Kommentar
05:00 Uhr, 04.03.2026

Bitcoin-Kurs in Krisenzeit: Die Ruhe vor dem Sturm?

Der Iran-Konflikt erschüttert die Märkte, doch der Bitcoin-Kurs bleibt vergleichsweise stabil. Steht die nächste Bewegung bevor?

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Die jüngste Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran führte zu einer unmittelbaren Reaktion am Krypto-Markt. Bitcoin fiel kurzfristig in Richtung 63.000 US-Dollar, während im Derivatemarkt rund 1,8 Milliarden US-Dollar an offenen Positionen abgebaut wurden. Die schnelle Reduktion von Open Interest zeigt, dass Trader Risiko aus dem Markt nahmen und Hebelpositionen schlossen. Bemerkenswert war jedoch, dass keine klassische Panik einsetzte.

Keine Kapitulation der kurzfristigen Investoren

Die unmittelbare Marktreaktion war zunächst im Derivatemarkt sichtbar. Rund 1,8 Milliarden US-Dollar an offenen Positionen wurden innerhalb kurzer Zeit abgebaut. Das Open Interest sank deutlich, Hebelpositionen wurden geschlossen und Risiko reduziert.

Kapitalabflüsse im Derivatemarkt bei Bitcoin / Quelle: CryptoQuant

Auffällig war jedoch, dass diese Bereinigung nicht von einer klassischen On-Chain-Kapitulation begleitet wurde. Normalerweise führen geopolitische Schocks gerade bei kurzfristigen Marktteilnehmern zu panikartigen Verkäufen. Doch die Daten zeigen ein anderes Bild. Die sogenannten Short-Term Holder, also Investoren mit kurzer Haltedauer, transferierten trotz des Rückgangs in Richtung 63.000 US-Dollar keine außergewöhnlich hohen Mengen an BTC mit Verlust auf Börsen. Ein signifikanter Spike verlustgetriebener Einzahlungen blieb aus.

Bereits Anfang Februar war es noch anders. Damals wurden innerhalb von 24 Stunden rund 89.000 BTC mit Verlust auf Exchanges transferiert, ein klares Kapitulationssignal. Seit diesem Ereignis ist der verlustgetriebene Verkaufsdruck jedoch sukzessive zurückgegangen. Auch während der jüngsten Eskalation blieb ein vergleichbares Muster aus. Damit zeigt sich ein strukturell anderes Verhalten: Der Derivatemarkt wurde zwar spürbar bereinigt, doch die kurzfristig orientierte On-Chain-Kohorte reagierte nicht mit reflexartigem Verkaufsdruck.

Bitcoin Short-Term Holder / Quelle: CryptoQuant

Bitcoin-Kurs: Erholung mit gesunder Struktur – aber ohne Bestätigung

Nach dem Rücksetzer stabilisierte sich Bitcoin schneller als viele traditionelle Märkte. Während Aktienindizes unter geopolitischem Druck standen, stieg BTC zwischenzeitlich wieder bis in Richtung 70.000 US-Dollar.

Wichtig dabei: Der Anstieg war nicht ausschließlich derivatelastig. Sowohl das Spot-Volumen als auch das Futures-Volumen nahmen parallel zu. Das spricht für reale Nachfrage im Spotmarkt und nicht nur für kurzfristige Hebelbewegungen. Auch die Fundingrate blieb während der Bewegung im negativen Bereich. Eine überhitzte Long-Positionierung war damit nicht erkennbar. Die Rallye war strukturell sauber.

Dennoch erwies sich die 70.000-US-Dollar-Marke erneut als Widerstand. Der Kurs konnte sich nicht nachhaltig darüber etablieren und notiert inzwischen wieder im Bereich um 66.000 US-Dollar. Eine klare Trendwende ist damit bislang nicht bestätigt.

Bitcoin-Kurs und Order-Flow-Daten / Quelle: Velo.xyz

Die geopolitische Lage bleibt dabei ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Besonders die Straße von Hormus steht im Fokus. Rund 20 Prozent des globalen Öltransports laufen durch diese Route. Eine länger anhaltende Blockade hätte direkte Auswirkungen auf den Energiemarkt.

Analysen großer Banken wie JPMorgan und Barclays gehen davon aus, dass bei einer Eskalation von mehreren Wochen der Ölpreis in Richtung 100 bis 125 US-Dollar steigen könnte. Ein sprunghafter Anstieg des Ölpreises würde Inflationserwartungen anheizen und könnte geldpolitische Spielräume einschränken. Für Risikoassets wie Bitcoin bedeutet das ein Spannungsfeld. Einerseits zeigt BTC relative Stärke, andererseits bleibt das makroökonomische Umfeld fragil.

Mehrheit der Bitcoin-Käufer im Minus: Belastung oder Ausgangspunkt?

Ein zusätzlicher struktureller Faktor ergibt sich aus der Verteilung der realisierten Kaufpreise. On-Chain-Daten zeigen, dass ein Großteil der Investoren, die Bitcoin innerhalb der letzten zwei Jahre erworben haben, inzwischen im Verlustbereich liegt.

Historisch ist das ein interessanter Wendepunkt im Zyklus. Große Abwärtsbewegungen entstehen häufig dann, wenn viele Marktteilnehmer noch deutliche Buchgewinne halten und diese absichern. Wenn jedoch breite Teile des Marktes bereits im Minus notieren, nimmt der unmittelbare Verkaufsanreiz tendenziell ab. Wer deutlich unter Wasser steht, verkauft seltener impulsiv, es sei denn, es kommt zu einer echten Panikphase.

Bitcoin-Kurs: Verteilung der realisierten Kaufpreise / Quelle: CryptoQuant

Zyklisch betrachtet entstehen Stabilisierungstendenzen oft genau in solchen Konstellationen. Das bedeutet nicht, dass der Tiefpunkt zwingend erreicht ist. Es bedeutet jedoch, dass ein wesentlicher Teil des spekulativen Überhangs bereits abgebaut sein könnte.

Sollte Bitcoin in Richtung 60.000 US-Dollar oder darunter fallen und noch mehr Marktteilnehmer in den Verlustbereich drücken, könnte das kurzfristig zusätzlichen Druck erzeugen. Gleichzeitig würde sich aus längerfristiger Perspektive ein Umfeld entwickeln, das historisch eher mit Akkumulationsphasen als mit Beginn neuer Crashs verbunden war.

Fazit zum aktuellen Bitcoin-Kurs

Der Bitcoin-Kurs befindet sich weiterhin in einem Spannungsfeld aus geopolitischem Risiko und struktureller Marktbereinigung. Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran führte zu einer deutlichen Reduktion gehebelter Positionen im Derivatemarkt, doch eine breite On-Chain-Kapitulation blieb aus. Kurzfristige Investoren reagieren bislang kontrolliert.

Die anschließende Erholung war strukturell gesund, konnte jedoch keinen nachhaltigen Trendwechsel etablieren. Mit Kursen um 66.000 US-Dollar bleibt das kurzfristige Bild angeschlagen. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass ein Großteil der jüngeren Marktteilnehmer bereits im Verlustbereich notiert, ein Zustand, der historisch eher mit späteren Stabilisierungsphasen als mit dem Beginn neuer systemischer Einbrüche verbunden war.

Ob sich daraus eine echte Bodenbildung entwickelt oder eine weitere Abwärtswelle folgt, hängt von der geopolitischen Lage, der Entwicklung des Ölpreises und der makroökonomischen Dynamik ab.

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