63 Milliarden Dollar für KI-Chips: Wie Blackstone mitmischt
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Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- 01Milliarden-Finanzierung: Blackstone stellt den Second-Lien-Anteil für eine 63-Milliarden-Dollar-Finanzierung von Broadcom-Hardware für Anthropic bereit.
- 02Leasing-Konstrukt: Eine neu gegründete Zweckgesellschaft kauft die Chips und verleast sie ab 2027 an Anthropic.
- 03Banken-Beteiligung: Bank of America, Citi und Morgan Stanley übernehmen den erstrangigen Kreditanteil, für den Broadcom eine Restwertgarantie liefert.
Wall Street finanziert Rechenleistung im Rekordformat
Der enorme Hunger nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz bindet Kapital in nie dagewesener Höhe. Blackstone übernimmt dabei eine Schlüsselrolle: Der Finanzinvestor ist der alleinige Anbieter der zugesagten Second-Lien-Finanzierung für eine 63 Milliarden US-Dollar schwere Struktur. Mit diesen Mitteln werden Broadcom-XPU-Beschleuniger und passende Netzwerktechnik für das KI-Unternehmen Anthropic finanziert, wie aus einer offiziellen Broadcom-Mitteilung hervorgeht.
Die Dimension verdeutlicht den Wandel im gesamten Technologiesektor: Reine Eigenkapitalfinanzierungen reichen bei den aktuellen Investitionssummen für modernste Rechenzentren oft nicht mehr aus. Stattdessen treten große alternative Vermögensverwalter und etablierte Banken gemeinsam als direkte Finanziers der Hardware auf. Die Auslieferungen der im Rahmen der Vereinbarung eingesetzten Hardware sollen im Kalenderjahr 2027 beginnen.
Für Software- und Modellentwickler wie Anthropic bedeutet dieser Weg eine erhebliche Entlastung der eigenen Bilanz. Statt Milliardenbeträge auf einen Schlag für den Kauf von Spezialhardware bereitzustellen, wandelt das Modell hohe einmalige Ausgaben in planbare laufende Betriebskosten um. Gleichzeitig sichert sich Broadcom einen planbaren Absatz für seine spezialisierten Prozessoren über mehrere Jahre hinweg.
Eine Zweckgesellschaft als Hebel für Broadcom und Anthropic
Die gesamte Transaktion wird über eine eigens neu gegründete Zweckgesellschaft (Special Purpose Vehicle) abgewickelt. Diese Gesellschaft kauft die Spezialhardware direkt von Broadcom und verleast sie anschließend an Anthropic. Laut Medienberichten von Yahoo Finance soll das Leasing über einen Zeitraum von fünf Jahren laufen und vier Standorte in vier US-Bundesstaaten umfassen.
Die Transaktion wird über eine neu gegründete Zweckgesellschaft abgewickelt, die Broadcom-Hardware kauft und an Anthropic verleast.
Die Finanzierung teilt sich in zwei Tranchen auf. Den vorrangigen First-Lien-Anteil arrangieren die Investmentbanken Bank of America, Citi und Morgan Stanley. Laut mit der Angelegenheit vertrauten Quellen, über die Reuters berichtete, beläuft sich dieser Anteil auf rund 43,5 Milliarden US-Dollar, was etwa 69 Prozent des Gesamtrahmens entspricht. Für diesen vorrangigen Teil stellt Broadcom selbst eine Restwertabsicherung bereit.
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First-Lien und Second-Lien im Vergleich
First-Lien-Kredite sind im Insolvenzfall vorrangig besichert und tragen das geringste Ausfallrisiko. Second-Lien-Tranchen stehen im Rang dahinter: Sie bieten Investoren wie Blackstone höhere Renditen, greifen bei Verwertungen aber erst nach vollständiger Befriedigung der vorrangigen Gläubiger.
Laut Berichten von Yahoo Finance steht Blackstone hinter der nachrangigen Tranche mit einem Volumen von rund 18 Milliarden US-Dollar. Berichten zufolge sollen beteiligte Banken die Transaktion im Vorfeld vorübergehend kritisch geprüft und einen Rückzug erwogen haben, bevor das Vertragswerk final stand. Bloomberg merkte an, dass diese Struktur als Modell für weitere assetbasierte Finanzierungen von KI-Hardware dienen könnte.
Blackstones wachsende Wette auf Daten-Infrastruktur
Für Blackstone reiht sich das Engagement in eine längerfristige Strategie ein. Der Konzern baut seit Jahren seine Beteiligungen rund um Rechenzentren und deren Ausrüstung aus. Bereits 2021 übernahm Blackstone den US-amerikanischen und europäischen Rechenzentrumsanbieter QTS im Rahmen einer 10-Milliarden-US-Dollar-Transaktion. Im asiatisch-pazifischen Raum folgte die Übernahme von AirTrunk, die Blackstone mit 24 Milliarden australischen Dollar als bisher größte Unternehmenstransaktion in dieser Region bezifferte.
Auch im Bereich Private Debt sammelte Blackstone bereits einschlägige Erfahrungen mit KI-Infrastruktur: Das Haus arrangierte für den Betreiber CoreWeave eine der größten Private-Debt-Finanzierungen seiner Unternehmensgeschichte. Der Einstieg bei Anthropic und Broadcom erweitert dieses Profil um direkt besichertes Hardware-Leasing in zweistelliger Milliardenhöhe.
Die Kombination aus physischen Rechenzentren, Fremdkapitalzusagen und direkter Hardware-Finanzierung verschafft dem Vermögensverwalter Einblicke in sämtliche Ebenen der KI-Lieferkette. Private-Credit-Geschäfte dieser Art füllen zunehmend die Lücke, die klassische Bankbilanzen aufgrund regulatorischer Grenzen bei großvolumigen Tech-Krediten hinterlassen.
Risiken durch schnellen Chip-Wertverlust
Trotz der gewaltigen Summen birgt das Modell spezifische Herausforderungen. Laut Reuters könnte der rasche technologische Wandel bei KI-Beschleunigern die Restwerte der als Sicherheit dienenden Hardware unter Druck setzen. Wenn nachfolgende Chip-Generationen deutlich leistungsfähiger sind, sinkt der Marktwert älterer Systeme oft schneller als bei herkömmlichen Industrieanlagen oder Immobilien.
Die vereinbarte Restwertabsicherung durch Broadcom federt zwar Teile des Risikos für die beteiligten Konsortialbanken der First-Lien-Tranche ab. Dennoch zeigt die Struktur, wie stark die Renditen alternativer Finanzierer künftig an der langfristigen Auslastung und Nutzbarkeit spezialisierter Halbleiter hängen. Sollte sich die Nachfrage nach den XPU-Systemen vor Ablauf der fünf Jahre verschieben, trägt insbesondere der nachrangige Kapitalgeber ein erhöhtes Verwertungsrisiko.
