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Kommentar
09:00 Uhr, 02.10.2026

Zinsanstieg ungebremst

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Renditen weiter im Aufwind

Der Ausverkauf am weltweiten Staatsanleihemarkt weitet sich aus. Die Rendite 10-jähriger US-Anleihen stieg am Donnerstag auf 5,34 %, den höchsten Stand seit 2002. Britische 30-jährige Anleihen rentierten mit bis zu 6 % so hoch wie seit 1998 nicht mehr. Treiber sind Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs: Steigende Ölpreise lassen höhere, länger anhaltende Teuerung und steigende Leitzinsen erwarten. Anleger verkaufen bestehende Bonds zugunsten neuer, höher verzinster Papiere. Dadurch fallen die Kurse und steigen die Renditen. Neben den USA steht heute Frankreich im Fokus: Die Staatsanleiherenditen erreichten die höchsten Stände seit mehr als 20 Jahren. Der Aufschlag gegenüber Bundesanleihen stieg auf Niveaus wie zuletzt in der Euro-Schuldenkrise 2012. Gründe sind hohe Staatsschulden, politische Blockaden und Zweifel an der Haushaltskonsolidierung. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters dürfte die EZB derzeit nicht eingreifen: Ihre Instrumente sollen ungerechtfertigte Marktfragmentierung bekämpfen, keine fiskalpolitischen Probleme einzelner Staaten finanzieren. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte gestern, für die EZB stehe weiter Preisstabilität im Vordergrund, nicht einzelne Bondspreads.

Erdgas: Hohe Preise, leere Speicher – Berlin greift ein

Der TTF-Frontmonat notiert um 72 €/MWh, nach über 83 € Mitte September, dem höchsten Stand seit Ende 2022. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis fast verdreifacht - vor allem wegen der Blockade der Straße von Hormus, die LNG-Lieferungen bremst. Die EU-Speicher sind zu rund 71 % gefüllt, gut 15 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresmittel. Die deutschen Speicher sind nur zu 57,7 % gefüllt. Hohe Preise lassen zudem den Sommer-Winter-Spread als Einspeicheranreiz entfallen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat daher in Abstimmung mit Kanzler Merz die bundeseigene Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember zusätzlich 8 TWh Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Die Pflicht der übrigen Marktakteure bleibe "ohne Wenn und Aber" bestehen. Ab 2027 soll eine strategische Gasreserve entstehen. Ein milder Winter dürfte reichen, Kälte würde den TTF weiter treiben.

Inflation und Arbeitsmarkt bestimmen heute die Agenda

Um 11:00 Uhr folgt die Schnellschätzung zur Euro-Inflation im September. Höhere Öl- und Kraftstoffpreise dürften den Preisauftrieb verstärkt haben. Dieser dürfte zunehmend weniger volatile Güter und Dienstleistungen erfassen. Volkswirte erwarten im Median eine Gesamtinflation von 3,5 % nach 3,2 % und eine Kernrate von 2,6 % nach 2,4 %. Hinweise auf verfestigten Preisdruck dürften Erwartungen an eine restriktivere EZB-Politik stützen. Den nächsten Zinsschritt um 25 Basispunkte preisen die Märkte für die übernächste Sitzung im Dezember ein. Um 14:30 Uhr folgt der US-Arbeitsmarktbericht für September. Die Arbeitslosenquote dürfte den dritten Monat in Folge bei 4,1 % und damit auf dem niedrigsten Stand seit Juni 2025 liegen. Der Stellenaufbau außerhalb der Landwirtschaft könnte auf 100.000 sinken, nach 162.000 im August, dem stärksten Plus seit März. Dies würde die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarkts bestätigen. Angesichts ihres Doppelmandats dürfte die Fed vorerst die Bekämpfung der zu hohen Inflation in den Mittelpunkt stellen.

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