Bitcoin-Maximalismus: Fluch oder Segen für die Krypto-Welt?
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Für viele Anleger bleibt Bitcoin vor allem ein Investment, das traditionelle Anlageklassen wie Aktien, Immobilien oder Gold in den vergangenen Jahren klar übertroffen hat. Doch für eine wachsende Gemeinschaft von Überzeugten ist Bitcoin längst mehr als nur ein renditestarkes Asset: die Grundlage für ein neue monetäre Ordnung. Die Bitcoin-Maximalisten sehen in BTC das einzig wahre Geld – doch stehen genau deshalb im Kreuzfeuer der Kritik. Ihr kompromissloser Ausschluss alternativer Krypto-Projekte gilt manchen als spaltend, teils sogar als Gefahr für die Branche. Was hinter dem Phänomen des Bitcoin-Maximalismus steckt und weshalb sich ein genauerer Blick lohnt.
Vitalik Buterin, der Erfinder des Begriffes “Bitcoin-Maximalismus”
Wer sich mit der Geschichte des Bitcoin-Maximalismus beschäftigt, stößt schnell auf einen bemerkenswerten Umstand: Ausgerechnet Vitalik Buterin, doe Gallionsfigur der Ethereum-Community, war einer der Ersten, der diese Haltung ausführlicher beschrieb – und das ausgesprochen kritisch. In einem Blogbeitrag der Ethereum Foundation im November 2014 definierte er Bitcoin-Maximalismus als “die Idee, dass ein Umfeld mit mehreren konkurrierenden Kryptowährungen nicht wünschenswert ist, dass es falsch ist, noch einen weiteren Coin auf den Markt zu bringen, und dass es sowohl gerechtfertigt als auch unvermeidlich ist, dass Bitcoin eine Monopolstellung in der Krypto-Szene einnehmen wird.”
Erst wenige Monate zuvor hatte er mit dem Ethereum-ICO sein eigenes Projekt gestartet. Buterin schrieb weiter, Maximalismus unterscheide sich von dem einfachen Wunsch, Bitcoin zu stärken. Er sei vielmehr “eine Haltung, die besagt, dass etwas auf Bitcoin zu bauen, der einzig richtige Weg ist, und dass alles andere unmoralisch sei.” Heute bezeichnen sich zwar viele BTC-Hodler als Bitcoin-Maximalisten, doch die Auslegung des Begriffs variiert stark und deckt sich längst nicht immer mit diesem engen Verständnis.
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Ein Bitcoin-Maximalist kann aus ökonomischer Perspektive jemand sein, der an eine kommende Hyperbitcoinisierung glaubt und davon ausgeht, dass Bitcoin langfristig alle anderen Geldformen verdrängen wird, ob Fiatwährungen, Gold oder Altcoins. Dafür muss er andere Krypto-Projekte nicht zwingend als moralisch falsch betrachten. Nach einer eher philosophischen Auslegung des Begriffs setzen sich Vertreter des Maximalismus wiederum vor allem für individuelle Freiheit ein und stellen sich gegen staatlichen Interventionismus sowie das Zentralbankwesen. In diesem Sinne ist Bitcoin vor allem ein Werkzeug der Selbstbestimmung, das Menschen finanzielle Souveränität verschafft und sie vor den Folgen eines staatlichen Geldmonopols schützen soll.
Bitcoin-Maximalismus kann jedoch auch rein finanziell verstanden werden. Ein Maxi ist in diesem Fall jemand, der sein Vermögen nicht über verschiedene Anlageklassen verteilt, sondern fast ausschließlich in Bitcoin investiert. Dafür genügt im Kern der Glaube, dass das digitale Gold in den kommenden Jahren höhere Renditen erzielen wird als alternative Investments. Hier zeigt sich ein zentrales Problem der Debatte darüber, ob Maximalisten der Krypto-Community nutzen oder schaden. Es existiert keine einheitliche Definition, und je nach persönlicher Auslegung kann der Begriff sehr Unterschiedliches bedeuten.
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Was Bitcoin-Maximalisten wirklich motiviert
Mag der Ton auf Social-Media-Plattformen oft rau sein, denn Maximalisten polemisieren gerne gegen die Shi*coins, wie sie sämtliche Altcoins nennen, ist ihre Grundmotivation dennoch oft positiv. Im Gespräch mit BTC-ECHO erklärt Josef Tětek, einer der bekanntesten Vertreter der tschechischen Bitcoin-Community: “[Altcoins] werden aus dem Nichts geschaffen. Viele Krypto-Projekte sind mit den Stiftungen oder Unternehmen dahinter stark zentralisiert, sodass sie Algorithmen sehr leicht ändern können” Ethereum sei dafür ein gutes Beispiel, weil sich dessen Geldpolitik über die Jahre spürbar gewandelt habe. Daher unterscheidet Tětek zwischen Public Fiat wie dem US-Dollar und Private Fiat wie Ether, XRP oder Solana. Er betont: “Bitcoin ist anders, denn es gibt keine zentrale Leitung und die Geldpolitik ist praktisch unmöglich zu ändern.”
Was ihn und viele andere Bitcoin-Maximalisten antreibt, ist nicht zuletzt der Wunsch, besonders Krypto-Neulinge vor teuren Fehlern zu schützen. Ob sie selbst mit Altcoin-Trading Geld verloren, Opfer von Scammern wurden oder in früheren Jahren mit Markt-Timing-Strategien bei Bitcoin gescheitert sind, viele BTC-Maxis wollen ihre Erfahrungen weitergeben, damit andere nicht die gleichen schmerzhaften Fehlschläge erleben. Unzählige Krypto-Projekte sind in den vergangenen zehn Jahren mit großen Versprechen gestartet und kurz darauf wieder verschwunden. Häufig nutzten fragwürdige Unternehmer die Unerfahrenheit von Privatanlegern aus, um sich mit deren Geld aus dem Staub zu machen.
Auch Dr. Dominik Stroukal, ein weiterer prominenter Vertreter der Bitcoin-Szene in Prag, bezeichnet sich selbst als Bitcoin-Maximalisten. Gegen andere Coins polemisiere er jedoch nicht, weil er sich mit alternativen Kryptowährungen kaum beschäftige. Gleichzeitig erkennt er eine Funktion für besonders kompromisslose Maxis in der Community und erklärt gegenüber BTC-ECHO: “Es braucht die netten Leute, die ihren Mitmenschen langsam und geduldig die Ideen erklären. Aber man benötigt zugleich auch solche Typen, die einem verbal ins Gesicht schlagen, wie es Michael Saylor tut.”
Der Gründer von Strategy, dessen Unternehmen inzwischen fast 650.000 BTC hält, formulierte in einem Podcast: “Es dauert etwa 10 Stunden und man ist ein Trader. 100 Stunden und man ist ein Investor. 1000 Stunden und man ist ein Maximalist und denkt, [Bitcoin] ist ein Instrument der wirtschaftlichen Ermächtigung. Es ist ein moralischer Imperativ für 8 Milliarden Menschen.“
Seine leidenschaftlichen Plädoyers speisen sich nicht allein aus wirtschaftlichen Erwartungen, sondern auch aus der Überzeugung, dass Bitcoin die menschliche Zivilisation auf ein neues Niveau heben und besonders den Ärmsten helfen könne. “Viele der Ablehnungen, Kritiken und Angriffe auf Bitcoin kommen von Leuten, die den Luxus haben, über ein stabiles Finanzsystem zu verfügen”, meint Menschenrechtsaktivist Alex Gladstein, ebenfalls überzeugter Bitcoin-Anhänger. Sind Maximalisten am Ende also vor allem idealistische Freiheitsbefürworter, die sich für finanzielle Gerechtigkeit einsetzen?
Mainstream Adoption: Ein zweischneidiges Schwert für überzeugte Bitcoin-Hodler
Je mehr Menschen in Bitcoin sparen oder die Kryptowährung sogar im Alltag als Zahlungsmittel nutzen, desto stärker geraten die ursprünglichen Ideale der BTC-Community in den Hintergrund. Anstatt ihre Private Keys selbst auf einer Hardware Wallet zu sichern, vertrauen inzwischen viele Anleger auf Bitcoin ETFs und damit einer Drittpartei. Sobald große Banken ihren Kunden BTC direkt über die eigene Vermögensverwaltung anbieten, dürfte der Anteil fremdverwahrter Coins weiter steigen. Für einige alte Hasen im Bitcoin-Space wirkt es deshalb so, als sei ihr jahrelanger Einsatz vergeblich gewesen. Doch weder Maximalismus noch Selbstverwahrung sind zwangsläufig für jeden die passende Wahl. Freiheit setzt Verantwortung voraus und finanzielle Souveränität bringt immer auch neue Risiken mit sich.
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Selbst Permabulle Michael Saylor ist nicht der Ansicht, dass künftig jeder Bitcoin-Nutzer seine Coins selbst verwahren sollte. Nachdem es aus der Krypto-Community Kritik gegeben hatte, präzisierte er seine Position: “Ich unterstütze Selbstverwahrung für diejenigen, die dazu bereit und in der Lage sind.” Zwar dürfte mit wachsender Adoption der Anteil derjenigen sinken, die sich als Maximalisten verstehen und ihre BTC eigenständig sichern. Doch ihre absolute Zahl nimmt weiter zu. Was diesen harten Kern der Bitcoin-Szene auszeichnet: Während viele in Bärenmärkten das Interesse verlieren, machen sie unbeirrt weiter und versuchen, so viele Menschen wie möglich zu orangepillen.
Acht Jahre nach seiner ursprünglichen Kritik zeigt sich selbst Vitalik Buterin in einem späteren Aufsatz anerkennender: “Maximalismus ist nicht nur Bitcoin um des Bitcoins willen; es ist vielmehr eine echte Erkenntnis, dass die meisten anderen Kryptowährungen Betrug sind und eine Kultur der Intoleranz unvermeidlich und notwendig ist, um Neulinge zu schützen.” Auch toxische Maxis seien notwendig, weil sie die Identität von Bitcoin bewahrten und dadurch sogar den Mainstream beeinflussen könnten.
Ihr wichtigster finanzieller Grundsatz lässt sich ohne Weiteres von allen Krypto-Einsteigern übernehmen: “Bitcoin, Buy and Hold.“ Aufgrund dieser erstaunlichen Einfachheit sollte man in Zukunft vielleicht eher von einem gelebten “Bitcoin-Minimalismus” sprechen.
Quellen
- Vitalik Buterin Äußerungen
- Krypto Top 10 vor 10 Jahren auf Coinmarketcap
- Michael Saylor im Podcast
- Blogpost von Vitalik Buterin
Dieser Artikel erschien erstmals am 26. März 2025 und wurde vor der erneuten Veröffentlichung überprüft und gegebenenfalls angepasst.
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