Aktien im KI-Rausch, Anleihen unter Druck: Bitcoin gerät ins Spannungsfeld
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Die Wall Street handelt, als hätte der nächste Superzyklus begonnen. Der S&P 500 hat erstmals über 7.500 Punkten geschlossen, Nvidia zieht den gesamten Markt weiter nach oben und Anleger werfen sich erneut mit voller Wucht in Risikoassets.
Der Dow Jones hat erneut die Marke von 50.000 Punkten übersprungen, der Nasdaq markiert das nächste Rekordhoch. Auch die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist auf über 4,5 Prozent gestiegen.
KI-Euphorie treibt Aktien und Bitcoin
Seit dem Tief Ende März hat der S&P 500 rund 19 Prozent zugelegt. Innerhalb weniger Wochen sind damit rechnerisch rund elf Billionen US-Dollar zusätzlicher Marktwert zurück in den US-Aktienmarkt geflossen.
Angeführt wird die Bewegung von KI-Aktien. Nvidia kommt inzwischen auf rund 5,7 Billionen US-Dollar Börsenwert, nachdem die Aktie allein innerhalb von sieben Handelstagen etwa 20 Prozent zugelegt hat.
Auch der Rest des KI-Sektors bleibt im Rallye-Modus: Cerebras Systems Inc. (ein US-amerikanisches Unternehmen für künstliche Intelligenz) ist bei seinem Börsengang zeitweise fast 90 Prozent über den Ausgabepreis gesprungen.
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Für Bitcoin ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Denn: In früheren Marktphasen profitierte die Leitwährung häufig zeitversetzt von stark steigendem Risikoappetit. Entscheidend bleibt allerdings, ob die Liquiditätsbedingungen dieses Umfeld weiter tragen können.
Der Anleihenmarkt warnt vor Inflation
Das führt zu einem Problem: Die US-Großhandelspreise sind im April um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und damit so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Auch der Verbraucherpreisindex liegt mit 3,8 Prozent weiterhin deutlich über dem Ziel der Fed.
Entsprechend aggressiv haben sich die Zinserwartungen verschoben. Der Markt preist eher eine weitere Zinserhöhung als eine schnelle Lockerung der Geldpolitik ein. Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihe ist erstmals seit Juni 2025 wieder über vier Prozent gesprungen.
Gleichzeitig steigen auch die langfristigen Renditen weltweit. In Japan hat die Rendite der zwanzigjährigen Staatsanleihe mit 3,605 Prozent den höchsten Stand seit 1996 erreicht. Zusätzlichen Druck liefert der Ölmarkt. WTI, eine der wichtigsten Rohölsorten weltweit und zentraler Referenzpreis, notiert bei rund 101 US-Dollar pro Barrel. Zeitgleich hat die strategische Ölreserve der USA zuletzt den stärksten Wochenrückgang ihrer Geschichte verzeichnet.
Für Bitcoin bedeutet das ein schwieriges Umfeld: Höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten nicht verzinster Assets wie BTC. Bleiben die Realzinsen wegen der hartnäckigen Inflation allerdings niedrig, kann Bitcoin sein Narrativ als Inflationsschutz weiter verteidigen.
Politischer Rückenwind stabilisiert Bitcoin
Kurzfristige Unterstützung kam diese Woche zusätzlich aus Washington und Peking. Trump und Xi haben ihr Treffen in China mit mehreren Signalen zur geopolitischen Entspannung beendet. Parallel verabschiedete das Senate Banking Committee den Crypto CLARITY Act mit 15 zu 9 Stimmen aus dem Ausschuss. Damit rückte erstmals ein umfassendes Marktstrukturgesetz für Krypto-Assets näher an die Umsetzung.
Bitcoin reagierte mit einem Sprung auf 82.000 US-Dollar. Gleichzeitig sind laut Marktdaten rund 144 Millionen US-Dollar über BlackRock-Produkte in Bitcoin ETFs geflossen. Noch reicht regulatorischer Optimismus aus, um den Druck steigender Renditen zumindest zeitweise zu überdecken.
Die Marke von 80.000 US-Dollar wird zur Belastungsprobe
Steigt die Rendite der dreißigjährigen US-Staatsanleihe nachhaltig über fünf Prozent oder läuft der Dollar-Index Richtung 100 Punkte, dürfte Bitcoin die Unterstützung bei 80.000 US-Dollar erneut testen.
Findet die Fed unter dem neu bestätigten Vorsitzenden Kevin Warsh dagegen vor der Juni-Sitzung eine weichere Tonlage, könnte sich das Fenster Richtung 85.000 US-Dollar öffnen.
Damit entscheidet sich in den kommenden Wochen, welches Narrativ stärker bleibt: die KI-getriebene Euphorie der Aktienmärkte oder der Inflationsdruck des Anleihenmarkts.
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