Kommentar
17:52 Uhr, 14.10.2026

Zwei Billionen US-Dollar Defizit: Darum setzt Lyn Alden auf Bitcoin und Gold

Die USA geben jedes Jahr Billionen mehr aus, als sie einnehmen. Lyn Alden erklärt, warum weder die Fed noch der KI-Boom daran etwas ändern. Was folgt daraus für Bitcoin?

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Die Vereinigten Staaten haben im Haushaltsjahr 2026 rund zwei Billionen US-Dollar mehr ausgegeben, als sie eingenommen haben. Für die Makro-Strategin Lyn Alden ist klar: "Nichts stoppt diesen Zug". Im Interview mit Bitcoin Magazine erklärt sie, warum weder Zinserhöhungen noch der KI-Boom Einfluss auf diese Negativspirale haben.

Warum die Zinsbremse der Fed kaum noch greift

Den Kern des Problems erklärt sie mit dem Begriff Fiskaldominanz. Damit ist ein Zustand gemeint, in dem die Staatsfinanzen den Zinskurs bestimmen und die Notenbank nur noch stiller Beifahrer ist. Die Werkzeuge der Fed wirken vor allem über die Kreditvergabe der Banken. Das funktionierte in den 1970er Jahren sehr gut, als ausufernde Bankkredite die Inflation trieben. Heute liegt die US-Staatsverschuldung laut Congressional Budget Office (CBO) jedoch bei rund 101 Prozent der Wirtschaftsleistung und damit nahe am Rekord aus dem Jahr 1946.

In seiner Projektion für 2026 rechnete das CBO mit einem Defizit von 5,8 Prozent des BIP, wovon 3,3 Prozent auf Zinsen entfallen. Mehr als die Hälfte des Lochs im Haushalt entsteht also durch das Bedienen der eigenen Schulden. Gemessen an der Wirtschaftsleistung zahlen die USA damit so viel Zinsen wie zuletzt Anfang der 1990er Jahre.

Mit jeder weiteren Zinserhöhung wächst dieser Posten weiter, auch mit der jüngsten im September, der ersten seit 2023. Höhere Zinsen blähen das Defizit damit stärker auf, als sie die Kreditvergabe bremsen. Für Alden ist klar: "Ein Land, das so hoch verschuldet ist, wird auf die eine oder andere Weise ausfallen." Da die USA in eigener Währung verschuldet sind, geschehe das über die Kaufkraft und der Entwertung dieser.

Was KI billiger macht und was nicht

Viele Tech-Unternehmer erwarten, dass künstliche Intelligenz die Inflation auffängt und Preise von Gütern sinken lässt. Alden sieht das anders, denn: Am einen Ende stehen Dinge, die sich kaum vermehren lassen, etwa Grundstücke am Wasser oder Bitcoin. Am anderen Ende liegen Industriegüter, deren Produktion Automatisierung und Auslagerung über Jahrzehnte radikal vereinfacht haben. „Es ist heute einfacher, ein T-Shirt oder ein Plastikspielzeug herzustellen als vor 30 Jahren“, sagt Alden. Das habe diese Güter selbst beim Gelddrucken günstig gehalten und die Preissteigerungen auf die knappe Seite verlagert.

Wie weit beide Enden auseinanderliegen, zeigt der US-Verbraucherpreisindex. Spielzeug kostet heute rund drei Viertel weniger als zur Jahrtausendwende, während sich die Kosten für das Wohnen mehr als verdoppelt haben.

KI setzt nun an einem anderen Teil der Wirtschaft an und verbilligt Bürotätigkeiten, eine Übersetzung oder ein Plakatentwurf kostet nur noch einen Bruchteil früherer Preise. „Wenn sich die Technologie so durchsetzt, wie viele von uns es erwarten, wird sie in diesen Kategorien deflationär wirken“, sagt Alden. „Das bedeutet aber nicht, dass sie das Gelddrucken verlangsamt.“

Bitcoin, Gold und das Ende des KI-Booms

Alden hält deshalb seit Jahren Gold und Bitcoin. Gold erreichte am 28. Januar mit 5.589 US-Dollar ein Rekordhoch und notierte Ende September noch rund ein Viertel darunter. Einen Preis um 4.000 US-Dollar hält Alden für „sehr vernünftig“, nach dem starken Lauf brauche das Metall aber vorerst Zeit zur Konsolidierung.

Bitcoin verhält sich anders: Alle Goldbestände der Welt sind zusammen rund 29 Billionen US-Dollar wert, sämtliche Bitcoin kommen auf rund 1,7 Billionen. Gold liegt häufig bei Notenbanken, Bitcoin gilt im Portfolio eher als Risikoanlage. Deshalb laufen die beiden knappen Anlagen mal gemeinsam und mal getrennt.

Seit April hat Bitcoin rund 14 Prozent zugelegt, Gold hat hingegen rund zwölf Prozent verloren hat. Von seinem Rekordhoch bei gut 126.000 US-Dollar aus dem Oktober 2025 ist Bitcoin dennoch rund ein Drittel entfernt.

Den nächsten Schub könnte ausgerechnet der KI-Boom liefern. Unternehmen mit mehreren Billionen US-Dollar Börsenwert können sich kaum noch so vervielfachen wie in ihren kleineren Jahren, Bitcoin hat mit weniger als zwei Billionen US-Dollar Marktwert mehr Luft. „Ein großer Teil des schnellen Geldes ist raus, Bitcoin ist in starken Händen“, sagt Alden. Für Anleger, die Gewinne aus KI-Aktien in eine weniger überlaufene Wette mit Nähe zur Technologie umschichten wollen, könne das antizyklisch interessant werden.

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An der langfristigen Richtung ändert das alles nichts. Weltweit kommt immer mehr Geld in Umlauf und Staaten leihen sich über neue Anleihen immer mehr davon. Alden vergleicht das mit einer steigenden Flut: Die einzelnen Wellen kommen und gehen, so wie Kurse mal steigen und mal fallen, der Wasserstand insgesamt steigt trotzdem. Die besten knappen Anlagen will sie deshalb weiter halten, „und Bitcoin gehört offensichtlich zu den besten“.

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