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Kommentar
09:00 Uhr, 21.08.2026

Zwischen Laufzeitprämie und Leitzinspfad

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US-Industrie hui, Handel mau

Während die jüngsten Einzelhandelszahlen - bestätigt durch die enttäuschenden Umsatzzahlen von Walmart - auf eine nachlassende Dynamik des privaten Konsums hindeuten, zeichnet der Stimmungsindikator der Fed Philadelphia ein überraschend robustes Bild der Konjunkturlage im Verarbeitenden Gewerbe. Der Index der aktuellen Geschäftstätigkeit stieg von 41,4 Punkten im Juli auf 47,4 Punkte im August an und erreichte damit den höchsten Stand seit April 2021. Angesichts des regional begrenzten Erhebungskreises und der hohen Volatilität des Indikators sollte das kräftige Plus unseres Erachtens indes nicht überbewertet werden.

Verschuldung treibt Laufzeitprämie

Die US-Staatsverschuldung hat laut US-Finanzministerium - wie gestern an dieser Stelle bereits kurz erwähnt - am Dienstag erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Sie hat sich damit in weniger als zehn Jahren mehr als verdoppelt; Gründe sind unter anderem hohe Corona-Ausgaben, Steuersenkungen, steigende Sozial- und Gesundheitsausgaben sowie höhere Zinskosten. Die Verschuldung setzt sich zusammen aus 32,3 Billionen US-Dollar an öffentlich gehaltenen Schuldtiteln und 7,8 Billionen US-Dollar an innerstaatlichen Verbindlichkeiten. Die steigende US-Staatsverschuldung dürfte zunehmend auch die Laufzeitprämie nach oben treiben. So ist die von der Fed New York geschätzte Laufzeitprämie zehnjähriger US-Staatsanleinen in den vergangenen beiden Jahren merklich gestiegen.

Suche nach Preis-Lohn-Spirale

Heute vormittag wird der Finanzinformationsdienstleister S&P Global für eine Reihe von Staaten Einkaufsmanagerindizes veröffentlichten. Aufgrund der positiven Vorgabe des ZEW-Indikators erwarten wir, dass der sogenannte Composite PMI für Deutschland im August leicht angestiegen sein wird. Mindestens die gleiche Aufmerksamkeit sollten Marktteilnehmer den heutigen EZB-Veröffentlichungen schenken. Der Tariflohnindikator und die Inflationserwartungen der Verbraucher stehen auf der Agenda. Anzeichen für die gefürchtete Preis-Lohn-Spirale sind bislang kaum auszumachen. Die Tariflöhne im Euroraum stiegen zuletzt mit einer Rate von 2,5 % im Vorjahresvergleich an, und die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher scheinen noch fest verankert zu sein. Wir gehen zwar aufgrund entsprechender Signale aus dem Euro-Tower davon aus, dass der EZB-Rat auf seiner Gremiensitzung im September eine Erhöhung seiner Schlüsselzinsen um jeweils einen Viertelprozentpunkt beschließen wird. Das soll es unseres Erachtens dann auch gewesen sein. Die Geldmärkte preisen bis Mitte 2027 indes mindestens eine weitere Leitzinserhöhung über den für September erwarteten Zinsschritt hinaus ein. Das Eintreffen unserer EZB-Prognose sollte an und für sich den Kurs des Euro schwächen. Da wir für die US-Notenbank jedoch auch einen Kurs voraussagen, der weniger restriktiv ist als die Prognose des Finanzmarkkonsenses, halten wir an unserer Prognose einer Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar fest. Nach unserer Prognose wird die Gemeinschaftswährung Mitte 2027 bei 1,19 US-Dollar notieren. Für Rückenwind sorgten zuletzt allerdings weniger veränderte Leitzinserwartungen diesseits des Atlantiks als vielmehr die US-Seite. Die überraschend angekündigte Verdoppelung der Rückkäufe langlaufender US-Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium ließ die Renditen am langen Ende zwischenzeitlich sinken und setzte den US-Dollar unter Druck.

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