert häufig Märkte, in denen wenige Gewinner sehr groß werden (Plattformen, Netzwerkeffekte). Wenn ARK früh in solche Gewinner hineinwächst, kann das die Rendite treiben.

Dass es solche Boomphasen gab, zeigt die Historie: 2020 legte ARKK rund 153 % zu. Danach folgte allerdings eine der härtesten Gegenbewegungen. Vom Allzeithoch bis zum Tief verlor der ETF über 75 %.

Werde einer von uns:
Goldesel Premium
  • Einblick in alle Premium Trades & Depots
  • Baue dir finanziellen Wohlstand auf durch exklusive Lerninhalte, Guides & Video-Kurse
  • Monatliches Premiumabo

Das Hauptrisiko: Zinssensitivität als Achillesferse

Der wichtigste Risikotreiber ist nicht ein einzelnes Unternehmen, sondern die Kombination aus Bewertung und Makroumfeld:

  • Viele Titel im ARK-Universum haben hohe erwartete Wachstumsraten.
  • Solche Titel reagieren stark auf Zinsbewegungen, weil ein größerer Teil des „Werts“ in weit entfernten Zukunftsjahren liegt.
  • Steigen Zinsen schnell, fallen Multiples oft schneller, als operative Fortschritte das kompensieren können.

Genau dieses Muster war in den vergangenen Jahren sichtbar: ARKK legte 2020 rund 153 % zu, verlor 2021 etwa 23 % und brach 2022 um weitere 67 % ein, bevor 2023 eine Gegenbewegung von knapp 68 % folgte. Die Achterbahnfahrt zeigt: Wer zum falschen Zeitpunkt ein- oder aussteigt, kann trotz „richtiger“ These viel Geld verlieren.


Risiko 1: Drawdowns sind Teil des Designs, nicht der Ausnahmefall

Ein Innovations-Portfolio ist von Natur aus schwankungsanfällig. Bei ARK kommt hinzu: Konzentration und Wachstumsfaktor verstärken Ausschläge.

In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn die langfristige These stimmt, kann der Weg dorthin Drawdowns enthalten, die psychologisch kaum auszuhalten sind. Genau hier scheitern viele Depots: Nicht an der Idee, sondern am Durchhalten.


Risiko 2: Konzentration & „Single-Name“-Abhängigkeiten

ARK-Produkte können zeitweise stark von wenigen großen Positionen geprägt sein. Das schafft Klarheit (High Conviction), aber auch Klumpenrisiken: Wenn ein oder zwei Kernpositionen schwächeln, leidet die Gesamtperformance überproportional.

Das ist besonders relevant, weil Innovationstitel oft gemeinsam fallen: Wenn der Markt „Risk-off“ schaltet, helfen einzelne Stopps oder kleine Anpassungen wenig, es bewegt sich häufig der ganze Block.


Risiko 3: Liquidität, Flows und das Timing-Problem der Anleger

Ein unterschätzter Punkt ist nicht nur die Fondsrendite, sondern die Anleger-Rendite. Bei Strategien, die stark boomen und dann stark fallen, passiert regelmäßig das gleiche Muster: viele Käufe in der Euphorie, viele Verkäufe im Drawdown.

Dass ARK als Fondsfamilie in dieser Hinsicht kritisch diskutiert wurde, zeigen Auswertungen, die den „Wert“ messen, den Anleger über Zuflüsse/Abflüsse tatsächlich erzielt haben. Über den Zehnjahreszeitraum bis Ende 2023 wurden bei ARK insgesamt sehr große Verluste an „Shareholder Value“ ausgewiesen. Nicht weil jede einzelne Idee falsch war, sondern weil Timing und Volatilität für viele Investoren teuer wurden.

Mehr spannender Goldesel Content


Risiko 4: „Research-Thesen“ sind keine Cashflows

ARK arbeitet viel mit Szenarien: Wie groß könnte ein Markt werden? Wie schnell kann Adoption laufen? Welche Unternehmen profitieren? Das ist sinnvoll, um Chancen zu identifizieren, aber es bleibt ein Risiko:

  • Märkte können länger brauchen als gedacht
  • Gewinner können andere sein als erwartet
  • Regulierung kann bremsen
  • Konkurrenz kann Margen drücken

Kurz: Eine gute Zukunfts-Story ist nicht automatisch ein gutes Investment, wenn Bewertung und Zeitpfad nicht passen.


Risiko 5: Aktives Management – Chance und Fehlerquelle zugleich

Aktiv zu sein ist bei Innovation nicht per se schlecht. Im Gegenteil: In schnelllebigen Märkten kann aktives Management helfen, alte Annahmen zu korrigieren.

Aber aktiv heißt auch:

  • häufiger handeln (Umsetzungskosten)
  • mehr Modell- und Prognoserisiko
  • höhere Abhängigkeit von Urteilen des Teams

ARK weist zudem selbst auf Management- und Non-Diversification-Risiken sowie erhöhte Volatilität gegenüber breiten Marktindizes hin. Umso wichtiger ist die Frage: Unter welchen Voraussetzungen kann der Ansatz trotzdem ins Depot passen?


Passt ARK in dein Depot? Fünf Voraussetzungen

Der ARK-Ansatz kann passen, wenn folgende Punkte erfüllt sind:

  1. Sehr langer Horizont (mehrere Jahre, eher ein Jahrzehnt-Denken)
  2. Hohe Risikotragfähigkeit (große Schwankungen sind einkalkuliert)
  3. Klare Rolle im Depot: eher Satellit als Kern
  4. Disziplin bei Rebalancing: nach starken Läufen trimmen, nach Einbrüchen planvoll entscheiden
  5. These wird verstanden: Wer nicht erklären kann, warum das Portfolio genau diese Wetten hält, wird in Stressphasen fast sicher falsch reagieren.

Ein robustes Set-up: „Satellit statt Schicksal“

In der Praxis funktioniert der Ansatz am stabilsten, wenn er nicht die Basis des Vermögensaufbaus ist.

Ein bewährtes Muster:

  • Kern: breit diversifizierte Basis (z. B. Weltaktien-ETF)
  • Satellit: Innovationsthema als Beimischung mit klarer Obergrenze
  • Regeln: feste Quote, feste Review-Termine, Rebalancing statt Bauchgefühl

So kann die Chance genutzt werden, ohne dass ein einzelnes Thema das gesamte Depot dominiert.

Wie du als Anleger in Deutschland in ARK investieren kannst

Der Original-ARKK ist als US-ETF hierzulande für Privatanleger in der Regel nicht direkt handelbar, da die nach EU-Recht vorgeschriebenen PRIIP-Basisinformationsblätter fehlen. Seit April 2024 gibt es jedoch eine europäische Alternative: den ARK Innovation UCITS ETF (ISIN: IE000GA3D489, WKN: A408AW). Er ist bei zahlreichen deutschen Brokern handelbar und sparplanfähig, darunter Scalable Capital, Trade Republic, Flatex und DKB.

Der UCITS-ETF verfolgt dieselbe Innovations-Strategie unter ARK-Management, ist aber keine exakte Kopie des US-Originals. Er wendet zusätzlich einen ESG-Filter an (SFDR Artikel 8) und ist thesaurierend, Dividenden werden also automatisch reinvestiert. Die TER liegt ebenfalls bei 0,75 %. Wichtig zu wissen: Das Fondsvolumen ist mit rund 293 Mio. Euro (Stand Ende 2025) deutlich kleiner als beim US-ARKK (ca. 6 Mrd. USD), was sich auf die Liquidität auswirken kann.


Fazit: ARK ist ein Verstärker, nach oben wie nach unten

ARK ist ein Verstärker, nach oben wie nach unten. In Boomphasen kann der Ansatz spektakulär funktionieren, weil Wachstum, Narrative und Bewertung gleichzeitig Rückenwind liefern. In Gegenphasen kann es ebenso hart werden, weil Zinsen, Risikoaversion und Konzentration gleichzeitig auf das Portfolio drücken. Die Vergangenheit hat beides eindrücklich gezeigt.

Wer diesen Ansatz nutzt, sollte ihn wie ein Hochleistungs-Tool behandeln: mit klarer Rolle im Depot, begrenzter Positionsgröße und festen Regeln. Nicht die Innovations-These selbst ist das Problem, sondern der Umgang damit. Wer ohne Plan investiert, wird in Stressphasen fast sicher falsch reagieren. Wer ARK dagegen bewusst als Satelliten einsetzt und diszipliniert rebalanced, kann von der Innovationskraft profitieren, ohne das gesamte Depot aufs Spiel zu setzen.

Das könnte Dich auch interessieren