Analyse
08:30 Uhr, 02.01.2026

Buffett tritt ab, Abel übernimmt – die 358-Milliarden-Frage bleibt

Mit einem "Berg aus Cash" von 358 Mrd. USD übernimmt Greg Abel seit gestern die operative Führung von Berkshire Hathaway.

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  • Berkshire Hathaway Inc. - WKN: A0YJQ2 - ISIN: US0846707026 - Kurs: 502,650 $ (NYSE)

Nie zuvor hatte der Industriekonzern mehr Liquidität in der Kasse. Für Investoren ist das zwar komfortabel, aber eben auch eine offene Frage: Wie setzt der neue Vorstandschef dieses Kapital ein, nachdem Warren Buffett den Staffelstab weitergereicht hat?

Berkshire hatte zuletzt zwölf Quartale in Folge per saldo Aktien verkauft, eigene Rückkäufe fünf Quartale lang ausgesetzt und die Kassen gefüllt. Ende September summierten sich Cash und kurzfristige Anlagen auf 358 Mrd. USD. Gleichzeitig legte der S&P 500 im Jahr 2025 um 16 % zu, viele Bewertungen wirken aus Sicht eines Value-Investors ambitioniert. Berkshire selbst wird mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,6 gehandelt. Der berühmte "Buffett-Aufschlag" ist also in abgeschwächter Form weiterhin vorhanden.

Abel weiß, wie es geht

Abel, 63, ist kein Unbekannter im Konzern. Seit 2018 verantwortet er als Vizechef alle Nicht-Versicherungsgeschäfte, zuvor baute er Berkshire Hathaway Energy zu einem der größten Stromversorger der USA aus. Buffett attestiert ihm, die Erwartungen "in jeder Hinsicht übertroffen“ zu haben. Inhaltlich setzt Abel auf Kontinuität. Kapitalallokation, so betonte er auf der Hauptversammlung 2025, bleibe der Kern der Berkshire-DNA.

Doch Kontinuität heißt in diesem Zyklus vor allem Geduld. Buffett selbst hatte den hohen Kassenbestand stets als Versicherung für Stressphasen verteidigt. In der Finanzkrise 2008 nutzte Berkshire seine Liquidität, um Goldman Sachs und General Electric zu stützen, zu damals außergewöhnlichen Konditionen. Ein ähnliches Fenster ist derzeit nicht in Sicht. Sinkende Zinsen könnten die Verzinsung des Cashpolsters schmälern, zugleich erhöht Liquidität die Handlungsfreiheit bei Marktverwerfungen.

Der Konzern ist heute größer und träger geworden. Rund 400.000 Beschäftigte, Beteiligungen von BNSF Railway bis Geico, eine Marktkapitalisierung jenseits von 1 Bio. USD, große Würfe bewegen den Konzern nur noch langsam. Entsprechend erwarten viele Investoren, dass Abel erst bei deutlichen Kursrückgängen zugreift. Spekulationen über eine Dividende gelten als Randnotiz. Buffett hat Ausschüttungen stets abgelehnt, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen; seit 1967 gab es nur eine einzige.

Hinzu kommt der personelle Umbruch im Investmentteam. Mit dem Abgang von Todd Combs zu JPMorgan ist klar, dass Abel die Letztentscheidung bei der Kapitalallokation tragen wird. Buffett traute ihm das schon 2024 ausdrücklich zu: Wer Unternehmen verstehe, verstehe auch Aktien.

Fazit: Die Staffelübergabe war von langer Hand geplant worden. Ich mache mir hier wenig Sorgen. Abel muss beweisen, dass Berkshire auch ohne den Mythos Buffett Opportunitäten erkennt und entschlossen handelt. Erst die Generation nach Abel könnte dann wirkliche Schwierigkeiten bekommen, das Erbe zu verteidigen. Irgendwann kommen die Geier und die wollen Rendite sehen, sei es durch Abspaltungen oder eine veränderte Kapitalallokation. Abel dürfte hier resistent sein, doch künftige Manager werden es da meiner Einschätzung nach schwerer haben.

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