Anleihen: "Höhere Renditen locken in Fremdwährungen"
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17. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Konflikt im Nahen Osten hat die Märkte wieder voll im Griff. Die neuen Angriffe der USA auf iranische Ziele und damit verbundene Sorgen vor möglichen Zerstörungen der Ölinfrastruktur haben zu steigenden Ölpreisen und Anleiherenditen geführt. Die deutlich niedriger als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten wurden in diesem Umfeld zur Nebensache. „Normalerweise hätten die Zahlen den Markt beflügeln sollen, aber im Moment liegt der Fokus mehr auf der politischen Situation“, erklärt Arthur Brunner von der ICF Bank. Die geringe Teuerungsrate werde nur „als Momentaufnahme wahrgenommen“. Für die Zukunft werden durch den anhaltenden Konflikt wieder höhere Inflationsraten und damit auch Leitzinserhöhungen der Notenbanken befürchtet.
Vor allem hierzulande setzt sich der Renditeanstieg fort. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aktuell bei 3,14 Prozent, nach 3,04 Prozent in der Vorwoche. Vor drei Wochen waren es noch 2,85 Prozent. Das Umfeld am Rentenmarkt bleibt nach Ansicht von Ulrich Wortberg herausfordernd. Mit Blick auf den richtungsweisenden Bund-Future verweist der Analyst der Helaba auf den intakten Abwärtsimpuls. „Sollte der Bereich um 124,50 Punkte unterschritten werden, kann ein Rücksetzer bis zum Kontrakttief bei 123,77 Punkten nicht ausgeschlossen werden“, warnt er. Als Widerstände sieht er für das Kursbarometer deutscher Anleihen die letzten Hochs und die 55-Tage-Linie im Bereich von 125,74 bis 125,83 Punkten.
Fremdwährungsanleihen führen die Umsatzlisten an
Im durch die Sommerpause ruhiger werdenden Handel sind aktuell vor allem Währungsanleihen gefragt. Brunner berichtet von guten Umsätzen in einer AUD-Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (<AU3CB0296598>). Das Papier wird im Februar 2029 fällig und wirft eine Rendite von 4,6 Prozent ab. „Der Austral-Dollar ist sehr gefragt, weil die Währung relativ stabil ist und die Renditen deutlich höher als bei uns sind“, sagt der Händler. Umsatzspitzenreiter ist aber ein im Jahr 2044 fälliger Bond der United States of America (<US912810RH32>), der mit 5,2 Prozent rentiert. „Hier sehen wir seit Wochen größere Käufe von Privatanlegern.“ Durch die lange Restlaufzeit weist das Papier eine relativ hohe Volatilität auf. Seit der Emission im Sommer 2014 schwankte der Kurs zwischen 73 und 140 Prozent.
Arthur Brunner
Auch im Segment der Unternehmensanleihen liegt der Fokus auf US-Dollar-Papieren. Gekauft werden ein bis 2033 laufender Bond von Toyota Motor Credit Corp. (<US89236TQF56>) mit 5,1 Prozent Rendite sowie zwei Anleihen von Amazon.com Inc., die bei Laufzeiten bis 2046 (<US023135EF90>) bzw. 2056 (<US023135EG73>) jeweils mit 6,1 Prozent rentieren. „Die Anleger achten bei den Emittenten auf gute Namen“, berichtet uns Tim Oechsner von der Steubing AG.
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank spricht von „insgesamt sehr überschaubaren Umsätzen“ in dieser Woche. Gesucht ist vor allem eine frisch emittierte Anleihe der CA Immobilien Anlagen AG (<XS3398037146>). Das Papier wirft bis 2029 eine Rendite von 3,9 Prozent ab. Ebenfalls auf den Einkauflisten steht ein in gut zwei Jahren fälliger Bond der Deutschen Pfandbriefbank (<DE000A382665>), der eine Rendite von 4,1 Prozent abwirft.
SoWiTec-Anleihen brechen nach Insolvenzantrag ein
Einen massiven Kursrutsch erlitten zur Wochenmitte zwei Anleihen der SoWiTec group GmbH, nachdem der Windkraftpionier einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Brunner erklärt, dass die Papiere im Anschluss zunächst „auf Flat umgestellt“ wurden. Das bedeutet, dass der Kurs ohne Stückzinsen berechnet wird. Zusätzlich wurden alle im Markt liegenden Kauf- und Verkaufslimits gelöscht. Anschließend wurde der Handel wieder aufgenommen. Die zuvor bei 60 bzw. 70 Prozent notierenden Anleihen (<DE000A30V6L2> bzw. <DE000A2NBZ21>) werden aktuell zu Kursen zwischen 10 und 14 Prozent gehandelt. „Auf diesem Niveau sehen wir aktuell einen guten Mix aus Schnäppchenjägern und Anlegern, die raus aus den Papieren wollen“, meldet der Händler. Welcher Anteil der Forderungen am Ende ausgezahlt wird, zeigt sich nach Brunners Erfahrung „oft erst in mehreren Jahren“.
Von Thomas Koch, 17. Juli 2026, © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
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